Nach Streit in Hildesheim

Gegen Negativ-Image von Smart City: Digitalisierung weckt Hoffnungen

Hildesheim - Über das Digitalisierungsvorhaben Smart City gab es zuletzt negative Schlagzeilen. Dabei biete das so viele Chancen, finden Stadtwerke-Chef Mustafa Sancer und Unternehmer-Sprecher Matthias Mehler.

Matthias Mehler und Mustafa Sancar verbinden mit dem Digitalisierungs-Projekt Smart City viele Hoffnungen. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Matthias Mehler ist die Freude immer noch anzumerken. Dass der Bund die Stadt Hildesheim in das Smart-City-Programm aufgenommen hat und ihr dafür 15,75 Millionen Euro zukommen lässt, hält der Vorsitzende der Unternehmer Hildesheim auch gut zwei Jahre nach der Entscheidung nach wie vor für „eine Supersache“.

Mehler sieht in Smart City Perspektive für Betriebe

Umso mehr schmerzen Mehler die jüngsten Schlagzeilen zu dem Konflikt zwischen Stadtpolitik und Verwaltung über das Digitalisierungsprojekt. Wie berichtet befürchten mehrere Fraktionen, dieses könne scheitern. Mehler will sich zu dem Streit nicht äußern. Wohl aber zu Smart City als Ganzem: Das Projekt biete den Mitgliedern seines Verbandes gerade jetzt, mit Blick auf den Jahreswechsel, positive Perspektiven für 2023. Und das sei angesichts der vielen Probleme in den vergangenen Monaten – angefangen von Unterbrechungen bei Lieferketten bis zu kräftig gestiegenen Energiekosten – auch bitter nötig.

200 Betriebe aus Stadt und Kreis gehören den Unternehmern Hildesheim an, zusammen kommen sie nach Angaben Mehlers auf rund 25000 Beschäftigte. Als die Stadt bei dem Verband vor zwei Jahren angefragt habe, ob dieser sich am Förderantrag für Smart City beteiligen wolle, habe man gern ja gesagt, berichtet der Vorsitzende: Digitalisierung komme der Standortqualität zugute; das wiederum helfe, Fachkräfte zu gewinnen. „Es ist total klasse, dass das geklappt und der Stadtrat die Weichen für das Projekt gestellt hat“, betont Mehler. Nun müsse man dem Vorhaben aber auch die nötige Zeit geben, sich zu entwickeln. „Wir dürfen diese Chance nicht zerreden.“

Er verstehe die Ungeduld, sagt Mustafa Sancar. „Doch Digitalisierung ist kein Sprint, sondern ein Marathon.“ Sancar ist Chef der Hildesheimer Stadtwerke, zudem stellvertretender Vorsitzender des Smart City Boards. Dem Gremium gehören Vertreter der Verwaltung, des Rates, der Wirtschaft und der Hochschulen an. Sancar kennt zum einen die Vorgaben des Bundes für das Projekt, weiß um die verlangten Abläufe. „Das erfordert Geduld.“ Der Stadtwerke-Chef ist zum anderen durch seine Funktion beim Smart City Board genau darüber im Bilde, was alles läuft. Und es laufe sehr viel, versichert er: Es gebe um die zehn Projekte, das Board habe sich dieser Tage gerade damit beschäftigt. Im nächsten Sommer solle Smart City sichtbarer werden, konkreter, verspricht Sancar. Ins Detail gehen könne er noch nicht.

Stadtwerke treten mit Hildesheim-App in Vorleistung

Als Plattform für die Digitalisierung dient auch die Hildesheim-App. Sie ist seit einigen Wochen auf dem Markt, die Stadtwerke haben sie entwickelt – aus eigenem Antrieb, sozusagen als Vorgriff auf das Smart-City-Projekt. Zu den bisherigen Angeboten der App wie Wetterdaten, Busfahrplänen, Kinoprogramm und Müllabfuhrterminen sollen im nächsten Jahr eine Übersicht über E-Ladesäulen im Stadtgebiet und die Möglichkeit dazukommen, Lastenräder zu buchen. Im ersten Quartal wollen die Stadtwerke den Zugang zu einem Datenportal ermöglichen, das – auf Stadtteile heruntergebrochen – die Kohlendioxidemission abbildet.

Die Stadtwerke verstünden sich als Dienstleister der Stadt, auch beim Thema Digitalisierung, betont Sancar. „Wir müssten das sowieso tun.“ Durch Smart City gebe es nun aber einen Schub. „Das ist ein Turbo!“ Es gehe um Daten und Erkenntnisse, die sowohl Unternehmen, aber auch den Menschen in ihrem Alltag nutzten.

Zwei Punkt sind sowohl Sancer als auch Mehler besonders wichtig: Beide loben das Team um Smart-City-Fachbereichschefin Svenja Fuhrich. Die Mitarbeiter seien emsig, schauten nicht auf die Uhr, berichten der Stadtwerke-Chef und der Unternehmer-Verband-Vorsitzenden unisono. Und beide Männer wünschen sich mehr Gemeinsamkeit in der Stadt bei dem Digitalisierungsvorhaben. Es müsse ein Wir-Gefühl geben, findet Sancar. „Und wir lassen uns am Ende gern an den Ergebnissen messen.“

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