Hildesheim - Die Enttäuschung ist Klaus Heitmann deutlich anzuhören, als er im Gespräch mit der HAZ die Nachricht bestätigt: Es wird im Juli weder die 90s Super Show noch die Schlagerinsel geben – der Veranstalter habe ihm soeben abgesagt. Heitmann ist als Prokurist der Betreiberfirma des Hildesheimer Volksfestplatzes für die Vermietung des Areals zuständig, und er hatte für den 1. und 8. Juli mit dem Unternehmen media.one GmbH einen vermeintlich guten Deal eingetütet. An zwei Samstagen sollte das Gelände zur Party-Arena werden, zum Auftakt mit Stars aus der Eurodance-Szene der 90er Jahre wie Blümchen oder Dr. Alban, und mit Schlager-Größen und Zugpferd Micki Krause eine Woche später. Doch daraus wird nichts: Beide Shows fallen aus. „Die Entscheidung ist uns extrem schwer gefallen“, sagt one.media-Geschäftsführer Dennis Pfannmüller.
Zahl der verkauften Tickets reicht nicht aus
Auf den jeweiligen Webseiten zu den Shows ist die Absage noch nicht publik gemacht, dort hieß es am Mittwochnachmittag „Vorverkauf noch nicht gestartet“, beziehungsweise „Ausverkauft“, um die Funktion zum Ticketkauf zunächst zu deaktivieren. Doch anders, als der Hinweis suggeriert, ist die Nachfrage bei weitem nicht so hoch wie erhofft. Dennis Pfannmüller begründet die Absage mit dem schleppenden Absatz: Für die beiden Shows seien bislang jeweils 4000 Tickets verkauft worden. „6000 hätten wir gebraucht“, sagt er. 2022 hatten bei beiden Veranstaltungen zusammen rund 15000 Fans auf dem Volksfestplatz gefeiert.
Die Leute müssen insgesamt wegen der gestiegenen Kosten überall ein bisschen mehr bezahlen – und irgendwo sparen sie dann offensichtlich auch
Die Zurückhaltung der Menschen spürten auch andere Veranstalter, erzählt Pfannmüller. „Die Leute müssen insgesamt wegen der gestiegenen Kosten überall ein bisschen mehr bezahlen – und irgendwo sparen sie dann offensichtlich auch.“ In Berlin hat Pfannmüllers Firma die 90s Super Show am 20. Mai noch durchgezogen, 10000 Zuschauer seien dort dabei gewesen, „das war ganz okay“ – aber deutlich schlechter als 2022, als 13500 Fans Tickets gekauft hatten. Auch für die Show in Hamburg rechnet der Veranstalter mit einer befriedigenden Auslastung. In den ganz großen Städten mache sich die Kaufzurückhaltung allein wegen der Menge der potenziellen Zuschauer nicht ganz so krass bemerkbar – im relativ kleinen Hildesheim hingegen schon. „Das ist sehr schade, ich finde den Platz in Hildesheim toll und die Veranstaltungen 2022 sind sehr gut gelaufen, deswegen wollten wir ja auch unbedingt zurückkommen“, sagt Pfannmüller. Im HAZ-Interview hatte er im März sogar die Idee für eine ganze Festival-Woche skizziert, die er am liebsten auf dem Volksfestplatz organisieren würde.
Eventuell Nachholtermine 2024 – Tickets würden weiter gelten
Und so ganz hat er den Plan trotz des Rückschlags noch nicht angehakt. Er will jedenfalls versuchen, mit den beiden Shows 2024 nach Hildesheim zu kommen – sollte das klappen, behalten die jetzt bereits gekauften Karten ihre Gültigkeit, sichert Pfannmüller zu. Wer die Tickets aber zurückgeben will, der bekomme sein Geld zurück. Die Details kläre er in diesen Tagen, über das Verfahren sollen alle Käufer in Kürze per E-Mail informiert werden, kündigt er an.
Klaus Heitmann wäre offen für erneute Anfragen durch Pfannmüllers Firma. Allerdings würde er dann wohl auf eine frühere Vertragsunterzeichnung bestehen. Denn in diesem Jahr gab es bisher nur eine mündliche Absprache über die beiden Showtermine, bestätigt der Volksfestplatz-Vermieter. Nach der guten Erfahrung mit media.one im vergangenen Jahr habe ihm das zunächst keine Sorgen gemacht, als die endgültige Vertragsunterzeichnung sich aber zuletzt immer weiter hinauszögerte, habe er geahnt, dass der Deal womöglich platzen könnte.
Das ist für uns auch ein finanzielles Fiasko, wir hätten den Platz ja sonst auch anders vermieten können
„Das ist für uns auch ein finanzielles Fiasko, wir hätten den Platz ja sonst auch anders vermieten können“, sagt Heitmann. Dennoch ist der Prokurist weiter um ein gutes Verhältnis zu Pfannmüller bemüht: „Wir kommen gut miteinander aus.“ Gleichwohl müsse er mit dem Veranstalter über eine finanzielle Beteiligung sprechen, um den Mietausfall der Platz-Betreibergesellschaft zu kompensieren.
So sah es 2022 bei der Party in Hildesheim aus
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