Gronau - Die Räume des Fitnessstudios Fitness-Insel in Gronau sollen statt der Sporthalle der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Flüchtlingsunterkunft werden: Das hat Landrat Bernd Lynack bei einer Einwohner-Fragestunde am Freitagabend angekündigt. Die Immobilie ist vor Kurzem dem Landkreis angeboten werden, so Lynack weiter.
In der Fitness-Insel gebe es Platz für insgesamt 95 Menschen. So viele Männer und Frauen wären auch für die Sporthalle vorgesehen gewesen. Die Immobilie soll nun zumindest vorerst genutzt werden. Abermals geprüft werden muss die Situation, wenn weitere Menschen in den Landkreis kommen. Rund 120 Besucherinnen und Besucher waren am Freitagabend zur Bürgersprechstunde in die Aula der KGS gekommen.
Sporthalle für Geflüchtete? Das lehnen viele ab
Für die Pläne, die Geflüchteten in der Sporthalle der Kooperativen Gesamtschule (KGS) in Gronau unterzubringen, hat es reichlich Gegenwind gegeben. Unter anderem ist auch eine Online-Petition gestartet worden, die bereits nach zweieinhalb Wochen ihr Ziel erreicht hatte. Am späten Montagabend hatte sich der 2300. Unterstützende aus dem Kreis Hildesheim eingetragen. Inzwischen sind es 2611.
Am Freitagabend ist die Aula fast zur Hälfte gefüllt. Der Petitions-Initiator Oliver Bünger übergibt dem Landrat in der KGS einen Ordner mit Unterlagen – zum Zeichen des Erfolgs der Aktion. Bünger sieht die Petition als Grund, dass viel Bewegung in das Thema gekommen ist. Lynack wertet seinerseits die Petition als „Anstoß“, miteinander zu reden. Über sie soll in einem Kreis-Fachauschuss diskutiert werden. Im Fokus dabei: Die Sorge vieler, dass eine Sporthalle wie in Gronau als Unterkunft genutzt wird, und der Sport und die Jugendarbeit darunter leidet.
Der Zuspruch für Flüchtlinge kippt
Ekkehard Domning, Vorsitzender des Migrationsausschusses des Landkreis, betont, dass die Halle für acht Millionen Euro für Schulsport gebaut wurde. Diesen Zweck soll die Halle möglichst auch weiter erfüllen – um Geflüchtete unterzubringen, solle freier Wohnraum her. Jeder, der in dieser Hinsicht helfen kann, solle sich melden, so sein Appell.
Auch Kreistagsabgeordneter Manfred Esse (AfD) schaltet sich in die Diskussion ein. „Der Zuspruch für Flüchtlinge kippt“, meinte er – und bekommt Beifall. In Deutschland gebe es Gemeinden, die „keine Leute mehr aufnehmen“. Esse sieht die Region am Ende ihrer Kapazitäten. „Der Strom hört nicht auf“, meint ein anderer Bürger. Samtgemeindebürgermeister Volker Senftleben hält dem entgegen, dass es eine demokratische Pflicht sei, Geflüchteten zu helfen.
Kontroverse, teils emotionale Diskussion
An manchen Stellen ist die Debatte emotionsgeladen: Eine Frau merkt an, dass viele Flüchtlinge nicht deutsch lernen wollten. Das ruft Friedel Beckmann auf den Plan, der sich seit Jahren in der Region um Migranten kümmert. Wenn er bei diesen zu Besuch sei, würden sie sofort mit ihm Deutsch sprechen.
Es ist eine durchaus kontroverse Diskussion in Gronau, aber nicht aggressiv. Der Landrat macht mehrfach deutlich, dass Sporthallen möglichst nicht genutzt werden sollten. „Das ist das allerletzte Mittel der Wahl.“ Geflüchtete müssten aber gerade in Winter ein Dach über den Kopf bekommen. Sie dürfe man nicht auf der Straße lassen.
Sporthallen für die Unterbringung von Geflüchteten zu nutzen, ist das allerletzte Mittel der Wahl.
Auch der Geflüchtete Josef Hagenhaus aus dem Sudan, der aktuell in Salzhemmendorf wohnt, meldet sich zu Wort. „Ich bin seit 2014 in Deutschland“, sag der 39-Jährige, der zum Christentum konvertiert ist und einen deutschen Namen angenommen hat. Der 39-Jährige macht eine Ausbildung zum Erzieher, Integration ist für ihn absolut wichtig.
Gezwungen, das Land zu verlassen
Wir müssen miteinander reden, um gemeinsame Lösungen zu finden
Der 39-Jährige weist mit Nachdruck auf die komplizierte Situation für viele Betroffene hin. Er und zahlreiche weitere Menschen seien gezwungen gewesen, ihr Land zu verlassen. Sein Aufruf: „Wir müssen miteinander reden, um gemeinsame Lösungen finden.“
Details zur Fitness-Insel
Eine davon ist nun also offenbar die Fitness-Insel in Gronau. Ein Beispiel, wie zügig sich Perspektiven bieten können, um Menschen aufzunehmen – möglichst rasch sollen dort Geflüchtete untergebracht werden, wünscht sich Lynack. Die Gespräche des Betreibers Ramon Gorrin mit dem Landkreis laufen, die Fitness-Insel könnte als Unterkunft umgebaut werden. Lynack hofft auf einen schnellen Einzug. Denn der Landkreis sei ab 1. Februar „blank“, er brauche Unterstützung, um weitere Unterkünfte zu bieten. Insgesamt soll der Kreis vom 1. Oktober 2023 bis zum 31. März 800 Personen aufnehmen. Ziel ist, dass die Geflüchteten ab dem 1. März in der Fitness-Insel einziehen können.
„Ich will aber, dass es eher klappt, als zum 1. März“, hebt Lynack nach der Diskussion in der Aula auf HAZ-Nachfrage hervor. „Alle wollen das“, legte er noch mal nach. Und jeder, der auch nur eine Ein-Zimmer-Wohnung für Geflüchtete anbieten könne, solle dies tun.
Das sagt der Betreiber der Fitness-Insel
Auch der Betreiber der Fitness-Insel hat sich als Besitzer der Immobilie inzwischen auf Anfrage der Redaktion geäußert. „Es ist noch nichts in trockenen Tüchern.“ Ziel sei, die Verhandlungen möglichst bald mit dem Kreis abzuschließen und die Räume zu vermieten, sagt Geschäftsführer Ramon Gorrin, der sich auch an der Gronauer Petition beteiligt hatte.
Seine Absicht ist, die Halle für den Sport und die Schulkinder zu sichern und eine Lösung für die Unterbringung der Flüchtlinge zu finden. Er sei zuversichtlich, dass das Ganze funktioniert.„Wir sind seit 17 Jahren in Gronau“, sagt Gorrin, der auch in Sarstedt einen Fitness-Standort betreibt. Der Auszug aus Gronau sei ohnehin geplant gewesen. Und der Kreis habe in Gronau günstige Voraussetzungen für eine Unterkunft, weil die Fitness-Insel Platz biete und es dort auch Toiletten und Duschen gebe.


