Unterkunft für Ukrainer

Zukunft der Lüderhäuser in Hildesheim: Wie geht es weiter mit dem Bau – und den Geflüchteten?

Hildesheim - Seit März 2022 leben geflüchtete Ukrainer und Ukrainerinnen in den Häusern der Firma Lüder, bis jetzt. Der Auszug rückt näher – und auch das Projekt Hohnsen-Höfe.

Eine Bleibe in Hildesheim auf Zeit: In den Häusern des Unternehmens Lüder konnten im vergangenen Jahr geflüchtete Menschen aus der Ukraine unterkommen. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Gerade einmal einen Monat nach Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine, im März 2022, ziehen die ersten Geflüchteten in die Lüder-Häuser an der Ecke Renatastraße/Hohnsen. Das Unternehmen ermöglichte es ihnen, kostenlos in den leerstehenden Gebäuden unterzukommen. Zeitweise lebten dort 153 Menschen, die sich auf die Flucht gemacht hatten – meist mit Kindern, teils aber auch ältere Menschen.

Von Anfang an war klar, dass es eine Bleibe auf Zeit ist. Die Firma Lüder stellte die Wohnungen kostenfrei zur Verfügung, geplant bis Ende Februar 2023, dann wurde die Frist auf Ende April verlängert. Mittlerweile, so erzählt Sven Hirsch, Architekt des Projekts Hohnsen-Höfe und tätig in der Freien evangelischen Kirche (FeG), haben viele von ihnen neue Unterkünfte gefunden. Er war damals auch derjenige mit der Idee, die leerstehenden Gebäude Geflüchteten zur Verfügung zu stellen. Die Wohnungen füllten sich, sobald das Hilfsangebot erstmal die Runde machte, von allein: Unternehmen und Privatpersonen spendeten Möbel und Dekorationsartikel.

Service-Büro: Weitermachen trotz Auszug?

Im Erdgeschoss des Hauses richtete die FeG in Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) auch ein Servicebüro ein, um den Bewohnern und Bewohnerinnen im neuen Alltag zur Seite zu stehen. Als klar war, dass die Geflüchteten bis Ende April in den Häusern bleiben dürfen, hat auch das DRK die geschaffenen Stellen um die Zeit verlängert, das Servicebüro ist bis Ende April vor Ort. Und danach? „Alle können sich vorstellen, weiterzumachen“, sagt Hirsch. „Aber in welcher Art und Weise ist noch offen. Wir sind schon auf der Suche danach, wie man das langsam auslaufen lassen kann.“

Was ihn besonders freut: Fast alle der Bewohner und Bewohnerinnen haben mittlerweile eine neue Bleibe gefunden. Der Großteil wird bereits in den nächsten Wochen ausziehen, sagt Hirsch. Wie haben die Menschen das geschafft, beim sowieso knappen Hildesheimer Wohnungsmarkt? „Das weiß ich auch nicht“, sagt Hirsch und lacht. „Wir hatten wohlwollende Kontakte unterschiedlicher Art.“

Hohnsen-Höfe: Verhandlungen laufen noch

Auch das Projekt Hohnsen-Höfe geht nun weiter. Aktuell befindet sich das Unternehmen Lüder noch in Verhandlungen mit der Stadt zum Bebauungsplan, wie Lüder-Geschäftsführer Thomas Eisenburger bestätigt. Das laufe gut, erklären beide Seiten. „Als nächster Schritt steht die öffentliche Auslegung des Bebauungsplanes an“, sagt Stadtsprecher Helge Miethe auf Nachfrage der HAZ. Geplant ist, dass sich der Ortsrat Stadtmitte/Neustadt und der Ausschusses für Stadtentwicklung, Umwelt und Mobilität noch vor der Sommerpause mit dem Thema befassen. Ein Abriss der Gebäude ist deshalb noch in diesem Jahr denkbar, der Beginn des Baus kommendes Jahr möglich, vermutet Eisenburger. Der Gebäudekomplex Hohnsen-Höfe soll Wohnungen für Studierende und drei Gastronomie-Betriebe beherbergen, außerdem Büroräume, ein Fitnessstudio, eine Praxis für Physiotherapie und einen Fahrradladen.

Stadt rechnet nicht mit Engpass

Dass durch den Wegfall der Wohnräume für Geflüchtete nun ein Engpass entsteht, befürchtet die Stadt nicht, eben weil die Menschen auf dem freien Wohnungsmarkt fündig geworden sind. „Natürlich wird der angespannte Wohnungsmarkt dadurch temporär noch etwas mehr nachgefragt, als es ohnehin schon der Fall ist“, sagt Miethe. „Dem Lüder-Konzern ist noch einmal zu danken, dass er in der Zeit des starken Flüchtlingszustroms aus der Ukraine spontan und wirkungsvoll geholfen hat, indem er sein Bauprojekt verschoben und die bisherige Bebauung am Hohnsen für ein Jahr für Ukraineflüchtlinge bereitgestellt hat.“

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