Kreis Hildesheim - Der Landkreis Hildesheim bekommt in den nächsten Wochen zu wenig Corona-Impfstoff für die Erstimpfungen. Die Mitarbeiter in den Impfzentren können daher viel weniger imfpen als eigentlich möglich, wie Erste Kreisrätin Evelin Wißmann am Donnerstag im Sozialausschuss des Kreistags mitteilte.
Laut Wißmann bekommen die Impfzentren in dieser Woche nur 700 Imfpdosen von Astrazeneca, in der nächsten Woche 1400 von Moderna und in der darauf folgenden 500 Dosen von Moderna. „Wir könnten viel mehr aufs Gleis bringen, wenn wir mehr Impfstoff hätten“, sagte Wißmann.
„Versuchen, Verteilungsgerechtigkeit zu erreichen“
20 000 Menschen stehen derzeit auf der Warteliste. Doch nun müssen auch die Wahlhelfer geimpft werden, damit genügend für die Bundestags- und Kommunalwahl im September zur Verfügung stehen. „Vor diesem Hintergrund versuchen wir, eine Verteilungsgerechtigkeit zu erreichen“, sagte Wißmann: „Mit 500 Impfdosen in einer Woche ist das sehr schwierig.“
Das Sozialministerium hätte die reduzierten Lieferungen damit begründet, dass mehrere Landkreise derzeit mit den Impfungen für die Zweitimpfungen ausgelastet seien. Das gelte aber nicht für den Landkreis Hildesheim. Wißmann will sich daher nun gegenüber dem Land dafür einsetzen, dass Hildesheim doch noch mehr Impfstoff bekommt.
Bleibt Alfelder Impfzentrum länger als geplant?
Nach derzeitigem Stand wird das Alfelder Impfzentrum zum 31. Juli schließen. Wißmann will aber nun zunächst abwarten, ob die Schüler der unteren Altersgruppen auch in den Impfzentren geimpft werden sollen. In diesem Fall müsste nach Ansicht von Wißmann die Alfelder Einrichtung bis zum 30. September geöffnet bleiben. Dafür will sie sich jedenfalls gegenüber dem Land einsetzen.
Nachdem in den vergangenen Tagen bundesweit Unregelmäßigkeiten bei Testzentren bekannt wurden, will das Gesundheitsamt im Landkreis Hildesheim jetzt verstärkt kontrollieren, wie Wißmann in der Sitzung bekräftigte. Da sei die Leiterin des Amtes, Dr. Katharina Hüppe, „ganz engagiert“.
Warum wird erst jetzt verstärkt kontrolliert?
Auch Hüppe selbst hatte gegenüber der HAZ bereits weitere Kontrollen angekündigt. Wißmann erklärte nun den Kreispolitikerinnen und Politikern, warum diese Kontrollen erst jetzt massiert stattfinden. Die Mitarbeiter des Gesundheitsamts seien in den vergangenen Monaten mit der Kontaktverfolgung „extrem arbeitsmäßig belastet gewesen“ und hätten dabei eine unvorstellbar hohe Zahl an Überstunden aufgebaut.
Durch die inzwischen deutlich zurückgegangene Inzidenz sei es nun aber möglich, im Gesundheitsamt wieder zu einem „geordneten Arbeitsrhythmus“ zurückkehren. Und die Mitarbeiter hätten nun eben auch wieder die Möglichkeit, andere Aufgaben wie eben die Kontrolle der Testzentren zu übernehmen. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden den Testzentren häufiger einen Besuch abstatten“, sagte Wißmann
Fehlende Schnittstelle zur Kassenärztlichen Vereinigung
Sie wies noch einmal auf die hohe Zahl von inzwischen rund 120 000 absolvierten Schnelltests hin. „Da gibt es sicherlich die eine oder andere Unregelmäßigkeit“, sagte Wißmann. Auf Anfrage der HAZ hatte Hüppe berichtet, dass unter anderem Menschen ein negatives Testergebnis bekommen hatten, obwohl gar kein Abstrich gemacht wurde. In anderen Fällen mussten Probanden ohne Aufsicht den Abstrich selber vornehmen, nach wenigen Minuten kam dann schon ein Ergebnis.
Wißmann ist überzeugt, dass die Kontrolle auch deswegen erschwert wird, weil das Gesundheitsamt eigentlich nur für die hygienische Überprüfung verantwortlich ist, während die Kassenärztliche Vereinigung für die Abrechnungen zuständig ist. „Es gibt da auch keine Informationsschnittstelle“, sagte Wißmann: „Das können wir im Grunde auch gar nicht nachvollziehen.“ Die Erste Kreisrätin geht davon aus, dass in diesem Bereich noch einmal nachgesteuert werde. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten bereits angekündigt, die sogenannte Testverordnung zu verschärfen.
94 Prozent der Heimbewohner geimpft
Eine positive Bilanz zog Kreis-Mitarbeiterin Sandra Bettels in Bezug auf die Impfungen in den Pflegeheimen. Auf Grundlage der Anmeldungen geht sie von einer Impfquote von 94 Prozent aus. Diese Zahl liegt nur knapp unter dem deutschlandweiten Durchschnitt, der vom Robert-Koch-Institut mit 95 Prozent angegeben wird.
