Auffällige Veränderung

Hildesheimer Kreishaus: Was war da los in Amt 304?

Kreis Hildesheim - Das Amt für Hoch- und Tiefbau und Gebäudemanagement des Landkreises Hildesheim wird plötzlich einem anderen Dezernat zugeordnet. Aus organisatorischen Gründen, heißt es offiziell – doch der Wechsel hat wohl eine Vorgeschichte. Ehemalige Mitarbeiter berichten von einer Kündigungswelle.

Im Hildesheimer Kreishaus gab es eine Umstrukturierung, die Fragen aufwirft. Foto: Chris Gossmann

Kreis Hildesheim - In der Hildesheimer Kreisverwaltung wird der Personalmangel zunehmend zum Problem. Aktuell fehlen mehr als 100 Fachkräfte, etwa 3000 Anträge von Bürgerinnen und Bürgern hängen unbearbeitet in der Warteschleife. Das Personalproblem betrifft die ganze Republik, alle Branchen der Wirtschaft. Doch zumindest in einem wichtigen Amt des Kreishauses ist die Personalnot offenbar auch zum Teil hausgemacht: Bereits im vergangenen November haben sich nach Informationen der HAZ mehr als zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Amtes für Hoch- und Tiefbau und Gebäudemanagement (Amt 304) bei Landrat Bernd Lynack schriftlich über die Situation in der Abteilung beschwert. Sie hätten damals auch den Führungsstil von Bau-Dezernent Walter Hansen kritisiert, berichtet ein ehemaliger Mitarbeiter (sein Name ist der Redaktion bekannt, seine Stellungnahme liegt schriftlich vor).

Amt wandert in anderes Dezernat

Nun hat es im Kreishaus, nach außen weitgehend unbemerkt, eine Umstrukturierung gegeben: Das Amt 304 wurde aus Hansens Dezernat 3 (Bildung, Kultur und Bau) herausgenommen und dem Dezernat 1 (Finanzen, Digitalisierung und Innere Dienste) von Finanzdezernent Klaus Rosemann zugeordnet. Das habe „organisatorische Gründe“, erklärt die Kreisverwaltung auf Anfrage.

Beobachter aus dem Umfeld der Kreisverwaltung bezweifeln das. Zum einen wurde das klassische Baudezernat zerteilt, was inhaltlich wenig sinnvoll erscheint: Das Bauordnungsamt blieb in Dezernat 3, das Amt für Hoch- und Tiefbau wandert ins Dezernat 1, das eigentlich mit ganz anderen Themenfeldern befasst ist. Zum anderen ist Rosemann nun für sechs Ämter zuständig, Hansen nur noch für zwei – das Dezernat war schon vorher von der Zahl der Ämter das kleinste, nun wird es noch kleiner. Die Erste Kreisrätin Evelin Wißmann ist für sechs Ämter zuständig, Sozialdezernent Benjamin Knollmann für fünf.

Reaktion des Landrates auf eskalierende Unzufriedenheit?

Ist die Umstrukturierung nicht eher eine Reaktion des Landrates auf die eskalierende Unzufriedenheit in Amt 304? Der oben genannte ehemalige Mitarbeiter ist davon überzeugt. Er rechnet vor, dass nach seiner Kenntnis etwa zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wegen der belastenden Arbeitssituation gekündigt haben – das dürfe sich eine Verwaltung in Zeiten, in denen sie nur schwer neues Personal finde, einfach nicht leisten. Ein zweiter ehemaliger Mitarbeiter, der seinen Namen ebenfalls nicht öffentlich nennen möchte, schließt sich der geschätzten Zahl von zehn Kündigungen an, deren Grund die genannte Unzufriedenheit mit der Arbeitsatmosphäre gewesen sei.

Die Kreisverwaltung will zu dieser Kritik nichts sagen: „Da Personalangelegenheiten vertraulich sind, äußern wir uns dazu nicht in der Öffentlichkeit“, schreibt Kreis-Pressesprecherin Birgit Wilken, „dafür bitte ich um Verständnis.“ Auch Dezernent Hansen möchte sich zu den Vorwürfen „zunächst“ nicht äußern, wie er erklärt.

Positives Bild der Personalentwicklung im Bau-Bereich

Die Verwaltung hatte kürzlich erst ein positives Bild von der Personal-Entwicklung im Bau-Bereich gezeichnet. Im aktuellen Personalbericht 2023 ist die Rede von neun Ingenieurinnen und Ingenieuren sowie Architektinnen und Architekten, die im vergangenen Jahr eingestellt worden seien. Dadurch sei der Personalbedarf momentan „weitestgehend abgedeckt“, hieß es. Der eine der beiden ehemaligen Mitarbeiter, die sich gegenüber der HAZ äußerten, relativiert die Darstellung: „Hätten vorher nicht so viele gekündigt, wären diese Neueinstellungen gar nicht nötig gewesen.“

Wie viele Kündigungen gab es denn nun genau im Amt 304? Diese Frage lässt die Kreisverwaltung mit Hinweis auf die Vertraulichkeit von Personalangelegenheiten ebenfalls unbeantwortet. Im Personalbericht fällt in diesem Zusammenhang eine Zahl ins Auge: Nie zuvor gab es beim Landkreis Hildesheim so viele personelle Austritte wie im vergangenen Jahr, nämlich 107 – das sind doppelt so viele wie 2010 (52 Austritte). Die Gründe liegen größtenteils im veränderten Arbeitsmarkt. So können Fachkräfte oft in der freien Wirtschaft mehr verdienen und wechseln deswegen. Außerdem beginnt nun die Ruhestandswelle der geburtenstarken Jahrgänge, doch die schlug im Jahr 2022 durch vorgezogenen oder regulären Renteneintritt bisher nur mit rund 25 ausgeschiedenen Mitarbeitenden zu Buche. Das Gleichgewicht von Austritten und Einstellungen wurde zwar vorübergehend durch die Corona-Pandemie durcheinandergebracht, weil das Gesundheitsamt mehr Unterstützung brauchte. Das betraf allerdings vor allem das Jahr 2021, in dem es unter dem Strich 96 Austritte gab – was auch damals schon einen Rekord bedeutete.

Große Herausforderungen

Welchen Anteil das Amt 304 an den Zahlen hat, bleibt offen, da sich die Kreisverwaltung bedeckt hält. Vor den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern liegen auf jeden Fall große Herausforderungen – denn die Abteilung ist unter anderem für die Bewirtschaftung und Unterhaltung aller kreiseigenen Gebäude zuständig, und die umfassen immerhin eine Gesamtfläche von rund 380.000 Quadratmetern. In die Zuständigkeit fallen auch die Planung, Ausschreibung, Vergabe, Bauüberwachung und Abrechnung von Neu-, Um- und Erweiterungsbauten sowie energetischen Projekten.

  • Region
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.