Hildesheim - Auch wenn sich der Start des Modellversuchs mit geöffneten Geschäften und Cafés in der Innenstadt nun vom kommenden Montag auf Donnerstag, 15. April, verschiebt – die Planungen laufen und werden konkreter. Nun hat die Stadt in einer Pressekonferenz Einzelheiten bekannt gegeben. Fragen beantworteten unter anderem Hildesheims Oberbürgermeister Ingo Meyer, Katharina Hüppe als Leiterin des Gesundheitsamtes des Landkreises, dessen Erste Kreisrätin Evelin Wißmann, Senab Özkan von den Freundlichen Hildesheimern, Renate Mitulla, Geschäftsführerin des niedersächsischen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga und Michael Junge, App-Entwickler der Firma Youco. Die wichtigsten Fragen und Antworten:
Warum verschiebt sich der Start?
Sollte ein bundesweiter Lockdown beschlossen werden, könnte dieser Beschluss am kommenden Montag gefasst werden, also unmittelbar zum geplanten Projektstart. Das würde zum Abbruch des Modellversuchs führen. Deshalb will die Stadt diesen Termin abwarten. Zweitens gewinnt sie so zusätzliche Zeit für die Vorbereitungen. Laut Auflagen muss der Versuch bis zum 18. April starten. Allerdings hofft die Stadt darauf, dass dieser Termin verschoben wird, sollte es tatsächlich einen Lockdown geben.
Wie viele Testzentren soll es im Innenstadtbereich geben?
Vier. Das bestehende auf der Lilie, eines am Neustädter Markt in den ehemaligen Räumen des Feinkostgeschäfts Schäferhenrich, ein drittes am Bahnhof und eins in der Arneken Galerie.
Muss ich einen Test in einem der Zentren machen oder kann ich mich auch in einer anderen Einrichtung, etwa einer Apotheke, testen lassen?
Jeder aktuelle, negative Test ist gültig. Und zwar vom Zeitpunkt seiner Ausstellung an zwölf Stunden lang. Allerdings muss es ein professionell durchgeführter Test sein – ein Selbsttest zu Hause zählt nicht als Nachweis.
Und welche Apps brauche ich, um durchs Testzentrum und in die Innenstadt zu gelangen?
Gar keine. Zwar taucht im Zusammenhang mit dem Modellversuch immer wieder eine Anwendung namens „Checkpoint“ auf, aber die ist nur für die Stationen und Akteure wichtig, also die Testzentren und die Geschäfte. Die Besucher selbst brauchen nur einen Ausweis und idealerweise ein Handy. Ein Test ist aber auch ohne möglich. Ebenso ist es ratsam, sich zum Test zuvor anzumelden – Pflicht ist es aber nicht.
Muss man Hildesheimer sein, um in der Innenstadt einkaufen zu können?
Nein. Es darf jeder kommen, egal woher.
Und wenn ich nur so durch die Stadt gehe, ohne in den beteiligten Geschäften einkaufen zu wollen? Muss ich dann auch einen Test machen?
Nein. Durch die Innenstadt darf jeder gehen, auch in die Läden, die nicht am Projekt teilnehmen und zum Beispiel einen Service wie Click and Meet anbieten.
Welche Geschäfte kann ich in der Innenstadt besuchen?
Das steht noch nicht fest. Die Händler und Gastronomen, die teilnehmen wollen, können sich derzeit bei der Stadt anmelden – und das ist auch dann noch möglich, wenn das Projekt bereits läuft.
Muss ich im Geschäft noch einmal einen Bogen mit meinen Daten ausfüllen?
Nein, alle erforderlichen Daten sind mit dem Test schon erfasst worden.
Was ist mit Kino, Theater, Museen?
Die bleiben größtenteils zu, da sie außerhalb des für das Projekt definierten Gebiets liegen. Öffnen wird nur das Stadtmuseum im Knochenhauer Amtshaus.
Das Ziel des Modellversuchs ist es ja, herauszufinden, ob und wenn ja, unter welchen Bedingungen, sich das Virus in Geschäften und in der Gastronomie verbreitet. Welche Daten werden dafür von Besuchern erhoben?
Auch das ist noch nicht klar. Eine Liste erstellen Wissenschaftler der Universität Hildesheim – unter anderem in Absprache mit dem Gesundheitsamt des Landkreises. Aus den Angaben soll unter anderem hervorgehen, ob jemand bereits geimpft ist oder schon einmal an Covid-19 erkrankt war. Zudem registrieren alle teilnehmenden Läden und Restaurants, wer wo und in welchem Zeitraum war.
Muss in an dieser Datenerhebung teilnehmen?
Ja und nein. Ich kann die Angaben zu bestimmten Fragen, die in den Testzentren im Anschluss an die Abstrich-Entnahme gestellt werden sollen, ablehnen. Aber mein Bewegungsprofil durch die Stadt wird dennoch erfasst.
Wann sollen die Daten ausgewertet sein?
Die Stadt muss zwei Wochen nach Abschluss der Modellversuchs einen Abschlussbericht an das Landesministerium schicken. Dort sollen schon möglichst viele Daten enthalten sein. Möglicherweise, je nach Menge und Aufwand, aber nicht alle. Laut Gesundheitsamt ist die ganze Datenerhebung erst dann sinnvoll, wenn sie so detailliert ausgeführt wird, dass man daraus beispielsweise auf sichere Orte, auf geringe Ansteckungsgefahren oder ernstzunehmende Ansteckungsgefahren schließen kann.
Sollte der Modellversuch wirklich den Beweis erbringen, dass das Einkaufen und das Kaffeetrinken keine oder kaum Ansteckungen verursachen – wann wäre dann mit längerfristigen Öffnungen zu rechnen?
Darüber gibt es im Augenblick noch keine Angaben. Fakt ist, dass es zusätzlich zu den jetzt teilnehmenden 14 Kommunen eine zweite Phase geben soll, in der 11 weitere einen Modellversuch unternehmen. Erst wenn diese zweite Phase abgeschlossen und ausgewertet ist, ist mit einer Entscheidung und eventuellen Lockerungen auf Landesebene zu rechnen.
