Hildesheim - Wut und Ärger, Enttäuschung und Trauer – die Reaktionen auf den neuerlichen Nackenschlag für die Footballer der Hildesheim Invaders sind emotional. Wie berichtet, hat Eintracht Hildesheim den Footballern fristlos den Vertrag über die Nutzung des Homefields am Philosophenweg gekündigt. Damit stehen die Invaders ohne Stadion und Infrastruktur da.
Am Samstagabend ging die Eintracht mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit und erklärte, was auf dem Homefield-Gelände passieren soll: „Der Vorstand und Aufsichtsrat des Großsportvereins haben entschieden, eine neue Zweifeld-Sporthalle zu errichten. Die Maßnahme soll bereits Ende 2021 fertig erstellt sein.“
Hilferuf der Krippen-Eltern
Es wird ziemlich auf die Tube gedrückt – mit dem Beginn der Bauarbeiten hat es Eintracht offenbar eiliger als mit der Kommunikation über das Vorhaben. Erste Vorbereitungen sind schon im Gange: Der Garten der vereinseigenen Krippe Hampelmann grenzt an das Invaders-Homefield, und dort wurden bereits Bäume und Sträucher gerodet.
Damit macht Eintracht eine zweite emotionale Baustelle auf. Denn die Eltern der Krippen-Kinder, die übrigens allesamt Vereins-Mitglieder sein müssen, sind erbost. Sie wissen nicht, was aus dem Garten wird und haben einen öffentlichen Hilfe-Ruf an Oberbürgermeister Ingo Meyer abgesetzt: „Wir, die Eltern von Eintrachts Krippen-Kindern wurden übergangen. Ohne Form von Informationsfluss werden wir vor vollendete Tatsachen gestellt.“
Kritik an der Stadt Hildesheim
Eintracht Hildesheim dürfe mit so einer Hauruck-Maßnahme nicht durchkommen und damit ein Negativbeispiel für künftige Bauvorhaben setzen, erklärt Anna Parsiegla in dem Brandbrief. Sie ist die Mutter eines Krippenkindes.
Ob die Eltern bei OB Meyer mit ihrem Anliegen an der richtigen Adresse sind, ist zumindest zweifelhaft. Denn ins Zentrum der Kritik rückt in der „Angelegenheit Homefield“ auch immer mehr das Verhalten der Verwaltung. Die Fläche, auf der die neue Sporthalle entstehen soll, gehört nämlich der Stadt Hildesheim. Sie hat sie an Eintracht verpachtet. Das Grundstück wurde laut Invaders-Vorstand mit Steuergeldern hergerichtet, und ein gemeinnütziger Verein wie Eintracht kann es pachtfrei von der Stadt haben.
„Hinterzimmer-Politik“
Die Stadt wusste also schon längst, was auf dem Gelände passiert. Aber auch Vertreter aus Politik oder Verwaltung sprachen bisher nicht mit den Footballern. Das sei „Hinterzimmer-Politik“, kritisieren viele Invaders-Anhänger.
Dagegen schwärmen die Einträchtler um den Vorstandsvorsitzenden Clemens Löcke von „einem Glücksfall für unseren Verein.“ Mit dem Bau der Sporthalle würden andere Hallen in Hildesheim entlastet. Löcke: „Wir holen zugleich Kernsportarten aus dem Verein auf unser Areal zurück.“ Für den Neubau sei ein Investor gefunden worden.
Schock für die Invaders
Löcke sowie die beiden stellvertretenden Eintracht-Vorsitzenden Tobias Hartrich und Friederike Hoff-Elfers erklärten, dass der Invaders-Vorstand am 18. Februar von der anstehenden Homefield-Kündigung „in einem persönlichen Gespräch“ informiert worden sei. Eine Woche später segnete der Eintracht-Aufsichtsrat das Bauvorhaben ab.
Ein Schock für die Footballer. „Wir haben im vergangenen Jahr Gespräche mit Clemens Löcke über eine mögliche gemeinsame Zukunft auf dem Gelände geführt. Alle wissen, welchen Stellenwert das Homefield für uns hat“, sagt Invaders-Vorsitzender Jan Hendrik Meyer. Bis 2017 waren die Footballer sogar noch unter dem Dach des Großvereins zu Hause. Danach gingen beide Parteien getrennte Wege.
Rechtliche Schritte erwägen
Eigentlich läuft der Nutzungsvertrag zwischen Eintracht und den Invaders das Homefield betreffend noch bis Ende 2022. Sie wollen das Gelände nicht kampflos hergeben und prüfen jetzt rechtliche Schritte.
Dass das alles für die Footballer ein Unglücksfall ist und den knapp 400 Mitglieder starken Verein in die Krise stürzt, sieht Eintracht Hildesheim anders. Den Invaders sei bereits 2020 das ehemalige Baseball-Gelände an der Zeppelinstraße als alternative Fläche zur Verfügung gestellt worden. Allerdings ist das Brachland: Es gibt dort keine Tribüne, nicht ausreichend Parkplätze, ein Bodengutachten steht noch aus, das Gras ist kniehoch und der Rasen holprig.
Wegen Corona steht alles still
Selbst nach dem freiwilligen Abstieg aus der 1. Liga (weil sich Hauptsponsor Frank Meyer zurückgezogen hat) rechnen die Footballer bei Heimspielen mit durchschnittlich 700 Zuschauern. So viel sind zu früheren Regionalliga-Zeiten jedenfalls immer gekommen.
Es müssen viel Arbeit und Geld in das Zeppelinstraßen-Gelände gesteckt werden, bevor man dort spielen und trainieren kann. Ehrenamtlich anpacken dürfen die Invaders aber seit Monaten nicht. Wegen des Corona-Lockdowns.
Invaders-Krise: Ins offene Messer laufen lassen – Ein Kommentar von HAZ-Sportredakteur Ulrich Hempen
Außerdem sei den Footballern der Eintracht-Hauptplatz vor dem Klubhaus als weitere Alternative angeboten worden, so Clemens Löcke. Invaders-Vorsitzender Jan Hendrik Meyer hält davon wenig: „Der Platz ist abgesunken und abschüssig. Darauf können wir nicht spielen. Eintracht müsste erst in das Gelände investieren.“
Neuer Kunstrasenplatz
Neben der Zweifeld-Halle realisiert Eintracht noch ein weiteres Bauvorhaben. Wie geplant wird in Kooperation mit dem VfV 06 Hildesheim der alte Kunstrasenplatz „An den Sportplätzen“ erneuert und auf Vordermann gebracht.
Bereits in wenigen Tagen erfolgt der Spatenstich für das Projekt, im Mai soll alles fertig sein. Eintrachts Hockeyspieler und die VfV-06-Fußballer können dann den Kunstrasen nutzen.
