Schnelltests

In Hildesheimer Schulen wird fleißig auf Corona getestet: So läuft es

Kreis Hildesheim - Seit Mitte April gilt an den niedersächsischen Schulen die Testpflicht. Wie sieht die Situation im Kreis Hildesheim aus? Fakt ist: Es wurden einige positive Fälle dabei entdeckt.

Selbsttests im Büro der stellvertretenden Schulleiterin des Gymnasiums Andreanum, Ruth Wallis. Foto: Dirk Wilkening

Kreis Hildesheim - Die Corona-Pandemie zwingt die Schulen seit vielen Monaten zum Improvisieren. Und so macht auch die stellvertretende Leiterin des Andreanums, Ruth Wallis, dieser Tage ohne zu murren Platz für die vielen Selbsttests, die die Landeskirche Hannover, der Schulträger des evangelischen Gymnasiums, nach Hildesheim geschickt hat. Kartonberge türmen sich im Büro um die Lehrerin herum. „Das sind etwa 6000 Schnelltests“, schätzt Schulleiter Dirk Wilkening. Wenn der Verbrauch so bleibe, reiche das für die nächsten drei Wochen.

Das Beispiel der Schule vom Hagentorwall zeigt, dass der anfängliche Engpass längst überwunden ist. Das sieht auch das Niedersächsische Kultusministerium so und erklärt auf Anfrage, dass es nur noch sehr wenigen Einzelfällen Beanstandungen von Schulen gebe. Grundsätzlich würden die Lieferungen pünktlich und mit Vorlauf für die Folgewoche bei den Adressaten ankommen.

Alle befragten Schulen haben ausreichend Tests

Nahezu alle von der HAZ befragten Grund- und auch weiterführenden Schulen bestätigen, dass sie inzwischen von ihren Schulträgern gut versorgt seien. Und, noch wichtiger: Dass sich das Testen weitestgehend eingespielt habe. „Die Lieferungen kommen umfangreich und rechtzeitig, die Verteilung läuft reibungslos dank helfender Hände – der Schulalltag läuft reibungslos im Szenario B“, sagt etwa der Leiter des Gymnasiums Josephinum, Stephan Speer. Das bestätigen auch Klaus Neumann, kommissarischer Leiter der Marienschule, und Marcus Krettek, Direktor des Scharnhorstgymnasiums.



„Die Testausgabe und Abfrage ist in den Schulalltag eingebaut und verläuft nahezu reibungslos“, sagt auch Andrea Milbrod-Jakob, Leiterin der IGS Bad Salzdetfurth. Ellen Osterode-Meyer. Rektorin der Realschule Himmelsthür, weist darauf hin, dass das Testen aber nach wie vor aufwendig sei. „Die ganze Organisation und Logistik ist mit einem zusätzlichen Zeitaufwand verbunden“, sagt sie. Hinzu käme die aufwändige Dokumentation, ergänzt Urte Kyas, Leiterin der Molitorisschule in Harsum.

Die „Bastelsets“ gehören überall der Vergangenheit an

Anfängliche Probleme mit Großpackungen, umgangssprachlich „Bastelsets“ genannt, die Lehrerinnen und andere Helfer aufwendig zu Einzeltests zusammenstellen mussten, gehören offenbar der Vergangenheit an. „Nachdem wir mehrfach hintereinander mit den Großpackungen von Roche beliefert wurden, haben wir in den zwei letzten Lieferungen wieder einzelverpackte Test-Kits erhalten“, sagt etwa Andrea Berger, Leiterin der Oskar-Schindler-Gesamtschule. „Packarbeiten am Fließband sind nicht mehr nötig“, bestätigt Stefan Eggemann, Leiter des Goethegymnasiums.


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Bei René Mounajed, Leiter der Robert-Bosch-Gesamtschule (RBG), landen dafür jetzt verstärkt Anfragen von Eltern, ob genesene Schülerinnen und Schüler immer noch verpflichtet seien, an den Selbsttests teilzunehmen. „An dieser Stelle fehlt uns noch eine klare Ansage“, findet Mounajed. Das gilt auch für die geimpften Schüler, von denen es aber bislang auch nur sehr wenige gibt.

Organisation kostet die Schulen auch viel Zeit

Kleinere Probleme – etwa dann, wenn Schülerinnen den Test vergessen und morgens ohne Bescheinigung der Eltern in der Schule auftauchen – gibt es zwar nach wie vor an vielen Schulen. Aber das haben die Einrichtungen weitestgehend im Griff. „Insgesamt stellt sich die Situation deutlich entspannter und beherrschbarer dar als noch im April“, bestätigt Andreas Kruse, Direktor des Gymnasiums Himmelsthür. Das findet auch Anja Voges, Rektorin der Grundschule Ochtersum. Die dortigen Lehrkräfte rufen in solchen Fällen bei den Eltern an. „Meist kommt dann ein Elternteil oder jemand anderes aus der Familie und holt den Test nach“, berichtet Voges. Natürlich koste dies zusätzlich Zeit. „Es gibt aber auch ein Stück weit Sicherheit.“



Die Sicherheit spielt auch am Goethegymnasium eine große Rolle. Sogar so sehr, dass sich die Schule dazu entschlossen hat, an drei Tagen pro Woche zu testen. Vom Kultusministerium vorgeschrieben sind zwei. „Aber wir haben ausreichend Selbsttests zur Verfügung, und außerdem erhöht es für uns noch einmal die Sicherheit“, erklärt Schulleiter Stefan Eggemann. Die Schule aus der Braunschweiger Straße hat derzeit rund 4000 Tests auf Lager. „Die halten noch etwa zweieinhalb Wochen“, sagt Eggemann. Das Goethegymnasium hat im Gegensatz zu den weitaus meisten anderen Schulen ein wöchentlich wechselndes Unterrichtssystem während des Szenarios B entwickelt. Das führt dazu, dass sich hier alle montags, dienstags und donnerstags testen.

Keinen positiven Test an der IGS Bad Salzdetfurth im Mai

Eingespielt ist das Testen also offenbar an den Schulen im Raum Hildesheim – aber ist es auch sinnvoll? „Das mag ich persönlich nicht einschätzen. Ich kann aber sagen, dass es im Mai keine positive Testung bei uns gab“, sagt Milbrod-Jakob. Ungültige Ergebnisse gebe es immer mal wieder, aber die könnten dann wiederholt werden. Landesweit sieht das Ergebnis schon anders aus. In der Woche ab dem 3. Mai (das sind aktuellsten Werte, die analysiert sind) hat das Kultusministerium 1,4 Millionen Schnelltests an die Schülerinnen und Schüler landesweit ausgegeben. Davon waren zunächst 597 Ergebnisse positiv, 310 wurden anschließend mit PCR-Test bestätigt. Das sind also 310 Infektionen, die frühzeitig erkannt wurden und in den Schulen nicht streuen konnten. Ausbrüche an Schulen hat es seit Einführung der Testpflicht auch an den Hildesheimer Schulen nicht mehr gegeben. Und auch die Lehrkräfte und anderen Beschäftigten der Schulen müssen sich testen. In der ersten Maiwoche waren das landesweit knapp 228 000 Tests – von denen 523 positiv waren, in 27 Fällen haben PCR-Tests das bestätigt.



Insgesamt gab es in Niedersachsen seit Einführung der Testpflicht 5,7 Millionen Tests bei den Schülern, davon waren 2867 positiv, 1845 wurden mit PCR-Test bestätigt. Bei den Beschäftigten an den Schulen gab es etwa 1,1 Millionen Tests, von den 1003 positiv waren und wiederum 162 mit PCR bestätigt wurden. In Stadt und Landkreis Hildesheim fallen wöchentlich rund 35 000 Tests an, davon waren insgesamt 19 positiv und davon wiederum wurden zwölf mit PCR-Test bestätigt. Desweiteren hat es in der Region 463 Tests bei Schülern gegeben, die im Verdacht standen, sich infiziert zu haben. Davon waren zwei Schnelltests positiv, einer wurde mit PCR-Test bestätigt.

Land: 25 aktuelle Coronafälle an Hildesheims Schulen

Aktuell geht das Land davon aus, dass es an den niedersächsischen Schulen etwa 600 Coronafälle gibt, 25 davon im Landkreis Hildesheim. Diese Zahlen müssten allerdings relativiert werden, da die sich anschließenden PCR-Tests in der Regel zu anderen Ergebnissen führen, erinnert eine Sprecherin des Ministeriums.

Wie lange die Tests an den Schulen verpflichtend bleiben, vermag das Ministerium derzeit noch nicht zu sagen.

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