Sarstedt - Rekordzahlen sowohl bundes- als auch landesweit, Verordnungen, die in Windeseile überarbeitet werden: Die herbstliche Corona-Welle trifft Deutschland mit voller Wucht, auch Sarstedt bleibt nicht außen vor. Zehn Infizierte sind es am Donnerstag.
Grund genug für die Stadtverwaltung, eine außerplanmäßige Tagung des Corona-Krisenstabs anzusetzen: „Die Zahlen gingen schrittweise hoch in dieser Woche“, sagte Bürgermeistern Heike Brennecke. 53 Sarstedter befinden sich ihrer Kenntnis nach derzeit in Quarantäne, 17 davon sind Reiserückkehrer aus Risikogebieten.
„Kein Notstand“
„Ein Notstandsmeeting ist das hier aber nicht“, stellte sie klar. Vielmehr wolle sie den Anbruch der dunklen Jahreszeit nutzen, um die Bürger zu sensibilisieren: „Wir appellieren daran, dass die Leute sich Corona-konform verhalten, also Abstand halten und da, wo es nötig ist, eine Maske tragen“, sagte Brennecke.
Dass das zusammenhängt, erläuterte Ordnungsamt-Chefin Birgit Beulen noch einmal: „Das Abstandsgebot gilt grundsätzlich. Wenn ich das nicht einhalten kann, dann habe ich eine Maske zu tragen.“ Das gelte unabhängig von der Maskenpflicht, die auf geschlossene Räume abzielt. So sei es in öffentlichen Gebäuden wie Einkaufsläden ohnehin nicht gestattet, ohne Maske einzutreten.
„Du-du-du reicht nicht mehr“
Dort ist allerdings der Betreiber für die Einhaltung der Regeln zuständig, nicht das Ordnungsamt oder die Polizei. Das sagt die neue Verordnung der Landesregierung, die seit dem 7. Oktober in Kraft getreten ist. Zuvor hatte es darüber Unstimmigkeiten gegeben, unter anderem im Sarstedter Rewe-Markt in der Voss-Straße. Die alte Verordnung war in diesem Punkt nicht ganz eindeutig.
Letztere wird es bei Verstößen im öffentlichen Raum in Zukunft aber nicht mehr bei einer gerunzelten Stirn und einem Zeigefinger belassen, stellte Polizeisprecher Frank Müller klar. „Ein Du-du-du reicht nicht mehr aus. Eine fehlende Maske ist eine Ordnungswidrigkeit – und wird ab sofort geahndet.“ Bereits am Donnerstag führte die Polizei erste Kontrollen an öffentlichen Orten durch.
Bußgeld bis 150 Euro möglich
Das Bußgeld pendelt dabei zwischen 100 und 150 Euro – je nach Ermessen. Claudia Schröder, die stellvertretende Leiterin des Corona-Krisenstabs der niedersächsischen Landesregierung, sagte dazu: „Wenn eine Person die Mund-Nase-Bedeckung nur aus ’Schusseligkeit’ nicht aufgesetzt hat, kann das Bußgeld geringer ausfallen.“ Auch weitere Faktoren wie das Ausmaß der Gefährdung der Öffentlichkeit oder ob Fahrlässigkeit oder Vorsatz spielen eine Rolle. Allerdings: „Alles zur Maske wurde zigmal publiziert und ist bekannt“, so Frank Müller. „Die Zeit der Mahnungen ist vorbei.“
Grenzwerte überschritten: Das sind die Corona-Risikogebiete in Niedersachsen
Am Freitag wird die Stadt von 14 Uhr bis etwa 16.30 Uhr mit einem kleinen Stand beim Stadtmarkt zugegen sein und gegen eine Spende Schutzmasken verteilen. Auch Birgit Beulen ist dabei – auch, um zu informieren und zu mahnen. Eine Strategie, die Müller aufseiten der Polizei von nun an ausschließt: „Da machen wir nicht mehr mit.“
Rathaus prüft weitere Schritte
Das Rathaus prüft, ob eine Maskenpflicht in der Fußgängerzone zur Marktzeit im Bereich des Möglichen liegt. „Das ist ein Verwaltungsakt“, sagte Beulen. Denn die Fußgängerzone ist ein kommunal-öffentlicher Raum, demzufolge ist dort wiederum der Landkreis zuständig. Die Stadt Sarstedt könnte aber als Betreiber des Marktes eine sogenannte Allgemeinverfügung beantragen. Genaueres wird geklärt.
Dass es keine härteren Regeln gibt, liegt in den Händen den Sarstedter: „Es geht darum, dass Maßnahmen wie Ausgangssperren nicht notwendig werden“, sagte Heike Brennecke. „Das hat jeder in seiner Hand, das muss nicht durch Regeln kommen.“ Eine Maske aufsetzen, ohne Hinweisschilder oder Ermahnung? Eine Entwicklung, die sich auch Beulen wünscht: „In asiatischen Regionen ist das Tragen einer Maske ganz selbstverständlich. Vielleicht wird das auch im europäischen Bereich mal so sein.“ Die Akzeptanz dazu komme, glaubt sie, das Geschehen ändere sich. „Was jetzt alles publiziert wird, bringt Corona wieder mehr ins Bewusstsein der Menschen“, sagte Beulen. „Die Gefahren werden größer, dementsprechend wird sich auch das Tragen einer Maske wieder verstärken.“
