Bürgschaft

Freibad Bodenburg – die Rettung verläuft weiter schleppend

Bad Salzdetfurth - Die Bodenburger Freibadretter warten auf eine wichtige Entscheidung des Stadtrates. Ein positives Signal konnte der Verein nun zumindest schon mal empfangen. Doch aus der Politik kommt auch eine deutliche Ansage. (mit Kommentar)

Nicht nur zur Wassergymnastik des MTV Bodenburg kommen auch Gäste aus Bad Salzdetfurth und noch weiter her in das kleine Freibad in Bodenburg. Foto: Michael Vollmer (Archiv)

Bad Salzdetfurth - Dem Förderverein Freies Bad Bodenburg läuft die Zeit weg. „Uns kostet diese Ehrenrunde durch die Politik richtig Geld“, sagt Ute Hoppe, Vorsitzende des Vereins, als sie am Donnerstagabend nach der Sitzung des Finanzausschusses das Bad Salzdeturther Rathaus verlässt. Erneut war das Freibad, das in die Trägerschaft des Vereins übergeht, dort Thema. Zwar hat Hoppe an diesem Abend ein positives Signal bekommen. Doch den endgültigen Startschuss für den Weg in die neue Zukunft kann sie immer noch nicht geben.

Kreditbedarf gestiegen

Dass das Freibad in die Trägerschaft des Vereins übergeht, ist längst beschlossen, wie auch ein städtischer Zuschuss in Höhe von 450.000 Euro für die erforderliche Sanierung. Doch insgesamt gibt es einen Invetitionsbedarf in Höhe von rund 1 Million Euro. Dafür bringt der Verein Eigenkapital, zugesagte Spenden und eine angestrebte Summe, die beim Crowdfunding zusammen kommen soll, mit ein. Am Ende bleibt jedoch ein Betrag offen, der per Kredit abgedeckt werden soll – und der ist seit der Ratssitzung im März noch einmal gestiegen. Bei der Ratssitzung sollte über die Bürgschaft der Stadt für den Kredit entschieden werden. Die sollte 80 Prozent des Kreditbedarfes betragen und der war auf etwa 230.000 Euro beziffert worden. Die Abstimmung wurde vertagt. Die Mehrheitsgruppe GfBS hatte moniert, das die notwendigen Unterlagen nicht früh genug vorlagen, um sich mit der Marterie zu beschäftigen. Also wurde der Antrag zurück in die Fraktionen verwiesen, um dann eine weitere Runde durch Fachausschuss und Stadtrat zu drehen.

Weil Spenden, Crowdfunding und auch die Höhe der tatsächlichen Baukosten noch Unsicherheiten aufweisen, hatte der Förderverein den Kreditbedarf inzwischen sicherheitshalber auf maximal 350.00 Euro erhöht, die Bürgschaft würde demnach bei vollem Ausschöpfen bei 280.000 Euro liegen. Erster Stadtrat und Kämmerer Heiko Räther machte deutlich: „Ohne ein positives Signal der Politik, brauchen wir hier gar nicht weiterzumachen.“

Positives Signal – aber ...

Trotz Bedenken seitens der GfBS stimmte der Fachausschuss am Ende der teils kontroversen Diskussion für die Bürgschaft. Über die endgültige Freigabe des Betrages, wenn also alle entsprechenden Unterlagen von den Gremien und der Kommunalaufsicht geprüft sind, muss aber erneut der Stadtrat entscheiden. Die Mehrheitsgruppe bestand zudem darauf, im Beschluss klar zumachen, dass die Stadt keine weiteren Zuschüsse und keine weitere Erhöhung der Ausfallbürgschaft übernehmen würde. „Das ist ein Zeichen an den Verein“, erklärte Heike Schabig (SPD).

„Wir wollen in die Stadt Bad Salzdetfurth, in die Gesellschaft investieren“, stellt Ute Hoppe in einem Gespräch mit der HAZ am Ende der Sitzung klar. Dem Verein gehöre das Bad nicht. „Das bleibt im Eigentum der Stadt. Und natürlich sind wir daran interessiert, die Kosten so gering wie möglich zu halten“, sagt sie. Schon seit Jahren trage der Verein erheblich zum Betrieb des Bades bei. „Die Mitglieder leisten tausende ehrenamtliche Stunden an der Freibadkasse, bei der Rasenpflege, bei Reparaturarbeiten und und und“, schildert sie. Der Verein wisse aus seiner Erfahrung ganz genau, was er leisten könne und worauf er sich einlasse. „Aber wenn am Ende ein Rohr teurer ist als gedacht, kann doch daran nicht das Projekt scheitern“, so Hoppe. Sie steht in engem Kontakt mit dem Förderverein des Freibades Rhüden, der dort das Freibad übernommen hat, und weiß um andere Projekte im Kreis Hildesheim. Vergleichbar seien die aber nur bedingt. Die einen bekämen jährliche Zuschüsse, weil in den Einrichtungen weiterhin größere bauliche Maßnahmen anstünden, andere bekämen ein saniertes Bad und dafür keine weitere Unterstützung.

In Nettlingen schon Praxis

Das Nettlinger Freibad beispielsweise wird von der Gemeinde Schellerten jährlich mit 22.000 Euro unterstützt. „Unsere Gesamtkosten belaufen sich allerdings auf rund 50.000 Euro“, verrät Eckart Langholf, Vorsitzender der Bürgeraktion Nettlingen, die seit gut 30 Jahren Träger des Freibades ist. Eintrittsgelder, Mitgliedsbeiträge, der Erlös des Verkaufes aus dem Kiosk und Spenden würden den Rest abdecken. „Wir kommen ganz gut klar“, sagt Langholf.

Für das Bodenburger Bad kalkuliert der Verein Betriebskosten von jährlich rund 40.000 Euro, dem gegenüber stünden etwa 71.000 Euro Einnahmen, und dazu gehört kein laufender Beitrag der Stadt. Davon will der Verein auch den jährlichen Schuldendienst von 25.000 Euro leisten. In diesem Jahr wird das Freibad wegen der anstehenden Bauarbeiten geschlossen bleiben. 2025 will es wieder an den Start gehen.

Kommentar: Freibad Bodenburg – Wer A sagt, muss auch B sagen

Der Förderverein Freies Bad Bodenburg übernimmt das Freibad. Hut ab. Denn dahinter verbirgt sich am Ende nichts anderes, als dass Ehrenamtliche ein Unternehmen leiten. Sie übernehmen in ihrer Freizeit viel Verantwortung, damit andere im Sommer den Besuch im Freibad genießen können.

Die Bodenburger wollen das so – und letztlich will es auch die Stadt Bad Salzdetfurth so. Immerhin hat der Stadtrat einen entsprechenden Ratsbeschluss gefasst: Er will das zweite Freibad im Stadtgebiet erhalten. Dass das mit Risiken, Unwägbarkeiten und Kosten verbunden ist, muss allen Verantwortlichen klar gewesen sein, als sie dafür gestimmt haben. Wie auch die Tatsache, dass die Stadt mit Abgabe der Trägerschaft nicht alle Verantwortung los ist. Immerhin gehört ihr das Bad weiterhin.

Ja, aus wirtschaftlicher Sicht muss ein klarer Rahmen für das Freibadprojekt gesetzt werden. Logisch. Aber die nicht enden wollende Diskussion über die Ausfallbürgschaft behindert das Projekt, sorgt im schlimmsten Fall dafür, dass die Kosten weiter steigen. Wie sagt schon ein altes deutsches Sprichtwort: Wer A sagt, muss auch B sagen. Es wird Zeit.

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