Einzelhandel

Galeria Karstadt Kaufhof stellt Insolvenzantrag und will Filialen schließen – Sorge in Hildesheim wächst

Hildesheim - Die Warenhaus-Kette flüchtet zum zweiten Mal in zwei Jahren unter einen gesetzlichen Schutzschirm. Sie kündigt viele Schließungen und Kündigungen an. Auch in Hildesheim?

Wieder bedroht: die Filiale von Galeria Karstadt Kaufhof in Hildesheim. Foto: Julia Moras (Archiv)

Hildesheim - Die Zukunft von Galeria Karstadt Kaufhof in Hildesheim und in ganz Deutschland ist seit Montagabend mehr denn je gefährdet. Der Warenhaus-Konzern hat beim Amtsgericht Essen einen Antrag auf Eröffnung eines sogenannten Schutzschirm-Insolvenzverfahrens gestellt. Es ist bereits das zweite in zwei Jahren. Zuvor war das Bemühen des Unternehmens auf erneute Staatshilfen gescheitert. Bundesregierung und Bundestag sind sehr skeptisch, ob Galeria noch einmal unterstützt werden soll, nachdem zu Beginn der Corona-Pandemie schon eine hohe dreistellige Millionensumme floss. Zudem ermitteln österreichische Justizbehörden gegen René Benko, der Galeria über seine Signa-Gruppe kontrolliert. Es geht um den Verdacht der Korruption.

Als Magnet geschätzt

Ein erstes Warnsignal hatte es bereits vor kurzem gegeben, als Galeria den Sanierungstarifvertrag mit der Gewerkschaft Verdi kündigte. Vorstandschef Miguel Müllenbach kündigte jetzt an, Galeria müsse mindestens ein Drittel seiner Warenhäuser aufgeben. Kurzfristige Entscheidungen hierzu sind laut Experten aber nicht unbedingt zu erwarten, zumal Galeria zumindest noch das Weihnachtsgeschäft in allen Niederlassungen mitnehmen möchte.

Dennoch beginnt nun auch in Hildesheim wieder das große Zittern. Schon vor zwei Jahren bangten Stadt, Kunden und natürlich die Beschäftigten um die Filiale in der Fußgängerzone. Sie zählte dann aber nicht zu denen, die Galeria im Zuge seines damaligen Insolvenzverfahrens aufgab. Hildesheimer Branchenkenner äußerten aber schon im Vorfeld die Vermutung, dass hiesige Galeria-Beschäftigte angesichts des Fachkräftemangels im Einzelhandel keine Probleme haben würden, neue Jobs zu finden – auch wenn ihnen dabei Gehaltseinbußen drohen. Allerdings schätzen viele Innenstadt-Händler Galeria als Publikumsmagneten.

Wieder mit Geiwitz und Kebekus

Ein Schutzschirm-Verfahren bedeutet, dass das Unternehmen zwar noch nicht zahlungsunfähig ist, dies aber in nächster Zeit befürchtet. Zugleich behält die Geschäftsführung mehr Einfluss als bei einem „richtigen“ Insolvenzverfahren. Gleichwohl kann Galeria nun die Vorteile eines „echten“ Insolvenzverfahrens nutzen. Das heißt unter anderem: Die Warenhaus-Kette ist vor dem unmittelbaren Zugriff von Gläubigern geschützt und spart sich die Gehälter für drei Monate, weil diese über das Insolvenzgeld von der Agentur für Arbeit übernommen werden. Auf ähnlichem Wege hatte vor zwei Jahren auch KSM Castings in Hildesheim seine Insolvenz organisiert.

Das Schutzschirm-Verfahren ist eine Variante, an deren Ende eine Sanierung stehen soll. Ein gerichtlich bestellter Sachverwalter übernimmt dabei die Aufsicht, ein externe Sanierungsexperte berät, doch die Unternehmensführung bleibt am Schalthebel. Wie schon vor zwei Jahren sollen der Jurist Frank Kebekus und der Umstrukturierer Arndt Geiwitz nun bei Galeria eingreifen.

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