Hildesheim - Immer mehr Menschen verlassen ihre Heimat Ukraine. Angekommen in einem fremden Land, sind sie auf Unterstützung angewiesen. Die wird aber auch im Kriegsgebiet benötigt. Der Bedarf ist so groß wie die Hilfsbereitschaft. Doch wie sollte die Unterstützung aussehen?
Viele Hildesheimerinnen und Hildesheimer möchten helfen. Nur wie?
Es gibt viele Möglichkeiten zu helfen, finanziell und praktisch. Die Koordinierungsgruppe Ukraine (Landkreis Hildesheim, Stadt Hildesheim, Agentur für Arbeit, Jobcenter) hat ein Online-Erfassungssystem für Wohnraum und unterstützende Hilfeangebote (Sprachmittlung oder Übersetzung (russisch/ukrainisch), Begleitung, Fahrtendienste, Lernangebote, Sach- oder Kleidungsspenden) eingerichtet. Gute Ansprechpartner sind die Gemeinden im Landkreis Hildesheim. Viele organisieren Hilfe, wie etwa die Gemeinde Holle. Dort ist Andrea Müller (05062/9084-23, E-Mail) die Ansprechpartnerin.
Was kann ich spenden und an wen?
Der Krieg in der Ukraine ist eine dynamische Situation – was die Menschen vor Ort benötigen, kann sich jederzeit ändern. Was aktuell gebraucht wird, variiert je nach Organisation. Es gilt: Nicht einfach Sachspenden zu den Sammelstellen bringen, sondern immer vorher informieren. Die meisten Organisationen sammeln gezielt Güter.
Aktion Tschernobyl-Hilfe
Lebensmittel und medizinische Hilfsmittel. Nahrungsmittel werden in Paketen angenommen, die Inhaltsliste gibt es hier. Auch medizinische Spenden müssen vorab besprochen werden. Annahmestelle: Schützenallee 35-37, Hildesheim. Auch die Alfelder Tschernobyl-Hilfe sammelt aktuell nach der Lebensmittel-Liste. Aufnahmestelle noch bis Mittwoch, 20 Uhr: Am Rodenkamp 2, Alfeld.
Kolpingwerk Hildesheim
Unter anderem Lebensmittel, Medikamente und Decken. Eine aktuelle Liste gibt es online. Annahmestellen: Sozialkaufhaus Sarstedt, Holztorstraße 32, Sarstedt und Labora Möbelshop, Osterstraße 30, Hildesheim, jeweils montags bis freitags zwischen 10 bis 18 Uhr.
Stimmt es, dass man keine Kleidung mehr spenden sollte?
Viele Organisationen berichten, dass genug Kleidung vor Ort ist – und auch die einzelnen Anlaufstellen in der Hildesheimer Region konzentrieren sich momentan auf Lebensmittel und medizinische Hilfsgüter. Wenn Klamotten benötigt werden, wird nach gezielten Produkten gefragt. „Menschen auf der Flucht brauchen Nahrung und medizinische Sachen“, erklärt etwa Rita Limmroth von der Aktion Tschernobyl-Hilfe Hildesheim.
Wohin kann ich Geld spenden und wie erkenne ich seriöse Organisationen?
Wer Hilfsorganisationen finanziell unterstützt, hilft auch den Menschen vor Ort. Organisationen, die das DZI Spenden-Siegel tragen, werden durch unabhängige Wirtschaftsprüfer regelmäßig untersucht – für manchen Verein, der jetzt spontan hilft, ist der damit verbundene Aufwand allerdings zu groß.
Woran sollte man denken, wenn man Flüchtlinge bei sich Zuhause aufnehmen will?
Es ist ungewiss, wie lange die Gäste im Haus bleiben. Sie sprechen kein Deutsch und oft auch kein Englisch. Wenn Kinder mit dabei sind, kann es im Haus auch schon mal lauter werden. Die Menschen aus der Ukraine brauchen nicht nur ein Dach über dem Kopf. Sie müssen auch versorgt werden und benötigen nach der Flucht auch Fürsorge.
Muss ich meinen Vermieter informieren, wenn ich Geflüchtete aufnehmen will?
Wenn es nur um ein paar Tage geht, nicht, sagt Rechtsanwalt Onno Heyken. Bis zu sechs Wochen etwa könne man andere als Gäste beherbergen – sofern ihre Anzahl nicht die der Mieter so übersteigt, dass sich daraus eine ganz andere Mietsituation ergibt. Man habe eine Wohnung für eine bestimmte Bewohnerzahl gemietet, ergänzt Thilo Heyken, „und zum anderen geht es auch um die Umlegung der Nebenkosten, die oftmals pro Kopf berechnet werden.“
Wo bekomme ich Unterstützung bei der Versorgung von Menschen, solange die noch keine Sozialleistungen erhalten?
Die Versorgung der Geflüchteten ist grundsätzlich gesichert: Sie haben Anspruch auf Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz - dies umfasst Leistungen für den Lebensunterhalt, Unterkunftskosten und Übernahme von Krankenbehandlungskosten. Der Antrag wird bei der Stadt beziehungsweise dem Landkreis Hildesheim gestellt. Wer Lebensmittel braucht, bekommt sie in Hildesheim beim Guten Hirten im Altfriedweg 2. Außerdem gibt es ein Überbrückungsgeld bei der neuen Beratungsstelle der Stadt Hildesheim, die am Mittwoch in der Hannoverschen Straße 6a öffnet.
Wie wird die medizinische Versorgung der privat aufgenommenen Flüchtlinge geregelt?
„Gerade die aus der Ukraine geflüchteten Menschen werden vielfach medizinische und psychologische Hilfe benötigen“, sagt Thorsten Jakob, Sprecher der Barmer. Grundlage für eine schnelle und unbürokratische Unterstützung ukrainischer Kriegsflüchtlinge ist die sogenannte „Massenzustrom-Richtlinie“ der Europäischen Union. Über die allgemeine Existenzsicherung hinaus erhalten die Geflüchteten im Rahmen des Asylbewerberleistungsgesetzes auch Zugang zu medizinischen Leistungen.
Die Kosten werden von den Kommunen übernommen. Die übernehmen auch die Kosten, wenn die Geflüchteten nach 18 Monaten von den gesetzlichen Krankenkassen betreut werden. Wenn Geflüchtete aus der Ukraine ein Familienmitglied haben, das bereits in Deutschland lebt und regulär gesetzlich krankenversichert ist, kann auch die Familienversicherung greifen.
„Diese Menschen können dann kostenfrei in die Familienversicherung der Angehörigen aufgenommen werden, die bereits in Deutschland leben. Erste Fälle dieser Art sind uns bereits gemeldet worden“, berichtet AOK-Sprecher Dr. Kai Behrens.
Viele Flüchtlinge haben ihr Haustier dabei. Wer hilft, wenn das Tier krank ist?
Die Tierärztliche Hochschule Hannover bietet ukrainischen Flüchtlingen die kostenlose Behandlung von Haustieren an. Die Halter werden lediglich gebeten nachzuweisen, dass sie die ukrainische Staatsangehörigkeit haben und geflohen sind. Weitere Infos zum Thema Haustiere finden sich auf der Internetseite des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft
Gibt es Tierschutzorganisationen, die sich um zurückgelassene Haustiere und die Zootiere kümmern?
PETA Deutschland ist mit den zuständigen Behörden in Kontakt – die nahezu alle unbürokratische Hilfe für Flüchtlinge mit „Haustieren“ zusagen. Ein Peta-Team ist an der polnisch-ukrainischen Grenze und hilft Menschen und Tieren vor Ort. Die Tierschützer versuchen Tiere aus dem Land zu holen und zu retten, außerdem werden Futterlieferungen in die Ukraine geschafft. Wie Peta meldet, ist offenbar auch der Zoo von Kiew bombardiert worden. Die ukrainische Organisation UAnimals konnte noch einige Tiere in Sicherheit bringen.
Wo kann ich spenden?
Es gibt aktuell zahlreiche Spendenaufrufe, überregional und auch in der Region Hildesheim. Alle aufzuzählen, ist kaum möglich. Die HAZ-Redaktion hat einige Kontoverbindungen für Geldspenden zusammengetragen.
Aktion Tschernobyl-Hilfe
IBAN: DE14 2519 3331 0460 200 500
Caritas international
IBAN: DE88 6602 0500 0202 0202 02, Stichwort: Ukraine
Diakonie Katastrophenhilfe
IBAN: DE68 5206 0410 0000 5025 02, Stichwort: Ukraine Krise
Kolping International Cooperation e.V.
IBAN: DE74 4006 0265 0001 3135 00
Stichwort: „PFO Ukraine-Hilfe“.
Aktion Deutschland Hilft
IBAN: DE53 200 400 600 200 400 600, Stichwort: ARD/Nothilfe Ukraine.
Deutsches Rotes Kreuz
IBAN: DE63 3702 0500 0005 0233 07
Stichwort: Nothilfe Ukraine
