Hildesheim - Die wirtschaftliche Situation in Deutschland ist derzeit eher trübe, gerade in der Industrie leiden viele Branchen unter Energiepreisen, Inflation und Lieferketten-Problemen. Nicht zuletzt die Automobilbranche, was sich zuletzt auch bei Hildesheimer Zulieferern wie Bosch und Schlote äußerte. Doch in der Luftfahrt geht es indes in eine ganz andere Richtung – ebenfalls mit Auswirkungen auf einen wichtigen Hildesheimer Arbeitgeber: Der Airbus-Zulieferer Howmet Aerospace hat in den vergangenen Monaten massiv neue Arbeitsplätze geschaffen, will damit noch weitermachen – und eröffnet am Wochenende an prominenter Stelle in der Hildesheimer Innenstadt einen „Talent-Store“, um potenzielle Mitarbeiter auf sich aufmerksam zu machen.
Viele Entlassungen 2021
In der Corona-Krise sah es bei dem Unternehmen, das in Hildesheim auch unter seinen früheren Namen Alcoa und Arconic bekannt ist, noch ganz anders aus. Im März 2021 verkündete die Firma, dass 71 von damals rund 200 Beschäftigten gehen müssen. Die Corona-Krise sorgte für einen schweren Einbruch in der Luftfahrt-Branche. Howmet Aerospace, stark von Aufträgen von Airbus abhängig, geriet tief in die Krise.
Doch inzwischen boomt die Urlaubs-Branche wieder, die Umsätze der Fluggesellschaften in aller Welt lagen im Vorjahr deutlich über dem Niveau vor der Pandemie. Ganz zu schwiegen von den Herstellern: „Airbus hatte im Jahr 2019 noch 768 Bestellungen, im Vorjahr waren es 2094“, berichtet Christiane Eikermann, Howmet-Sprecherin in Hildesheim. Insgesamt arbeite der Konzern derzeit rund 8600 Bestellungen ab und versuche, die jährliche Flugzeug-Produktion weiter zu steigern. „Der Bedarf schlägt sich auch bei uns als Lieferant nieder“, erklärt Eikermann.
Vor allem für die Fertigung
Die Folge: Howmet Aerospace hat 67 Beschäftigte neu eingestellt, die Belegschaft ist mit rund 200 wieder ziemlich exakt so groß wie vor der Massenkündigung im März 2021. Und dabei soll es nicht bleiben. „Wir wollen weiter wachsen“, kündigt Eikermann an.
Das Unternehmen suche vorwiegend Maschinenbediener und -einrichter für die Fertigung. Es sei aber offen für alle Initiativbewerbungen, etwa im Ingenieurbereich oder in der kaufmännischen Sachbearbeitung. „Generell sind alle Interessenten aus dem industriellen Bereich willkommen“, betont Eikermann. Zudem suche die Firma Auszubildende als Industrie- und Werkzeugmechaniker.
Werbung mit eigenem Laden
Um in Hildesheim als Unternehmen und als Arbeitgeber noch bekannter zu werden, macht Howmet nun einen ungewöhnlichen Schritt: Das Unternehmen hat die Räume des ehemaligen Geschäfts „Ambiente“ neben dem Eiscafé Venezia am Marktplatz gemietet und dort einen Laden eingerichtet, der dazu dienen soll, Informationen über die Firma und ihre Stellen zu vermitteln.
Im Vorjahr habe Howmet viele neue Mitarbeiter dadurch gewonnen, dass Beschäftigte auf Plakaten um neue Kollegen geworben hätten. „Mit dem Store möchten wir nun diejenigen erreichen, die vielleicht nicht aktiv auf der Suche sind oder sich nicht bewerben möchten“, erklärt Eikermann.
Airbus im Aufschwung
Jüngste Entwicklungen auf dem Weltmarkt lassen es indes möglich erscheinen, dass Airbus bald noch mehr Bauteile aus Hildesheim benötigt. Nach Berichten über Qualitätsprobleme an Boeing-Flugzeugen prüft etwa die US-Fluggesellschaft United Airlines, Bestellungen bei Boeing zu stornieren und stattdessen auf Airbus zu setzen. Dabei geht es allein um bis zu 277 Passagierflieger.
Der Howmet-Store in der Hildesheimer Innenstadt ist erstmals am Samstag, 3. Februar, von 11 bis 16 Uhr geöffnet.

