Hildesheim - Die Kosten für die Sanierung des Gymnasiums Andreanum werden am Ende wohl deutlich höher ausfallen als bisher angenommen. Bei der bislang genannten Summe von 6,5 Millionen Euro handele es sich um die Investitionen für lediglich einen Trakt der Einrichtung auf dem Michaelishügel. „Aber wir müssen fünf Trakte sanieren oder neu bauen“, sagt Bernd Dralle, Sachgebietsleiter Bau im Schulwerk der Landeskirche Hannover. Die Landeskirche ist Trägerin des evangelischen Gymnasiums am Hagentorwall.
Dralle begutachtete jüngst gemeinsam mit dem Chef des Schulwerks, Gerd Brinkmann, die Schäden in den einzelnen Trakten. Oftmals sind es kleine feuchte Stellen, die weitaus größere Probleme andeuten. An vielen Stellen sind die Flachdächer undicht. Außerdem sind viele Leitungen für die Entwässerung im Mauerwerk verlegt. Weil es sich dabei um Gusseisen-Rohre handelt, sind die Leitungen nach Jahrzehnten undicht – Wasser dringt durch die Wände in die Schule. Und für die Reparaturen müssen Wände aufwendig aufgestemmt werden.
Es gibt noch Bereiche, die weitaus stärker betroffen sind. Allen voran der Telemannsaal, eine Art Aula der Schule. Hier haben Arbeiter eine riesige Konstruktion aus Holz und wasserdichter Folie errichtet, um das bei Regen von der Decke tropfende Wasser vom Holzparkett fernzuhalten. Die Konstruktion ist so gebaut, dass warme Luft unter ihr durchgepustet werden kann. Der Zustand hält seit Monaten an.
Vor allem der Zustand des Telemannsaals ist dafür verantwortlich, dass der Schulelternrat derzeit in ungewöhnlicher Schärfe auftritt. Die Eltern haben sich an Landesbischof Ralf Meister und Oberbürgermeister Ingo Meyer gewandt und darum gebeten, dass die Sanierung möglichst schnell beginnt. Allerdings ließen sie auch ein gestörtes Vertrauensverhältnis durchblicken. Auch die Schülervertretung hatte in ganz ähnlichen Worten an den Verteiler geschrieben – sich aber nach dem Bekanntwerden in der Öffentlichkeit von den ursprünglichen Aussagen distanziert und stattdessen die Stärken der Schule hervorgehoben.
Bauwerk stammt von Stararchitekt Dieter Oesterlen
Beim Träger bemüht man sich darum, den von den Eltern geäußerten Vorwurf des „Drumherumredens“ zu entkräften. „Wir wollen das Andreanum wirklich so schnell wie möglich sanieren“, bekräftigt Schulwerk-Chef Brinkmann. Aber die derzeit laufenden Verhandlungen mit der Stadt und weiteren Protagonisten wie Denkmalschutzbehörden und den Erben des 1994 verstorbenen Architekten Dieter Oesterlen machten schon die Vorbereitungen kompliziert. Oesterlen hatte den Neubau 1959 entworfen. Branchenkundige loben an dem Bau zum Beispiel die integrierte Stadtmauer und die Sichtachsen. Aber weite Teil der Schule befinden sich auch noch im Zustand der damaligen Zeit.
Kompliziert ist es zudem, weil die Schule zwar von der Kirche getragen wird, die Hälfte ihrer Bauten aber auf städtischem Grund stehen. Das Hauptgebäude und die Trakte im Osten und Westen sind – abgesehen von einigen Anbauten – Eigentum der Stadt. Die Landeskirche will deshalb, dass die Stadt möglichst die Hälfte der anstehenden Kosten trägt. „Die komplette Summe würde die Landeskirche überfordern“, sagt Schulwerk-Chef Brinkmann. Einen konkreten Betrag könne er noch nicht nennen. Legt man die geplanten Kosten für einen der fünf Trakte zugrunde, könnte das Projekt am Ende im mittleren zweistelligen Millionenbereich landen. Und die Entscheidung fiele auch nicht in den derzeit verhandelnden Verwaltungen, sondern in der Landessynode und im Stadtrat.
Die Verwaltungen der Kirche und der Stadt verhandeln aber nicht nur über die Verteilung der Kosten. Nach dem Sanierungsstart soll die Schule Trakt für Trakt kernsaniert beziehungsweise gleich neu errichtet werden. Hunderte Schülerinnen und Schüler müssen während dieser Zeit in Ausweichquartieren lernen. Dralle rechnet mit einer Bauzeit von etwa einem Jahr pro Trakt. „Wir verhandeln aus diesem Grund mit der Stadt und auch mit dem Bistum darüber, übergangsweise Gebäude nutzen zu dürfen“, sagt Brinkmann.
Hunderttausende Euro hat allein die Landeskirche schon für die Leistung von Architekten und anderen Planungsbüros in die Hand genommen. Um den aktuellen Verfall zu stoppen, sind zudem mehrere Handwerksbetriebe tätig. Ein Dachdecker bereitet sich zum Beispiel darauf vor, 35 Kubikmeter Erde vom Dach des Telemannhauses zu entfernen, wenn der Regen aufhört. Mitte der 1960er-Jahre, als das Gebäude errichtet wurde, waren begrünte Dächer in Mode. Allerdings werden sie irgendwann alle undicht. Und die Reparatur gestaltet sich mitunter schwierig.
Das benachbarte Michaeliskloster und Kirchengemeinden haben bereits Räume angeboten, sollte es im Zuge der Sanierung für die Schule eng werden. Die Elternschaft hatte ohnehin angeregt, das Andreanum künftig mehr als bisher auf dem evangelischen Michaelishügel anzubinden. Vielleicht ist dies der Anfang.



