Kreis Hildesheim - Kohleabbau in Lützerath, längere Laufzeiten für Atomkraftwerke, Debatten um neue Windparks im Kreis Hildesheim: Wenn über die Energiewende diskutiert wird, geht es meistens um die Stromerzeugung. Dabei ist für die Lieferung von Wärme in Haushalten und Industrie in Deutschland viermal so viel Energie nötig – zugleich ist der Anteil der erneuerbaren Energien weit niedriger als beim Strom. Entsprechend groß ist hier das Potenzial für die CO2 -Einsparung.
Hildesheim, Sarstedt und Alfeld gefragt
Um dabei voranzukommen, müssen viele Städte bald eine „kommunale Wärmeplanung“ machen. Im Kreis Hildesheim betrifft das Hildesheim selbst sowie Sarstedt und Alfeld. Denn das entsprechende Landesgesetz verpflichtet neben sogenannten Oberzentren wie der Kreisstadt auch Mittelzentren dazu. Diesen Status haben Sarstedt und Alfeld. Sie müssen von Beginn nächsten Jahres an eine solche Wärmeplanung machen und haben dafür drei Jahre Zeit. Fernziel ist eine treibhausgasneutrale Wärmeversorgung von Gebäuden im Jahr 2040.
Auslöser ist die Feststellung, dass der Anteil der erneuerbaren Energien bei der Wärmeerzeugung im Jahr 2021 bundesweit bei gerade 16,5 Prozent lag. Bezogen allein auf Häuser und Wohnungen in Niedersachsen spielen die fossilen Brennstoffe sogar eine noch größere Rolle. Mit Stand von vor vier Jahren wurden 70 Prozent mit Erdgas beheizt, 18 Prozent mit Öl. Wesentlich verändert haben dürften sich diese Werte trotz einer leichten Zunahme von Fernwärme und Wärmepumpen nicht.
Fernwärme in Hildesheim
Fazit des Landes: „Der Wärmesektor muss völlig neu aufgestellt werden.“ Städte wie Hildesheim, Sarstedt und Alfeld sollen in einem ersten Schritt analysieren, wie die Wohngebäude in ihrem Zuständigkeitsbereich überhaupt geheizt werden. Dem schließt sich die Frage an, wie Wärmeenergie eingespart und wie mehr davon lokal erzeugt werden kann.
Ansätze gibt es bereits: In Hildesheim hat die EVI ein Fernwärmenetz aufgebaut und will es ausweiten. Wie viele Haushalte mit Fernwärme versorgt werden, sagt der Energieversorger allerdings nicht. Er hat aber öffentlich gemacht, dass im Jahr 2021 rund 28,3 Millionen Kilowattstunden Wärmeenergie abgegeben wurden. Das entspricht dem Jahresbedarf von gut 3000 Wohnungen oder 1800 kleinen Einfamilienhäusern.
Projekte in Bockenem und Sarstedt
In Bockenem werden schon länger Wohnhäuser mit Abwärme von einer Biogasanlage geheizt. Derzeit entsteht zudem beim Automobil-Zulieferer Meteor ein riesiger Wärmespeicher, der ebenfalls mit Abwärme von der Biogasanlage betrieben werden und bei der Heizung von Werkhallen und Büros Erdgas komplett ersetzen soll. In Sarstedt wiederum will das Wohnungsbau-Unternehmen kwg in diesem Jahr rund 100 Wohnungen in einem Quartier im Stadtteil Giebelstieg von fossilen Brennstoffen auf Erdwärme umstellen – als Pilotprojekt und Muster für weite Teile des Wohnungsbestandes.
Die stärkere Nutzung von Abwärme bestehender Anlagen oder eben von Erdwärme ist ein wesentlicher Bestandteil der sogenannten Wärmewende – ebenso wie die Reduzierung des Energieverbrauchs vor allem durch bessere Dämmung, die in den vergangenen Jahrzehnten bereits vorangeschritten ist. Ein weiteres Instrument ist der Ausschluss fossiler Heizenergie bei Neubauten. Was in diesen Bereichen noch möglich ist, gehört zu den wesentlichen Aspekten dessen, was die Städte in ihrer „kommunale Wärmeplanung“ aufzeigen sollen. Auch konkrete Projektvorschläge sollen sie liefern. Das Land fördert dafür nötige Stellen.
