Hildesheim - Eintracht Hildesheim baut eine neue Sporthalle – ausgerechnet auf das Homefield der Invaders-Footballer. Warum in aller Welt sprechen Menschen im Vorfeld einer solch sensiblen Entscheidung nicht vernünftig miteinander?
Dass die Eintracht zugreift, wenn ihr eine Halle auf dem Silbertablett serviert wird, kann dem Klub niemand verübeln. Gerade größere Vereine haben unter Corona zu leiden. Laut Landessportbund Niedersachsen laufen ihnen wegen des andauernden Lockdowns die Mitglieder weg. Eintracht will attraktiv bleiben – eine eigene Sporthalle für die Zeit nach der Pandemie ist da eine echte Chance. Doch die Halle hat trotz des Investors einen Preis. Und den zahlen die Invaders. Sie verlieren nach bald 20 Jahren ihr Homefield.
Ohne Fingerspitzengefühl
Auch die Verwaltung der Stadt Hildesheim ließ die Footballer allem Anschein nach ins offene Messer rennen. Sie muss von dem Bauvorhaben wissen, geredet hat sie darüber mit den Invaders offenbar nicht. Den knapp 400 Vereinsmitgliedern, die sich in den Jahrzehnten stark ehrenamtlich engagiert haben und immer dagewesen sind, wenn wie beim Hochwasser 2017 Not am Mann war, stößt man damit ohne Not vor den Kopf. Der Angelegenheit hätte eine gehörige Portion Fingerspitzengefühl sehr gut getan.
Findet im übrigen auch Invaders-Stadionsprecher Christoph Scholz, der dazu eine interessante Aussage macht: Die Stadt ziehe die Footballer gern für Imagefilme und Prestigeprojekte wie die Kulturhauptstadt-Bewerbung heran. Und dann werde dem Verein das Homefield und damit die Trainings- und Eventfläche abgesprochen. „Das mag juristisch alles rechtens sein, mit Sitte, Moral und gesellschaftlicher Eintracht hat das nicht viel zu tun.“
Hildesheim muss helfen
Scholz trifft den Nagel auf den Kopf. Die Stadt und auch Eintracht hätten die Invaders mit einbeziehen müssen. Ihnen einfach eine neue, noch völlig brach liegende Fläche zur Verfügung zu stellen, ist zu wenig. Allein können es die Footballer auf die Schnelle nicht schaffen, dem Grundstück an der Zeppelinstraße eine Infrastruktur zu verpassen.
Der Fairness halber sei gesagt, dass sich die Stadt zur Sache noch nicht äußern konnte. Die „Affäre Homefield“ spielte sich am Wochenende ab. Bleibt zu hoffen, dass die Verwaltung und auch die Politik eine Idee haben, wie sie den Invaders helfen können. Wenn nicht, geht Hildesheim vielleicht ein ziemlich bunter Traditionsverein verloren.

