Hildesheim - Am gestrigen Mittwoch waren im Landkreis Hildesheim unter den insgesamt 182 Infizierten 41 Kinder im Alter bis zu 14 Jahren. Vor einer Woche waren es noch 58. Auch bei den Jugendlichen bis 19 Jahren sinken die Zahlen. Trotz fallender Tendenz nimmt aber die Diskussion um die Impfung von Kindern ab 12 Jahren Fahrt auf.
Noch gibt es zwar gar keinen zugelassenen Impfstoff für Jugendliche und Kinder unter 16 Jahren – doch er soll kommen, und zwar bald. In rund sechs Wochen sollen auch Schüler ab 12 Jahren eine Impfung gegen das Coronavirus erhalten – die Pläne für den Ablauf hat das Land Niedersachsen jetzt vorgestellt. Es sind Pläne, die Dr. Thomas Buck, dem Verbandsvorsitzenden der Kinderärzte und Mitglied des Ärztekammer-Vorstands in Niedersachsen, Sorgen machen.
Impfen ist erst ein Thema, wenn ein Stoff zugelassen wird
„Wir sollten uns noch skeptisch-abwägend vor die Kinder stellen“, sagt er. „Wir Kinderärzte wissen nicht recht, was wir von diesem Schnellschuss halten sollen.“ Buck spricht von einem nicht kalkulierbaren Risiko für die Kinder. „Wir sollten ohne ausreichendes Wissen keine so vulnerable Personengruppe impfen – die ja weniger selbst gefährdet ist als vielmehr den Rest der Gesellschaft besser schützen soll“, betont der Mediziner.
Diese Bedenken teilt nahezu übereinstimmend Kirstin Seidel, Sprecherin des Hildesheimer Stadtelternrats und Mutter dreier Kinder. Sie sagt, es sei momentan zu früh, um die Impfbereitschaft der Eltern für ihre Kinder einschätzen zu können. „Darüber können wir erst sprechen, wenn ein Impfstoff zugelassen ist“, sagt Seidel, „vorher gibt es da überhaupt keine Grundlage.“
Sehr gute Organisation und sehr gute Kommunikation
Und wenn er zugelassen sei, dann müssten die Eckpunkte der Verimpfung stimmen – die Organisation ebenso wie die Kommunikation. „Wenn wir zum Beispiel sehen, wie es jetzt der Prioritätsgruppe 3 geht, für die plötzlich kaum noch Impfstoff für die erste Impfung zur Verfügung steht, obwohl das ganz anders angekündigt war – so etwas darf beim Impfen von Kindern nicht passieren.“ Solche Fehler müssten den Verantwortlichen eine Lehre sein, meint Seidel.
Es müsse eine sehr gute, transparente Organisation und Abfolge in solchen Impfplänen verankert sein, es müsse sich um einen zweifellos sicheren Impfstoff handeln und das Ganze müsse an die Eltern klar und verständlich weitergegeben werden. „Wenn alle diese Faktoren stimmen, kann ich mir vorstellen, dass es eine sehr hohe Impfbereitschaft unter den Eltern gibt“, sagt Seidel. Dennoch sei das Einverständnis, sich selbst impfen zu lassen, etwas ganz anderes, als die Zustimmung zur Impfung eines Kindes zu geben.
Lieber beim Kinderarzt als im Impfzentrum
Die bisherigen Pläne des Landes sehen vor, Impfungen vor oder in Schulen durch mobile Teams sowie im Impfzentrum zu organisieren. Pläne, die der Verband der Kinderärzte kritisch sieht. „Gerade bei einer Impfversorgung von Kindern muss sehr viel Aufklärung geleistet werden“, sagt Buck. Dies werde durch Kinderärzte weitaus kompetenter realisiert. „Was für Erwachsene richtig ist, ist nicht unbedingt auch richtig für Kinder.“
Kinder und Eltern müssten entscheiden können, ob der Nutzen einer Impfung für sie akzeptabel sei. Um all das abzuwägen, brauche es Information und Vertrauen. Auch der Verband der Hausärzte fordert, dass Kinder ab zwölf Jahren in Arztpraxen und nicht in Impfzentren und Schulen geimpft werden. Bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KVN) wartet man auf die Zulassung der Impfung für Kinder. „Dann muss geklärt werden, wer das macht, ab wann das möglich ist und wie das organisatorisch laufen soll“, sagt Sprecher Detlef Haffke.
