Hildesheim - Die Müdigkeit ist sein ständiger Begleiter. Genau wie ein klingelndes Handy, sehr viele durcheinanderwirbelnde Gedanken im Kopf und die ständigen Rufe. „Olli“ ruft es aus allen Richtungen. Der Olli, der so dringend gebraucht wird, freut sich während der Jazztime erst einmal auf Ruhe – und danach direkt wieder auf die Jazztime im kommenden Jahr. „Die Bude hat keinen Strom“, „Die Spültabs fehlen“, „Wo sind die Trichter geblieben?“. Oliver Brinn-Holtz hat auf viele dieser Fragen eine Antwort. Wenn er keine weiß, improvisiert er.
Das ist eine kleine Erholung, hier zu sitzen und zu sehen, wie die Stadt erwacht.
Schon seit 2003 ist er im Organisationsteam des Festivals – seit 2012 kümmert er sich um die Bewirtschaftung und die Logistik, also darum, dass auf dem Platz vor dem Theater alles seine Ordnung hat. Und er tut es mit Leidenschaft. Morgens ist er der Erste auf dem Platz. „Das ist eine kleine Erholung, hier zu sitzen und zu sehen, wie die Stadt erwacht“, sagt Brinn-Holtz. Abends ist er einer der letzten, der nach Hause geht. Dann wird der Computer angeschmissen, um Fotos auf den Rechner zu laden. Denn Olli kümmert sich auch um die Dokumentation des ganzen Festivals.
Schlaflose Nächte während des Festivals
„Olli, was machen wir nun?“ heißt es schon am Freitag beim Aufbau. Die Getränkewagen müssen an die richtigen Standorte gezogen werden. Und wo die sind, das weiß eben nur Brinn-Holtz. Er koordiniert den Aufbau aber nicht nur. Sondern packt auch selber mit an, um die schweren Getränkewagen an ihre Standorte zu ziehen. Auch die Imbisswagen, die Hüpfburg und den Weinstand muss er platzieren.
Und dann sind da auch noch die kleineren Dinge, die nicht so sehr auffallen, aber auch erledigt werden müssen. Olli platziert Mülltonnen, organisiert die Straßensperrung und Parkverbotsschilder, kauft Brötchen für Helferinnen und Helfer, verteilt die Festival-Shirts. Das alles bedeutet nicht nur einen enormen Arbeitsaufwand während des Festivals. Sondern auch viel Organisation im Vorfeld. Und sehr viele Gedanken, die Brinn-Holtz während der Festival-Tage schlaflose Nächte bereiten.
Denn schiefgehen kann immer etwas. In diesem Jahr verwechselte die T-Shirt-Druckerei zum Beispiel die bestellte Menge für Damen- und Herrenshirts. „Wir haben ohne Ende Damenshirts über“, sagt Brinn-Holtz. Vor einigen Jahren verlor er fast sämtliche Festival-Fotos der ersten beiden Tage. Doch wo Probleme sind, da gibt es auch Lösungen. Das hat der 60-Jährige über die Jahre gelernt.
Kein Festival ohne Ehrenamtliche
Die schlaflosen Nächte vermiesen Brinn-Holtz nicht den Spaß. Der gelernte Siebdrucker, der heute im Vertriebsaußendienst arbeitet, hat schon als Jugendlicher das Festival besucht. Es geht ihm nicht in erster Linie um die Bands. „Mit denen kenne ich mich nicht so gut aus“, sagt er. Was für ihn zählt, ist die Festivalstimmung. Das Beisammensein und Wiedertreffen von vielen bekannten Gesichtern.
Olli ist ein Beispiel für sehr viele Leute
Das hat er mit den zahlreichen anderen Menschen gemeinsam, die sich ehrenamtlich für die Jazztime engagieren. „Olli ist ein Beispiel für sehr viele Leute“, sagt der Cyclus-66-Vorsitzende Achim Mennecke. Das Festival lebt ihm zufolge vom Einsatz der Menschen, die stundenlang arbeiten, ohne dafür bezahlt zu werden.
„Die Jazztime liegt mir wirklich am Herzen – und die Kultur in dieser Stadt“, sagt Brinn-Holtz am späten Samstagnachmittag auf dem Festival, als er sich einen Moment Ruhe gönnt. „Ich sitze heute zum ersten Mal.“ Kurz kann er den Moment genießen, die Musik und die Tatsache, dass wieder einmal viele Menschen zum Theater gekommen sind. Und dann muss Olli wieder los. Das Telefon klingelt.


