Harsum - In Harsum kleben immer wieder Aufkleber der rechtsextremen Identitären Bewegung (IB), vor allem am Bahnhof. Doch es dauert oft lange, bis Bahn-Mitarbeiter diese entfernen.
Eine 58-jährige Harsumerin ärgert sich immer wieder über die rechten Parolen an Laternenmasten in Harsum oder auch auf dem dortigen Bahnhof. Die auf dem Aufkleber gedruckten Sprüche lassen vermuten, dass die als rechtsextremistisch eingestufte Identitäre Bewegung Urheber ist.
Die Gruppe ist dem Verfassungsschutz bekannt
Die Schlagworte der Rechten klingen zunächst harmlos und enthalten positiv besetzte Begriffe wie Heimat oder Jugend. „Heimatliebe ist kein Verbrechen“, steht etwa auf einem der Sticker. Eine Aussage, die die meisten wohl erstmal unterschreiben würden.
Doch hinter den scheinbar harmlosen Parolen steckt eine menschenfeindliche Ideologie. Den Positionen der IB liege „ein ausgrenzendes, primär gegen Muslime und Migranten gerichtetes Denken in Kategorien ethnischer Homogenität zugrunde“, heißt es im Verfassungsschutzbericht 2018.
Mehr als 70 Fälle
Es ist nicht das erste Mal, dass die Identitären im Landkreis in Erscheinung treten. Anfang vergangenen Jahres gab es bereits zahlreiche Schmierereien und Aufkleber mit IB-Parolen in Sarstedt. Die Polizei registrierte mehr als 70 Fälle. Im Mai konnten sogar zwei Täter auf frischer Tat ertappt werden. Von den Fällen in Harsum ist dem Staatsschutz hingegen nach Angaben von Hildesheims Polizeisprecher Jan Makowski nichts bekannt.
Auch wenn die Identitären immer wieder mit solchen Aktionen auf sich aufmerksam machen, ist die Gruppierung zahlenmäßig eher klein. 50 Mitglieder hat die IB laut Verfassungsschutz in Niedersachsen. Die Zahl stagniert seit Jahren.
Aufkleber sind zu hoch angebracht
Die 58-jährige Harsumerin knibbelt manchmal die Aufkleber einfach selber ab. Sie hat sich in der Kaiserstraße sogar schon mal eine Leiter aus einem Geschäft geliehen, um einen besonders hoch angebrachten Sticker zu entfernen.
Zuletzt hat sie wieder Aufkleber mit rechten Parolen auf dem Bahnsteig Richtung Hildesheim gefunden. Dort kleben die Sticker wieder so hoch, dass sie sie nicht selbst abmachen kann. Am 20. Januar hat sie die Aufkleber der S-Bahn gemeldet. Doch bis jetzt sind die Aufkleber immer noch nicht entfernt worden. Das ärgert die 58-Jährige, deren Tochter schon Anfang vergangenen Jahres eine Hakenkreuz-Schmiererei am Harsumer Bahnhof angezeigt hatte: „Ich sehe bei so etwas schon dunkelrot.“
Und auch Thomas Wiesenmüller aus dem Harsumer Rathaus kritisiert, dass es immer wieder so lange dauert, bis die Bahn-Mitarbeiter reagieren. „Ich würde mir wünschen, dass das in relativ überschaubarem Zeitraum passiert. Innerhalb einer Woche sollte das entfernt werden“, meint Wiesenmüller, der das Ordnungsamt leitet und auch Geschäftsführer des örtlichen Präventionsvereins ist. Tauchten in den Harsumer Straßen rechte Aufkleber auf, würden diese innerhalb von drei Tagen von Gemeinde-Mitarbeitern entfernt, so Wiesenmüller.
Der Bahn ist das Problem bekannt
Bei der Bahn sind die Probleme bekannt. „Leider wird die Station Harsum von Vandalismus und einer rechten Szene regelmäßig in Mitleidenschaft gezogen“, sagt eine Bahnsprecherin. Rechte Parolen sollten auch umgehend beseitigt werden, so die Sprecherin. Dies werde auch nun sofort passieren. Warum die Bahn bislang die Meldung über die Aufkleber ignoriert hat, teilt sie auf Anfrage nicht mit.
Wer Hinweise auf Vandalismus an Bahnhöfen hat, kann sich an die S-Bahn unter der Telefonnummer 05 11 / 28 61 10 55 wenden. Können diese Hinweise zu einer Ergreifung der Verursacher führen, sollte man sich an die Bundespolizei wenden, Telefon 0511/303 650.
