Hildesheim - Knapp zwei Jahre nach dem Einzug ist schon wieder Schluss. Die Modekette SiNN gibt ihre Hildesheimer Filiale in einem markanten Eckgebäude an der Fußgängerzone zum Jahresende auf. Das hat ein Sprecher des im Insolvenzverfahren befindlichen Unternehmens jetzt auf Nachfrage gegenüber der HAZ erklärt. Hildesheim ist offenbar der erste SiNN-Standort, dessen Schließung im Zuge der Insolvenz öffentlich wird. 16 Beschäftigte verlieren bis Ende Dezember ihre Arbeitsplätze – und in der Innenstadt entsteht wieder ein großer Leerstand an prominenter Stelle.
Insolvenzantrag im August
SiNN hatte seine Niederlassung am Hohen Weg erst am 1. April vergangenen Jahres eröffnet. Als Bekleidungsgeschäft schloss die Kette seinerzeit an eine Tradition in dem Gebäude an, das früher unter anderem das Textilhaus Fiedler, Peek & Cloppenburg und später die Fußgängerzonen-Filiale von H & M beherbergt hatte. SiNNs erstmaliger Auftritt in Hildesheim, verbunden mit der Belebung eines großen Geschäftshauses, hatte seinerzeit in Hildesheim ein sehr positives Echo gefunden.
Doch nachdem zunächst viele Hildesheimerinnen und Hildesheimer neugierig in die Filiale eilten, ließ das Interesse zunehmend nach. Zugleich bekam SiNN nicht nur in Hildesheim, sondern als Unternehmen insgesamt immer größere Schwierigkeiten. Anfang August dieses Jahres reichte die Geschäftsführung beim Amtsgericht Hagen einen Insolvenzantrag ein – den bereits vierten in der Firmengeschichte.
Wasserschaden und mehr
Das Unternehmen führte eine ganze Reihe von Gründen für den Schritt an. So habe es in mehreren Filialen technische Probleme und Wasserschäden gewesen – in den ganz oder teilweise geschlossenen Niederlassungen sei es in der Folge zu massiven Umsatzeinbrüchen gekommen. Aber auch ein teures neues Warenwirtschaftssystem und die schwierige allgemeine wirtschaftliche Lage wurden als Ursachen für die Probleme angeführt, ebenso gestiegene Kosten für Energie, Logistik und Mieten. Alles zusammen habe letztlich in die Zahlungsunfähigkeit geführt.
Das Amtsgericht Hagen sah allerdings gute Aussichten für eine Fortführung des Betriebs und gestattete SiNN im vorläufigen Insolvenzverfahren die Eigenverwaltung. Bei der Modekette wurde folglich kein vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt, vielmehr wurde der Geschäftsführung nur ein Sachwalter zur Seite gestellt. Die Beschäftigten bekamen statt ihrer Löhne und Gehälter für drei Monate Insolvenzgeld. Am 1. November wurde nun das reguläre Insolvenzverfahren eröffnet – SiNN darf sich darin weiterhin in Eigenverwaltung um eine Sanierung bemühen.
Nächste Filiale ist weit weg
Teil dieser Bemühungen ist nun die Aufgabe der Filiale in Hildesheim, in der SiNN derzeit noch auf insgesamt rund 2200 Quadratmetern Verkaufsfläche Kleidung anbietet. Nach HAZ-Informationen empfinden die Verantwortlichen bei SiNN den Standort Hildesheim als „schwierig“, haben offenbar ihre Umsatzziele hier nicht erreicht.
Für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird dabei die innerhalb der SiNN-Welt ziemlich exponierte Lage Hildesheims zum Problem. Während die Filialen in Nordrhein-Westfalen teilweise nahe beieinander angesiedelt sind und Beschäftigte dortiger Niederlassungen im Fall der Schließung teilweise Jobs in benachbarten Häusern angeboten bekommen sollen, befinden sich die von Hildesheim aus gesehen nächsten SiNN-Filialen in Hamburg, Kassel, Detmold oder Rheine. Bundesweit hat die Modekette 38 Filialen, davon 24 in Nordrhein-Westfalen.
