Der Handball-Torwart beendet seine Karriere

Im „Gefühlschaos“: Pascal Kinzel hört auf und verabschiedet sich von den Sportfreunden Söhre

Söhre - Handball-Torwart Pascal Kinzel (Sportfreunde Söhre), der nach seinem schweren Autounfall ein fast unglaubliches Comeback feierte, bestreitet am Samstag gegen den OHV Aurich sein letztes Spiel.

Pascal Kinzel blickt „stolz und dankbar“ auf seine Handball-Karriere zurück. Foto: Werner Kaiser

Söhre - „Für mich ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um aufzuhören“, sagt Pascal Kinzel, Handball-Torwart des Drittligisten Sportfreunde Söhre. Am Samstag wird der 32-Jährige gegen den OHV Aurich sein letztes Spiel bestreiten. Dass dies eine emotionale Geschichte wird, ist Kinzel klar: „Ich befinde mich schon jetzt in einem Gefühlschaos.“

Dass Kinzel überhaupt wieder Handball spielen würde, war keinesfalls selbstverständlich. Denn nach seinem Autounfall am 13. Februar 2024, bei dem er schwere Verletzungen erlitten hatte, ging es nicht um Handball, sondern um Leben und Tod. Kinzel wurde mehrere Male operiert und kämpfte sich danach durch eine lange Reha.

„Es ist quasi ein Wunder“

Als er am 19. Januar dieses Jahres erstmals wieder im Tor stand, wurde er von den Fans frenetisch gefeiert. „Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich zurückkehren konnte“, sagt Kinzel, der sich in beachtlicher Form präsentierte und mit seinen Leistungen dazu beitrug, dass die Sportfreunde erneut vorzeitig den Klassenerhalt schafften.

„Es ist quasi ein Wunder, dass Paki nach dem schweren Autounfall wieder im Tor einer Drittliga-Mannschaft spielen konnte“, erklärt Sportfreunde-Vorsitzender Matthias Ihmann. „Er hat einen großen Anteil an unserer Erfolgsstory.“ Eine Story, auf die auch Kinzel „stolz und dankbar“ zurückblickt. Aber jetzt sei die Zeit gekommen, einen Schlusspunkt zu setzen. „Wenn ich Handball spiele, dann habe ich zwei bis drei Tage viel Spaß“, sagt er in der für ihn typischen süffisanten Art. Will heißen: Ganz spurlos gingen die Ereignisse dann doch nicht an Kinzel vorbei. Die Knochen und Gelenke schmerzten. „Ich muss auf meinen Körper hören“, sagt er.

Hausbau in Söhre

Zudem möchte er „andere Prioritäten“ setzen. Der Handballsport hab sehr viel Zeit gekostet. Zeit, die er nun vermehrt mit seiner Frau und der bald zweijährigen Tochter verbringen möchte. Außerdem gibt es ein weiteres großes Projekt. „Wir bauen in Söhre ein Haus“, verrät Kinzel, der sich als Immobilien-Kaufmann mit solchen Dingen auskennt.

Auch den Job als Torwart-Trainer macht er nicht weiter. „Ich kenne mich“, bemerkt Kinzel. „Ich mache keine halben Sachen und hätte mich da voll reingekniet.“ Ein harter Cut sei besser. Dass er irgendwann wieder etwas mit Handball machen könnte, will er nicht ausschließen: „Das ist meine Leidenschaft.“ Die er nun aber erstmal auf unbestimmte Zeit ruhen lässt.

Das Ziel vorzeitig erreicht

Seinem letzten Auftritt blickt er mit „gemischten Gefühlen“ entgegen: „Da geht einem alles noch einmal durch den Kopf: die Zeit mit Eintracht in der 2. Liga, der Aufstieg mit Söhre in die 3. Liga, der mehrfache Klassenerhalt – und natürlich der Unfall und das Comeback.“ Er ergänzt: „Es war mir sehr wichtig, dass ich mich mit dem Klassenerhalt verabschiede.“ Dieses Ziel wurde schon vor drei Wochen erreicht.

Auch wenn es am Samstag gegen den Tabellenfünften aus Ostfriesland um nichts mehr geht, werden die Emotionen in Söhre sicher wieder hochkochen. Nach der vergangenen Saison hatten sich Trainer Sven Lakenmacher und der langjährige Spieler Maximilian Kolditz tränenreich verabschiedet.

Weitere Verabschiedungen

Nun hört neben Kinzel auch Shooter Artjom Antonevitch auf, dessen Knieschaden eine Fortsetzung der Karriere nicht zulässt. „Arti ist eine Kampfmaschine – ein cooler Typ, der sich immer in den Dienst der Mannschaft stellt, aber manchmal auch anstrengend“, sagt Klubchef Ihmann.

Zudem werden am Samstag Torhüter Marvin Engelhard (geht zurück in die zweite Mannschaft) und Julius Bartels verabschiedet. „Marvin hat uns nach Pakis Ausfall sehr geholfen“, sagt Klubchef Ihmann. „Julius will künftig Familie und Beruf in den Vordergrund stellen.“

Das Gefühlschaos in der Steinberghalle ist also vorprogrammiert – aber daran sind sie in Söhre mittlerweile gewöhnt. Und natürlich hat „Paki“ noch einen Wunsch: „Einen Sieg zum Abschied.“

Viele Freunde gewonnen

Doch auch, wenn man ihn künftig nicht mehr im Tor sehen wird, will Kinzel den Sportfreunden verbunden bleiben: „Ich habe hier viele Freunde gewonnen, die mich auch in der schweren Zeit nach dem Unfall unterstützt und aufgemuntert haben.“ Paki hofft, dass der ein oder andere Freund zwischendurch beim Hausbau mit anpackt. Nun, da muss er sich wohl keine großen Sorgen machen.

Das letzte Saisonspiel gegen den OHV Aurich wird am Samstag um 18 Uhr in der Diekholzener Steinberghalle angepfiffen. Karten gibt es an der Abendkasse.


HC Eintracht Hildesheim schließt die Hauptrunde in Bielefeld ab

Mit 56:2 Punkten hat der HC Eintracht Hildesheim die zweitbeste Bilanz aller Handball-Drittligisten. Einzig Süd-West-Drittligist HSG Krefeld steht mit 57:1 Punkten noch besser da. Damit das so bleibt, wollen die Hildesheimer am Samstag (18 Uhr) bei der TSG Bielefeld den 29. Saisonsieg in der 30. Partie einfahren. Zugleich ist das Spiel gegen den Tabellendritten der letzte Härtetest vor den Aufstiegsspielen (Beginn 17. Mai). Die Einträchtler weisen weitere Top-Statistiken auf: In 15 Heimspielen gingen die Hildesheimer kein einziges Mal als Verlierer vom Platz, gleiches gilt auch für die Krefelder.

Der HC Oppenweiler-Backnang hat am Wochenende zudem noch die Möglichkeit, gleichzuziehen. Derzeit stehen die Baden-Württemberger bei 14 Heimsiegen. Mit 735 Gegentoren stehen beim Team von Trainer Daniel Deutsch zudem die wenigsten Gegentreffer aller Drittligisten zu Buche. Zuletzt beim 32:24-Erfolg über das Team Handball Lippe II war Eintracht-Coach Deutsch vor allem darüber erfreut, dass seine Mannschaft keinen Leistungsabfall nach der feststehenden Meisterschaft erlebte. „Wichtig war, dass wir den Spannungsbogen hochhalten konnten“, sagte Deutsch. Gleiches gilt auch für die Partie am Samstag in Bielefeld.

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