Hildesheim - Auf einigen Fensterscheiben kleben noch Sternchen, auf manchem Türschild steht ein ukrainischer Name. Doch die 150 Menschen, die für ein Jahr in den Häusern der Firma Lüder an der Ecke Hohnsen/Renatastraße eine Zuflucht vor dem Krieg in ihrer Heimat fanden, sind vor einigen Wochen ausgezogen, leben nun in anderen Wohnungen.
Das Immobilienunternehmen hatte den Flüchtlingen die 46 Wohnungen nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine mietfrei überlassen. Dabei sollten die fünf Gebäude eigentlich gar nicht mehr stehen. Doch der Lüder-Plan, sie durch den Hohnsenhof zu ersetzen – einem Komplex mit 130 Studentenwohnungen, Gastrobetrieben, Dienstleistern und Büros – , hatte sich verzögert. Und so erfüllte die Firma den Wunsch der Freien evangelischen Kirche (FeG), die Ukrainer aufzunehmen: FeG-Vertreter Sven Hirsch, von Beruf Architekt, hat den Hohnsenhof für Lüder entworfen.
Stadtverwaltung und Lüder sind sich über Parkplatz-Frage einig
Dort möchte man nun mit der Umsetzung des Projektes loslegen. Mit der Stadtverwaltung ist sich das Unternehmen so weit einig, dass diese dem Rat jetzt den nächsten Schritt im Bebauungsplanverfahren empfohlen hat. Doch der Stadtentwicklungsausschuss trat jüngst auf die Bremse: Die Mehrheitsgruppe aus SPD, Grünen und PARTEI möchte sich noch einmal erklären lassen, wie Lüder und Verwaltung die Frage der Parkplätze geregelt haben.
Die sollen vor allem auf dem früheren Klinikum-Parkplatz nebenan liegen, außerdem werden die vorhandenen Stellflächen auf dem Gelände des von Lüder betriebenen Studentenwohnheims Bude 12 in der Renatastraße angerechnet. Denn die Flächen dort sind nicht ausgelastet: „Wir haben die Erfahrung gemacht, das Studenten kein Auto fahren, sondern Fahrrad“, sagt Firmenchef Sebastian Lüder. Und so will dessen Unternehmen 300 Fahrradparkplätze schaffen, hat sich zudem zu einem Mobilitätskonzept verpflichtet, das unter anderem ein Carsharing-Angebot und einen Lastenradverleih vorsieht. Man erläutere das den Politikern gern, sagt Lüder-Geschäftsführer Thomas Eisenburger. Tatsächlich gibt es keine grundsätzlichen Vorbehalte gegen das Projekt, ist aus den Fraktionen zu hören.
Firmenchef Lüder will an Vorhaben festhalten: „Wir sehen großen Bedarf an Studentenwohnungen“
Er wolle an dem Vorhaben festhalten, versichert Sebastian Lüder – trotz der „brutal gestiegenen Baukosten und Zinsen“ und der zähen Abstimmung: Man sehe einen großen Bedarf an Studentenwohnungen. Von denen sollen 20 Prozent Sozialwohnungen werden, also öffentlich gefördert sein, um eine günstigere Miete zu ermöglichen. Abriss der Bestandsgebäude im Winter, Baubeginn im Frühjahr 2024, Bezug ein Jahr später – so sieht es der Zeitplan von Lüder vor. Dazu ist aber der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan Voraussetzung: „Wir warten jetzt auf dieses Signal“, sagt der Firmenchef.

