Museums-Misere

Hildesheimer Rat rettet das Museum vor der Insolvenz – doch viele Baustellen sind noch offen

Hildesheim - Es war einer der wichtigsten Ratsbeschlüsse der letzten Jahre: Das Museum wird mit viel Geld gerettet. Eine Interimsleitung kommt in Kürze. Aber wie soll es dann weitergehen?

Hildesheim - Es war ein außergewöhnlicher Kraftakt. Im Herbst vergangenen Jahres, so stellt es Oberbürgermeister Ingo Meyer dar, wurde aus dem Roemer- und Pelizaeus-Museum noch ein Plus für 2021 in Aussicht gestellt. In Wirklichkeit drohte die Insolvenz, wie sich sich bald herausstellte. Eine Task Force schmiedete in kürzester Zeit ein millionenschweres Zukunftskonzept, es musste schnell gehen. Quer durch die Parteien-Landschaft ging der Wille, das Museum zu retten. All das kulminierte in der entscheiden Ratssitzung am Montagabend in der Aula der Grundschule Ochtersum. Am Ende setzte die Mehrheitsgruppe aus Grünen, SPD und DIE PARTEI ihre Rettungsversion gegen die anderen Parteien durch.

Große Herausforderung

Die große Herausforderung der kommenden Jahre besteht darin, den maroden Museumstanker wieder flott zu machen. Ein Sonderzuschuss von 1,6 Millionen Euro noch in diesem Jahr, zusätzlich 325 000 Euro pro Jahr mehr, Sparvorgaben sowie die schnellst mögliche Neubesetzung der Geschäftsführung gehören zu den Eckpunkten, mit denen das Museum gerettet werden soll. Der Beschlussvorschlag umfasst nur drei Absätze, fußt aber auf einem elfseitigen Zukunftskonzept, das eine Task Force in den letzten Monaten erarbeitet hat.

In den 1,6 Millionen Euro sind nach Angaben der Stadt auch die Personalkosten für die Interimsgeschäftsführerin Doreen Götzky enthalten, die mit einer halben Stelle neben Svenja Fuhrich vorübergehend die Geschäftsführung bildet – und deren Gehalt im Etat zu dem der bisherigen Chefin Regine Schulz hinzu kommt, die als Wissenschaftlerin im RPM bleibt.

Erhard Paasch, der als stellvertretender Ratsvorsitzender die Sitzung leitete, hatte sichtlich Probleme, in der Menge der Ergänzungsanträge den Überblick zu behalten. Zur Vorlage der Verwaltung lagen gleich vier Änderungsanträge vor, neben dem der Grünen/SPD/DIE PARTEI auch von CDU, AfD und Linken. Dabei blieb die Auseinandersetzung, von wenigen Sticheleien abgesehen, ruhig und sachlich.

Wir müssen einige große Baustellen auch noch finanzieren

OB Ingo Meyer

Die Stadt werde künftig unbedingt auf ein größeres Engagement des Landes angewiesen sein, verkündete Meyer. „Wir müssen einige große Baustellen auch noch finanzieren“, sagte der OB und nannte die Sanierung des Altbaus, energetischen Maßnahmen und die Neukonzeption der Dauerausstellung. Keine dieser Maßnahmen ist aus dem 1,6-Millionen-Euro-Paket zu bewältigen. Dirk Bettels (CDU) hatte zuvor darauf hingewiesen, dass der schlechte bauliche Zustand des Museums in den Plänen zu wenig berücksichtigt sei.

Das sagt die kaufmännische Geschäftsführerin

„Ich bin total froh über die Ratsentscheidung und sicher, dass ich mit Frau Götzky gut zusammenarbeiten werde“, sagt Svenja Fuhrich, kaufmännische Geschäftsführerin im RPM auf Nachfrage der HAZ. Bislang habe sie mit der neuen Geschäftsführerin nur telefonieren können, persönlich kennen sich die beiden Frauen noch nicht. „Dazu gab es noch keine Zeit, die Entscheidung ist am Montag erst eine halbe Stunde vor der Ratssitzung im Verwaltungsausschuss gefallen.“ Doreen Götzky wird für eine Übergangszeit 50 Prozent der RPM-Geschäftsleitung übernehmen, Fuhrich 30 Prozent. „Wir haben unterschiedliche Schwerpunkte, als Doppelspitze wird das gut funktionieren. Davon bin ich überzeugt“, sagt Fuhrich sehr zuversichtlich, die zudem bei der Stadtverwaltung angestellt ist.

Fest steht nun, dass es künftig weiter zwei Geschäftsführerinnen im RPM geben werde – nicht drei. „Frau Schulz hat sich entschieden, dass sie den Weg für Veränderungen frei machen wird“, betont Fuhrich. Das bedeute, dass die bisherige Museumschefin Regine Schulz die Gesellschaft nicht länger vertreten werde. Nach bisherigen Planungen soll sie dem Haus als Ägyptologin und Wissenschaftlerin erhalten bleiben – ihr Vertrag läuft bis Januar 2024. Auch Götzky werde nach bisherigen Kenntnissen nur eine Übergangszeit in Hildesheim bleiben. Über die zusätzlichen Kosten, die eine neue Geschäftsführerin zudem verursacht, möchte sich Fuhrich als kaufmännische Leiterin nicht äußern. „Die Stelle der Geschäftsführung im RPM wird erneut ausgeschrieben – ein Prozess, der wegen der aktuellen Entwicklungen erstmal gestoppt worden ist“, sagt Fuhrich. Und: Sie selbst will auch nicht auf Dauer im RPM bleiben, sieht ihren Posten ebenfalls nur als Interimsstelle.

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