Versuchter Raub

Gesprengter Bankautomat in Einum: Polizei bekommt wichtige Hinweise

Hildesheim - Die Überwachungsbänder der Tankstelle sowie Aussagen von Zeugen haben den Ermittler offenbar wichtige Erkenntnisse zum gesprengten Bankautomaten in Einum gebracht.

Der zerstörte Geldautomat steht direkt an der Bundesstraße. Auf dem Bild von Dienstag ist der Tresor noch im Innern. Er hatte dem Sprengstoff standgehalten. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Die Videoaufzeichnungen von der Tankstelle sowie Zeugenaussagen haben offenbar wichtige Hinweise auf die Täter geliefert, die am Dienstagfrüh den Bankautomaten in Einum gesprengt haben. Das hat Jennifer Uhl, Sprecherin der Polizeidirektion Göttingen, jetzt auf Nachfrage der HAZ erklärt. Um was für Hinweise es sich handelt, will die Polizei nicht sagen. „Sie sind Teil der Ermittlungen“, so Uhl. Die sofort nach der Tat eingeleitete Fahndung verlief allerdings erfolglos.

Die bisher unbekannten Täter hatten am Dienstag um wenige Minuten vor 4 Uhr kurz nacheinander zwei Sprengsätze an dem Geldautomaten der Hannoverschen Volksbank auf dem Gelände der Tankstelle an der B 1 gezündet. Laut Bank entstand dabei ein Schaden in Höhe von rund 120.000 Euro. Der Tresor hielt aber Stand. Die Täter flohen ohne Beute vom Tatort.

Vierter Fall im Jahr 2022 im Landkreis Hildesheim

Der Fall aus Einum ist der vierte im Landkreis Hildesheim im Jahr 2022. Am 18. Juli wurde ein Geldautomat der Sparkasse Hildesheim in Harsum gesprengt, am 28. November ein Automat der Volksbank in Bockenem. Zudem gab es eine versuchte Geldautomatensprengung am 26. November in Holle.

Bei den gesprengten Geldautomaten handelt es sich um ein bundesweites Phänomen. „In diesem Jahr wurden bereits über 470 Taten registriert“, sagt Uhl. Laut Landeskriminalamt gab es 2022 in Niedersachsen bislang 66 Fälle. Im Vorjahr seien 55 gewesen, 2019 und 2020 jeweils 45.

Polizei bezieht Erkenntnisse aus ganz Deutschland mit ein

Weil sich die Ermittlungen nicht ausschließlich auf den Landkreis Hildesheim beziehen, ist die Zentrale Kriminalinspektion der übergeordneten Dienststelle in Göttingen seit Ende 2021 zuständig. „Es werden Taten und Erkenntnisse aus dem gesamten Bundesgebiet mit einbezogen“, sagt Uhl.

Im Jahr 2020 hatten Unbekannte vergeblich versucht, am 26. Januar den Geldautomaten am HIT-Markt in Ochtersum und am 13. Mai den der Commerzbank in Sarstedt zu sprengen. In 2021 hatten sie am 28. Mai in Holle an zwei Automaten der Sparkasse Hildesheim Erfolg.

Oft landen Informationen zuerst bei Sicherheitsunternehmen

Nicht selten sind es dann private Sicherheitsunternehmen, die noch vor der Polizei im Bilde sind. In Einum etwa hatte die Alarmanlage umgehend das Sicherheitsunternehmen Kühn alarmiert. Tankstellenpächter Thomas Gebke, der gerade auf dem Weg zur Arbeit war, berichtete davon, dass der Mitarbeiter am Telefon ihm riet, nicht gleich auf das Gelände zu fahren, sondern zunächst zu warten, bis die Polizei eingetroffen sei. Stefan Kühn, Chef des Hildesheimer Unternehmens, bestätigt, dass die Not- und Servicezentrale des Unternehmens rund um die Uhr besetzt sei. Ausgebildete Mitarbeiter sorgten dafür sorgen, dass innerhalb kürzester Zeit Informationen weitergeleitet werden. „Das alles muss sehr schnell und zielgenau funktionieren, es geht hier immer um wenige Minuten“, sagt Kühn. Das private Unternehmen betreibt die einzige eigene Leitstelle in Hildesheim. Laut Kühn laufen hier Informationen von Kunden aus dem gesamten Bundesgebiet auf.

Die Polizei weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass sich Menschen bei ähnlichen Taten nie selbst in Gefahr bringen sollten. Wenn Geldautomaten gesprengt werden, könne es eine erhebliche Druckwelle geben, Gegenstände könnten durch die Luft fliegen, es bestehe die Gefahr, dass Gebäudeteile einstürzen. „Man sollte auf keinen Fall den Tatort betreten oder sich flüchtenden Tätern in den Weg stellen“, rät Polizeisprecherin Uhl. Auch vor dem Hintergrund, dass es möglich sei, Spuren zu verwischen.

Polizei bittet Bürger um Aufmerksamkeit

Allerdings bittet die Polizei darum, sich Handlungsabläufe sowie Einzelheiten zu merken oder sogar aufzuschreiben, sollte man Zeuge werden. „Personenbeschreibungen und Kennzeichen sind hilfreich, auch markante Dinge, die eine Wiedererkennung erleichtern oder einfach nur als Besonderheit bei der Beobachtung eingeordnet werden“, sagt Uhl.

Sobald es gefahrlos möglich sei, möge man über den Notruf die Polizei unter 110 oder wenn es offensichtlich Verletzte gibt, den Notruf über 112 absetzen und sich als Zeuge zu erkennen geben. „Dabei kann man sich an den „7 goldenen Ws“ orientieren“, rät die Sprecherin: Wer? (Täter) - Was? (Straftat?) - Wann? (Tatzeit?) - Wo? (Tatort) - Wie? (Tathergang) - Womit? (Tatwerkzeug) - Warum? (Motiv). Das erleichtere den Ermittlerinnen und Ermittlern später die Arbeit.

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