Museum in der Krise

Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museum bekommt neue Chefin

Hildesheim - Führungswechsel im insolvenzbedrohten Roemer- und Pelizaeus-Museum: Doreen Götzky wird Interims-Geschäftsführerin. Derweil gibt der Rat 1,6 Millionen Euro als Rettungspaket des Museums frei.

Doreen Götzky soll übergangsweise zusammen mit Svenja Fuhrich das Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim führen. Foto: Landkreis Peine

Hildesheim - Die letzte Sitzung des Hildesheimer Stadtrats vor der Sommerpause begann am Montagabend mit einer Viertelstunde Verspätung, aber dafür mit einem Paukenschlag: Regine Schulz bleibt nicht länger Geschäftsführerin des Roemer- und Pelizaeus-Museums in Hildesheim. Die Stadt Hildesheim sucht einen neuen Chef oder eine neue Chefin für das Haus. Übergangsweise wird Doreen Götzky, Leiterin des Kreismuseums in Peine, gemeinsam mit der kaufmännischen Geschäftsführerin Svenja Fuhrich die Geschicke des RPM leiten. Oberbürgermeister Ingo Meyer teilte mit, diesen Beschluss habe soeben der Verwaltungsausschuss getroffen. Götzky werde „kurzfristig“ übernehmen. Anschließend beschloss der Rat mit den Stimmen von Grünen, SPD und PARTEI ein 1,6 Millionen Euro starkes Rettungspaket für das Museum.

Regine Schulz „sehr erleichtert“

„Ich bin sehr erleichtert, dass es jetzt mit den 1,6 Millionen geklappt hat“, sagte Direktorin Regine Schulz später am Abend auf telefonische Nachfrage der HAZ. Sie habe „ein paar Tage nicht geschlafen“. Schulz weiter: „Mir ist sehr an unserem Museum gelegen und ich hoffe sehr, dass wir es mit der zusätzlichen Unterstützung in eine positive Richtung entwickeln können. Sie freue sich auf einer „gute Zusammenarbeit auf allen Ebenen“, Ziel sei, den überregionalen Stellenwert des RPM zu erhalten.



Regine Schulz bleibt in Hildesheim, wird sich aber nach Angaben der Stadt „mehr auf ihre Aufgaben als wissenschaftlich-museale Direktorin konzentrieren“. Besonders wichtig ist ihr die fürs kommende Jahr geplante große Ägypten-Ausstellung. Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer dankt ihr in einer Pressemitteilung für ihre mehr als zehnjährige Tätigkeit als Museumsleitung: „Regine Schulz ist es zu verdanken, dass das RPM auch heute noch weit über die Grenzen Hildesheims hinaus internationales Renommee genießt.“

Neue kommt nur mit 50 Prozent

Doreen Götzky wird in Hildesheim mit einer 50-Prozent-Stelle einsteigen – mit ebenfalls 50 Prozent bleibt sie Leiterin des Kreismuseums Peine. Über inhaltliche Zielsetzungen wollte sie am Montagabend noch nicht sprechen – das könne frühestens in der kommenden Woche geschehen, wenn sie den Vertrag unterzeichnet habe.

Götzky hat in Hildesheim Kulturpädagogik studiert, später noch BWL. Rund zehn Jahre lang war sie wissenschaftliche Assistentin am Institut für Kulturpolitik an der Uni Hildesheim und hat auch im Kulturbüro des Landkreises Hildesheim gearbeitet. Der weitere berufliche Weg führte sie nach Lemgo zum Landesverband Lippe. Hier verantwortete sie die Kulturabteilung, zu der auch das Lippische Landesmuseum in Detmold und das Weserrenaissance Museum auf Schloss Brake in Lemgo gehören. Seit 2017 ist sie am Kreismuseum Peine. Mit ihrer Familie lebt sie in Hildesheim.

Mehrheitsgruppe drückt ihren Antrag durch

In der Ratssitzung, die diesmal in der Aula der Grundschule Ochtersum stattfand, wurde eine Stunde lang über Eckwerte der Museumsrettung verhandelt. Zwar herrschte Einigkeit darüber, das RPM zu erhalten. Die CDU wollte den Zuschuss jedoch zunächst nur 600 000 Euro zur Sicherung der Liquidität geben und weitere Auszahlungen an konkrete Neuerungsmaßen knüpfen. Die AfD verlangte, das Land stärker in die Pflicht zu nehmen, und die Linken forderten, die Ticketpreise im RPM neu zu staffeln.

All diese Vorschläge wurden von SPD, Grüne und PARTEI abgelehnt. Für ihren eigenen Antrag, der eine Modifizierung der Verwaltungsvorlage darstellte, ernteten sie im Gegenzug ebenfalls Ablehnung – ihre Ratsmehrheit reichte jedoch aus, um den Beschluss durchzusetzen.

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