Energiekrise

EVI will Fernwärme-Netz in Hildesheim ausbauen

Hildesheim - Die Stadtwerke-Tochter hat „noch viel vor“. Allerdings müssen auch Wärmekunden mit deutlichen Preiserhöhungen rechnen. Und in zwei Stadtteilen hängt das Modell doch wieder am Gas.

Mit solchen Holzschnitzeln betreibt die EVI Energieversorgung Hildesheim das Kraftwerk für ihre Fernwärme. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Die Furcht vor einem Ende der Gaslieferungen aus Russland lässt Privatleute und Unternehmen intensiv nach Alternativen für die eigene Heizung suchen. Fernwärme ist eine, noch dazu ist sie in der Herstellung umweltfreundlicher als die Erzeugung aus fossilen Brennstoffen. Tatsächlich will die EVI Energieversorgung Hildesheim ihr Netz langfristig weiter ausbauen. Wer bereits angeschlossen ist, muss mit Preissteigerungen rechnen – genießt aber Sicherheit für den Winter.

In den Fokus geraten sind die Fernwärme und ihre Möglichkeiten neben der bundesweiten Gaskrise zuletzt auch aus zwei lokalen Gründen. Zum einen kündigte Jens Mahnken, Geschäftsführer der größten Hildesheimer Wohnungsbaugesellschaft gbg, im HAZ-Interview am Samstag an, mehr Wohnhäuser des Unternehmens an das EVI-Fernwärmenetz anschließen zu wollen. Zum anderen machte der Automobil-Zulieferer Meteor aus Bockenem Pläne öffentlich, die Heizung von Fabrikhallen und Büros künftig mithilfe des kreisweit größten Wärmespeichers über die Abwärme einer nahen Biogasanlage zu bestreiten.

Leitungen in City und Oststadt

Beide Firmen haben damit unabhängig voneinander die Fernwärme als Alternative zum Erdgas ins Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung gerückt. Tatsächlich baut die EVI seit Jahren langsam, aber stetig ein Fernwärmenetz in der Stadt aus. Gespeist wird es vor allem über das Holzheizkraftwerk auf dem Stadtwerke-Gelände am Römerring. Fernwärmeleitungen führen unter anderem in die Innen- und die Oststadt sowie auf das Gelände des ehemaligen Städtischen Krankenhauses am Weinberg.

Angeschlossen sind Mehrfamilienhäuser ebenso wie Einfamilienhäuser und gewerbliche Gebäude. Wärmenetze unterhält die EVI zudem an der Pippelsburg und – mit einem zusätzlichen Wärmespeicher – in Drispenstedt. Diese Netze werden allerdings über Blockheizkraftwerke versorgt. Und die laufen mit Erdgas.

Preise steigen wohl weniger stark

Wie viele Haushalte in Hildesheim am Fernwärmenetz hängen, sagt die EVI nicht – man äußere sich generell nicht zu Kundenzahlen, erklärt Sprecherin Katrin Groß. Sie betont aber: „Das Kraftwerk ist gut ausgelastet. Teile der Oststadt sind ja nun zusätzlich angeschlossen und das Ostend zu beinahe 100 Prozent.“ Die EVI habe auch noch „weitere Ausbaupläne für die Fernwärme und noch viel vor“. Das sei allerdings noch „nicht ganz spruchreif“.

Auch wer am Fernwärmenetz hängt oder sich noch dort anschließen lässt – was möglich ist, wenn man seine Immobilie nahe an einer bestehenden Versorgungsleitung hat – muss indes mit Preissteigerungen rechnen. Die EVI nennt dazu keine Zahlen. Tatsache ist aber, dass die Preise sich an der Entwicklung des Energiemarktes insgesamt orientieren, die Lieferverträge enthalten entsprechende Preisgleitklauseln. „Der Grundpreis orientiert sich an der Lohnentwicklung und den Preisen der Investitionsgüterindustrie und steigt nur sehr moderat“, erklärt die EVI zu dem Thema. „Der Arbeitspreis unterliegt den Schwankungen am Energiemarkt und passt sich diesem an.“ Wolfgang Dressler, Geschäftsführer des Beamtenwohnungsvereins und damit einer der Abnehmer, ist aber sicher: „Die Preise werden sich beileibe nicht so stark erhöhen wie die Gaspreise.“

Teurer, aber unabhängiger

Dass auch die Fernwärme deutlich teurer wird, erscheint dennoch sicher. Zumindest die Energie, die über das Holzheizkraftwerk erzeugt wird, dürfte aber unabhängig von einem Gaslieferstopp weiter zur Verfügung stehen und kontinuierlich Wärme liefern. Schließlich, so betont die EVI, ist das nötige Holz „regional verfügbar und wächst ständig nach“.

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