Vorfall in Itzum

Gewalttätige Hildesheimer Stadtstreife? Weitere Hundehalterin erhebt Vorwürfe

Hildesheim - Eine weitere Hundehalterin ist mit zwei Mitarbeitern der Stadtstreife aneinandergeraten. Die Frau wirft den Rathaus-Bediensteten Körperverletzung im Amt vor und geht gegen sie juristisch vor.

Es ist bereits der zweite Fall binnen weniger Tage: Eine weitere Frau klagt Mitarbeiter des Ordnungsamts Hildesheim wegen körperlicher Übergriffe an. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Die Vorwürfe wiegen schwer: In der vergangenen Woche berichtete die HAZ über eine Hundehalterin, die nach einer Begegnung mit Mitarbeitern der Stadtstreife unterhalb des Berghölzchens zwei gebrochene Finger davongetragen und darauf eine der Rathaus-Bediensteten wegen Körperverletzung im Amt angezeigt hatte. Nun hat sich eine weitere Hundehalterin gemeldet, die ebenfalls von einer unangenehmen Begegnung mit der Stadtstreife berichtet.

Auch diese Frau, eine 29-Jährige Itzumerin, klagt über körperliche Übergriffe, sieht die Verhältnismäßigkeit beim Eingreifen der Rathaus-Bediensteten nicht gewahrt, hat Anzeige wegen Körperverletzung erstattet. Was auffällt: Nach Informationen der HAZ soll es sich in beiden Fällen um die selben Stadtstreifen-Mitarbeiter handeln.

Polizei bestätigt Anzeige,Stadt äußert sich nicht

Die Verwaltung wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Die Polizei bestätigte die zweite Anzeige, wollte aber aus Datenschutzgründen nicht preisgeben, gegen welche Personen sich die Anzeige genau richtet. „Die Ermittlungen dauern an“, sagte Sprecher Jan Makowski der HAZ.

Die Itzumerin hatte vom Berghölzchen-Fall in der HAZ gelesen – und staunte nicht schlecht: „Das kam mir alles sehr bekannt vor.“ Denn die Frau hatte nach eigenen Angaben am 17. Mai ein ähnliches Erlebnis. Sie sei gegen Mittag in der freien Landschaft oberhalb des Spandauer Weges mit der Hündin Maya unterwegs gewesen, sagt die 29-Jährige – mit dem Tier an der Leine, versichert sie: „Ich weiß, dass Brut- und Setzzeit ist.“

Und so war die Itzumer reinen Gewissens, erzählt sie, als plötzlich ein Dienstwagen der Stadt auf sie zufuhr, zwei Stadtstreifen-Mitarbeiter – eine Frau, ein Mann – ausstiegen und auf sie zukamen. „Die waren von vornherein aggressiv. Aber ich hatte doch gar nichts gemacht.“ Und schon gar nicht gegen den Leinenzwang verstoßen, wie ihr vorgehalten worden sei. Sie habe daher weitergehen wollen, um einen Kotbeutel mit den Hinterlassenschaften ihrer Hündin wegzubringen, sagt die Itzumerin.

„Ich hatte Angst“,sagt die Itzumerin

Doch die Stadtstreifen-Mitarbeiter hätten sich ihr immer wieder in den Weg gestellt, sie angerempelt, auch festgehalten. Begleitet von der Aufforderung, ihre Personalien anzugeben. „Ich habe gesagt, okay – aber nicht in der freien Landschaft, sondern in der Siedlung, wo Menschen sind.“ Und damit Zeugen, erklärt die Itzumerin. „Ich hatte Angst vor denen.“

Doch ihre Bitte habe keine Gehör gefunden. Die Stadt-Bediensteten hätten sie sich immer wieder in den Weg gestellt, ihren Arm gepackt – so kräftig, dass sich ein Bluterguss gebildet habe. Tatsächlich zeigt ein Foto, das die Frau der HAZ zeigte, einen großen blauen Fleck auf dem Oberarm. „So lange die Maßnahme andauere, dürfe man unmittelbaren Zwang anwenden, haben sie gesagt.“ Ein Hinweis, der tatsächlich der Rechtslage entspricht.

Doch die 29-Jährige sah gar keinen Grund für eine „Maßnahme“. Schließlich sei es ihr zu bunt geworden, erzählt die Itzumerin: „Ich habe den Notruf gewählt und die Polizei gerufen.“ Im Beisein der Stadtstreifen-Leute, unter Nennung ihres Namens, mit Ortsangabe.

Itzumerin filmt Behandlung durch Stadtstreifen-Mitarbeiter

Sie habe sich mit der Polizei im Spandauer Weg verabredet, sagt die Frau. Doch als sie aus dem Feldmark dorthin aufbrechen wollte, sei „das Affentheater erst richtig losgegangen.“ Immer wieder sei sie am Gehen gehindert, festgehalten, in den Arm gegriffen worden – auch an der Leine habe die Stadtstreifen-Mitarbeiterin gezogen. Videoaufnahmen, die die Frau mit ihrem Handy aufgenommen hat und der HAZ vorliegen, bestätigen diese Beschreibung. Die 29-Jährige wirkt sichtlich aufgebracht, tritt aber auch ihrerseits entschieden und energisch auf.



Im Spandauer Weg kam es dann schließlich zur Begegnung mit der Polizei, die Itzumerin erstattete Anzeige gegen beiden Stadtstreifen-Mitarbeiter. „Die Frau hat dabei gegrinst und gesagt, das Verfahren werde sowieso eingestellt.“

Itzumerin will Schmerzensgeld

Diese Prognose schreckt die 29-Jährige nicht. Sie sei zehn Tage krank geschrieben, neben dem Oberarm sei sie auch am Hals verletzt worden – das Reißen an der Leine von hinten habe Verbrennungen verursacht (von denen es ebenfalls ein Handy-Foto gibt). Die Itzumerin will auch zivilrechtlich gegen die Stadt vorgehen: Sie werde Schmerzensgeld verlangen, kündigte sie an.

Rathaussprecher Miethe sagt, die Verwaltung könne wie in anderen Einzelfällen keine Auskunft geben, es handele sich um ein laufendes Verfahren. „Hier liegen weder eine Beschwerde, noch Informationen dazu vor.“ Auch insofern bleibe die Klärung den Ermittlungen der Polizei vorbehalten. Ob der Vorwurf, das Verhalten sei unverhältnismäßig gewesen, gerechtfertigt sei, lasse sich ohne Weiteres nicht beurteilen, erklärt Miethe. Beim Berghölzchen-Fall hatte die Verwaltung nach anfänglichem Schweigen gesagt, er sei anders verlaufen als von der Hundehalterin geschildert – wie, will die Stadt aber nach wie vor nicht sagen.

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