Automobil-Zulieferer

Hildesheimer Firma KSM Castings erreicht wichtiges Etappenziel – dennoch steigt der Druck

Hildesheim - KSM Castings ist etwas gelungen, was der Hildesheimer Automobil-Zulieferer seit acht Jahren vergeblich angestrebt hatte. Dennoch drückt die Wirtschaftslage auf die Stimmung. In Hildesheim gibt es aber einen neuen Hoffnungsträger. Im Lauf des Jahres steht eine wichtige Entscheidung an.

KSM Castings hat seine Zentrale in Hildesheim. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Der Hildesheimer Automobil-Zulieferer KSM Castings hat ein wichtiges Etappenziel erreicht – die Zahl der Beschäftigten ist allerdings im Zuge der Krise des Automobilmarktes wieder etwas zurückgegangen. Dennoch zeigt sich die Geschäftsführung „vorsichtig optimistisch“ mit Blick in die Zukunft – und setzt große Hoffnungen in einen neuen Werkleiter für das Hildesheimer Hauptwerk, das in mancherlei Hinsicht ein Sorgenkind der Firmengruppe bleibt. Und vor der Frage steht, ob eine auslaufende Vereinbarung zur Standortsicherung verlängert wird.

Nachfrage rückläufig

Im abgelaufenen Geschäftsjahr schaffte KSM Castings zum ersten Mal seit 2017 wieder eine „schwarze Null“, also ein ganz leicht positives Ergebnis – zumindest vor Steuern. Nach Steuern noch nicht, das ist nun das nächste Ziel, das die Geschäftsführung mit Horst Fischer und Detmar Kampmann in Angriff nehmen will. „Ziel für 2030 ist es, so viel Überschuss zu erwirtschaften, dass wir profitabel sind und unsere Investitionen aus eigenem Gewinn stemmen können“, kündigt Fischer an. Denn bisher hängt KSM noch am finanziellen Tropf seines chinesischen Eigentümerkonzerns Citic Dicastal. Der hat das Etappenziel der Schwarzen Null vor Steuern zwar wohlwollend zur Kenntnis genommen, erwartet aber weitere Fortschritte, um bald auch mit KSM Geld zu verdienen.

Die gegenwärtige Lage der Automobilindustrie ist da wenig hilfreich – auch wenn es KSM Castings weiterhin besser geht als vielen anderen Zulieferern, wie Fischer und Kampmann berichten. „Die E-Mobilität kommt nicht in Schwung, aber auch beim Verbrenner ist die Nachfrage zurückgegangen“, stellt Fischer fest. KSM gießt Bauteile für Motoren beider Antriebsarten. Und auch beim wohl wichtigsten Produkt aus Hildesheimer Fertigung, einem Querträger für Daimler, sind die Abrufzahlen zurückgegangen – allerdings eher auf Normalmaß, nachdem KSM im Vorjahr aufgrund der großen Nachfrage nahe seiner Kapazitätsgrenze fertigte.

Weniger Mitarbeiter

Entsprechend ist die Zahl der Beschäftigten in Hildesheim wieder etwas zurückgegangen. Hatte KSM am Cheruskerring im Vorjahr kurzzeitig die Marke von 1000 Mitarbeiterinnen, Mitarbeitern und Azubis geknackt, sind es Anfang Juni dieses Jahres noch rund 880. Das Unternehmen hat sich vor allem von Leiharbeitern und befristeten Beschäftigten getrennt, Abgänge – zu anderen Firmen oder in die Rente – nicht ersetzt. Wie andere Industriebetriebe auch versucht KSM, die Belegschaft mit Hilfe befristet Beschäftigter und von Leiharbeitern je nach Auftragslage „atmen“ zu lassen, ohne die Stammbelegschaft anzutasten.

Letzteres ist derzeit ohnehin noch nicht möglich. Noch bis Ende des Jahres läuft eine Standortsicherungsvereinbarung, die das Unternehmen nach der Insolvenz im Jahr 2020 mit der Gewerkschaft IG Metall ausgehandelt hatte. Die Beschäftigten nahmen für fünf Jahre gestaffelte Kürzungen bei Löhnen, Weihnachtsgeld und Zulagen in Kauf – im Gegenzug wurden betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Weder Unternehmen noch Betriebsrat äußern sich bislang auf Nachfrage dazu, ob sie eine neue Vereinbarung dieser Art anstreben.

Lob und Kritik für Belegschaft

Sicher ist, dass die KSM-Geschäftsführung gerade im Hildesheimer Hauptwerk noch immer Luft nach oben sieht. Im Vorjahr hatte Firmenchef Fischer Mentalität und Arbeitseinstellung eines Teils der hiesigen Belegschaft kritisiert und dafür öffentlichen Widerspruch vom Betriebsrats-Vorsitzenden Manuel Duarte geerntet. Das Thema treibt Fischer und seinen Geschäftsführungs-Mitstreiter Detmar Kampmann aber weiter um. Die größten Beiträge zur jüngsten „Schwarzen Null“ hätten die Standorte im tschechischen Hradek sowie in Wernigerode geleistet – und weniger die im Bergischen Land oder in Hildesheim.

Fischer betonte, ein Großteil der Belegschaft ziehe mit. „Es gibt einzelne Mitarbeiter und auch ganze Teams, wo ich sagen würde: Die haben es verstanden“, formuliert Fischer bewusst positiv. Gleichwohl könne die Gesundheitsquote im Hildesheimer Werk noch besser sein, wenn man die Kennzahlen der gesamten deutschen Industrie zum Maßstab nehme. Wobei auch das keine Generalkritik sei, wie Detmar Kampmann ergänzt: „Die Anzahl derer, die 2024 gar keinen Fehltag hatten, ist sogar erstaunlich hoch.“

Neuer Niederländer

Nun soll ein neuer Mann das Hildesheimer Werk produktiver und damit auch wirtschaftlicher machen. Seit März ist der Niederländer Jos Smeets neuer Werkleiter am Standort. Die ersten Eindrücke sind in der Geschäftsführung und auch in der Arbeitnehmervertretung positiv. „Wenn die Mannschaft seinem Weg folgt, wird es auf jeden Fall wahrscheinlicher, dass wir hier langfristig erfolgreich sind und gute Arbeitsplätze anbieten können“, sagt Firmenchef Fischer. Und der Betriebsrats-Vorsitzende Duarte attestiert Smeets sowohl „erhebliche Erfahrung und enorme Fachkompetenz“ als auch einen guten Umgang mit den Beschäftigten.

Doch die wohl entscheidende Frage bleibt, wie es wirtschaftlich in Deutschland und letztlich auf der ganzen Welt weitergeht. National drängt KSM Castings wie auch der Verband Deutscher Gießereien auf Entlastungen, vor allem bei den Energiepreisen. „Erste positive Ansätze“, attestiert Kampmann da der neuen Bundesregierung. Auf mehr Stabilität hofft die Geschäftsführung beim Dauerthema Zölle. Schließlich betreffen die US-Zölle auf Einfuhren aus der EU zwar nicht KSM direkt, aber viele seiner Großkunden.

Vorsichtig optimistisch

Bei der Frage, ob die Nachfrage nach Autos insgesamt wieder anzieht – die IG Metall zum Beispiel hofft auf „Nachholeffekte“, weil derzeit viele Menschen einen Autokauf zurückgestellt hätten und die Flotte deutschlandweit sehr alt sei – reagiert KSM-Chef Horst Fischer indes sehr skeptisch: „Ich glaube nicht an Nachholeffekte“, sagt er. „Wer ein Auto braucht, der kauft sich eins.“ Im Zweifel derzeit eben eher einen Gebrauchtwagen, was seinem Unternehmen naturgemäß wenig bringt.

Jammern will er darüber nicht, seinen „vorsichtigen Optimismus mit Blick auf das zweite Halbjahr“ will er sich auch nicht nehmen lassen: „Wir sind als Unternehmen langsam auf dem richtigen Weg, wir haben ein Etappenziel erreicht, nun müssen wir alle zusammen erst recht weiter unsere Hausaufgaben machen.“ Zumal Detmar Kampmann anmerkt, der chinesische Eigentümer habe seine Investitionszusagen im Rahmen der Standortsicherungsvereinbarung „übererfüllt“. Speziell das Werk in Hildesheim habe davon „überproportional profitiert“.

Neues Produkt in Serie

So soll am Cheruskerring in den nächsten Monaten ein neues Großprojekt anlaufen. Dabei geht es um den Kühlermantel für den Stator, ein Bauteil eines Elektromotors. Für KSM ein Vorzeigeprojekt, mit dem die Firma demonstrieren will, dass sie auch Bauteile für die E-Mobilität in größeren Dimensionen verlässlich liefern kann. Die Serienproduktion soll Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres beginnen.

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