Bei Kanalarbeiten entdeckt

Hildesheims „Sensations“-Brücke in der Dammstraße: Wie soll es jetzt weitergehen?

Hildesheim - Die Brücke unter der Dammstraße ist mehr als 850 Jahre alt, die Stadt spricht von einer Sensation. Doch wie soll Hildesheim nun mit dem Fund umgehen?

Hildesheim - Die steinerne Brücke unter der Dammstraße ist vor mehr als 850 Jahren entstanden, Stadtarchäologe Christoph Salzmann spricht von einer „Sensation“. Doch wie soll es jetzt mit dem Bauwerk weitergehen, das seit Mai den Verkehr lahmlegt? Die Ratsfraktionen von CDU, SPD und Grünen sehen die Stadtverwaltung gefragt: Sie müsse Vorschläge zum Umgang mit der Brücke aufzeigen sowie die jeweiligen Folgen und Kosten ermitteln, sagten Sprecher der drei größten Fraktionen – sie kommen zusammen auf 36 der insgesamt 47 Sitze im Rat – am Montag der HAZ.

Die Verwaltung lässt das bei Kanalarbeiten entdeckte Bauwerk derzeit freilegen und von Archäologen dokumentieren; nach den ursprünglichen Plänen wollte die Stadt danach die Frontsteine bergen und den Boden verfüllen lassen, um die Dammstraße schnell wieder befahrbar zu machen. Zuvor soll allerdings ein Gutachter den Boden untersuchen und klären, ob andere Vorgehensweisen nötig sind.

SPD-Politiker Eckardt reklamiert Entscheidungshohe für Rat

Nun habe sich die Lage geändert, meint SPD-Ratsherr Tobias Eckardt, auch Ortsbürgermeister der Stadtmitte und der Neustadt. So wünschenswert es auch sei, die Straße wieder schnell zu öffnen: „Wir sollten uns Zeit dafür nehmen, zu entscheiden, wie wir der historischen Dimension gerecht werden.“ Das obliege der Politik, die Verwaltung solle dem Rat aber möglichst bald ein Konzept mit Optionen und deren Folgen vorlegen.

Wir können die Brücke aber nicht einfach zuzuschütten

Claudia Maria Wendt, CDU-Ratsfrau

Das fordert auch die CDU-Ratsfrau Claudia Maria Wendt. Es gehe darum, die Bedeutung der Brücke, die Kosten ihrer Bergung und die Folgen für den Verkehr in Einklang zu bringen. „Das sind drei große Fragezeichen.“ Um die richtigen Antworten zu finden, bräuchten die Politiker einen Vorschlag der Verwaltung. „Wir können die Brücke aber nicht einfach zuzuschütten“, meint Wendt. Vielmehr müsse ein Weg gefunden werden, das Bauwerk „erlebbar zu machen“ – wie genau, hänge von den Kosten ab. Mit Blick auf die Bedeutung der Dammstraße für den Verkehr sei es aber unrealistisch, diese dauerhaft zu sperren. „Das ist eine der Hauptverkehrsstraßen in Hildesheim.“

Rathaus will wissen: Wie viel Geld ist der Politik die Brücke wert?

Die Dammstraße müsse für den Verkehr offen bleiben, meint auch Grünen-Fraktionschef Ulrich Räbiger: „Es gibt nur drei Innerste-Übergänge – das ist einer davon.“ Doch Räbiger will die Brücke ebenfalls für die Nachwelt erhalten; ihm schwebt eine virtuelle Lösung vor. So könne man mit einer Software nicht nur die Brücke, sondern deren gesamtes Umfeld am einstigen Dammtor im zwölften Jahrhundert sichtbar machen – etwa mittels eine QR-Codes an der Stadtmauer, der eine Zeitreise ermögliche. Zudem sei eine Erklärungstafel nötig. Die Verwaltung sei gefordert, Lösungen aufzuzeigen: „Sonst stochern wir im Nebel.“

Es gibt nur drei Innerste-Übergänge – das ist einer davon

Grünen-Fraktionschef Ulrich Räbiger

Doch wie will die Verwaltung weiter vorgehen? Rathaussprecher Helge Miethe sagte der HAZ, auch die Stadt kenne das Alter der Brücke erst seit kurzem; sie habe daher noch keine Vorschläge zum Umgang mit den Funden machen können. Die Politik wiederum habe auch noch nicht erklärt, was sie wünsche und wie viel Geld ihr das wert sei, betonte Miethe. Die Verwaltung wolle das Thema gemeinsam mit der Stadtentwässerung und den politischen Gremien erörtern.



Kommentar: Kreativität gefragt

Eine archäologische Sensation bejubeln und diese dann zuschütten, damit der Verkehr wieder fließen kann? Das passt nicht zusammen. Und auch nicht zum Anspruch Hildesheims, Kulturhauptstadt zu sein. Das heißt: Von der Dammstraßen-Brücke muss, wie auch immer, möglichst viel erhalten bleiben. Virtuell sowieso, aber auch real, so weit das geht. In der Verwaltung und im Rat ist jetzt Kreativität gefragt. Übrigens auch beim Akquirieren von Zuschüssen beim Land und dem Bund. Allein kann die Stadt das Thema finanziell kaum wuppen.

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