Homeschooling oder Präsenzunterricht

Kommt nach Ostern die Schnelltestpflicht in Niedersachsens Schulen?

Hannover - Mit Schnelltests für Kinder und Lehrkräfte sollen die Schulen in Niedersachsen nach den Osterferien wieder mehr in Richtung Normalität kommen. Dann soll mehr Präsenzunterricht möglich sein. Doch was ist, wenn zu wenige bei den freiwilligen Tests mitmachen?

Kommt nach Ostern die Schnelltestpflicht in den Schulen? Foto: Chris Gossmann

Hannover - Noch haben die Schulen keinen genauen Überblick darüber, wie groß die Bereitschaft zu Schnelltests ist. Eine Gymnasiallehrerin aus Hannover sagte beispielsweise, dass an ihrer Schule bislang nur ein Drittel der Familien sich mit den Schnelltests einverstanden erklärt habe. Echte Schulöffnungen seien nur möglich, wenn alle mitmachten, sagen Schulleiter in Hannover.

Testen oder Homeoffice?

Doch was ist, wenn sich viele weigern? Kommt dann die Testpflicht oder werden Kinder und Lehrkräfte, die sich nicht testen und nicht impfen lassen, ins Homeoffice geschickt? Wie lässt sich das mit dem Recht auf Bildung vereinbaren? Es gilt bereits eine Impfpflicht in Schulen und Kitas – die per Gesetz verordnete Masernimpfpflicht, die zum März 2020 eingeführt wurde und nach einer langen Übergangsphase bis Ende Juli dokumentiert werden muss.

Streit gibt es darüber, wo die Schnelltests ab Klasse 5 stattfinden sollen. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) plant, dass die Schüler die Tests unter Anleitung der Lehrkräfte in der Schule machen. Die Pädagogen würden dabei den Kindern nicht zu nahe kommen, ein Gesundheitsrisiko bestehe nicht. Schutzkleidung oder professionelle Testteams seien nicht nötig. Dagegen haben Bildungsverbände massiv Protest erhoben.

Es gibt aber auch Eltern, denen es lieber wäre, wenn die Schnelltests zu Hause gemacht würden – allein schon, damit nicht jeder wisse, ob ein Kind Corona-positiv sei oder nicht. Die Grundschüler machen die Schnelltests ohnehin zu Hause. Tonne hatte erklärt, er sei für beide Varianten offen. Bei einer Entscheidung würden auch die Erfahrungen helfen, die man derzeit beim Probelauf in den Schulen mache.



Zwei Angebote in der Woche

Nach den Osterferien sollen alle Schülerinnen und Schüler sowie die Schulbeschäftigen zweimal in der Woche ein Testangebot bekommen. Kurios: Das Raumpflegepersonal zählt wohl nicht automatisch zu den Schulmitarbeitern und ist bislang von den Test- und Impfmöglichkeiten ausgeschlossen – anders als Hausmeister, Ganztagsbetreuer und Schulsekretärinnen.

Solllten sich nach den Osterferien nicht genügend Eltern bereit erklären, ihre Kinder zweimal pro Woche einen Corona-Schnelltest machen zu lassen, erwägt das Land möglicherweise eine Testpflicht. Unklar ist noch, ob man dabei nur Schüler und Schülerinnen oder auch die Schulbeschäftigten im Visier hat. Im Sozialausschuss sagte Jörg Mielke, der Chef der Staatskanzlei, man werde sich die Rücklaufquote der Einverständniserklärungen genau angucken und dann entscheiden. Nach einer intensiven Auswertung der Testwoche werde man Schlussfolgerungen ziehen, erklärte Sebastian Schumacher, Sprecher des Kultusministeriums. Das Land werde dann 11 Millionen Testkits ausgeben, sagte Tonne. Regelmäßige Schnelltests sind auch für die rund 80 000 Beschäftigten in den Kitas nach den Osterferien vorgesehen. Das Ministerium werde darüber mit den Kita-Trägern umgehend verhandeln, kündigte Tonne am Donnerstag in Hannover an. Für Kita-Kinder gebe es derzeit keine sicheren Schnelltests, heißt es vonseiten der Landesregierung.



Seit dieser Woche gehen nach monatelangem ausschließlichen Homeschooling alle Jahrgänge in Niedersachsen wieder in halbierten Lerngruppen in die Schule, wenn die Infektionslage es zulässt. Voraussetzung für die Öffnungen ist allerdings, dass der Inzidenzwert mindestens drei Tage durchgängig unter 100 liegt. Wenn in einem Kreis oder in einer Stadt der Inzidenzwert über der Marke von 100 liegt, müssen alle Schüler ins Homeschooling – mit Ausnahme der Grundschüler, der Abschlussjahrgänge und Kindern in Förderschulen für geistig behinderte Schüler, die bereits seit Januar wieder Wechselunterricht haben. Kitas können dann nur noch Notbetreuung mit einer Quote von 50 Prozent der Normalauslastung anbieten. Unabhängig vom Inzidenzwert kann aber Kindertagespflege in ganz kleinen Gruppen angeboten werden, bei Großtagespflege gelten die Vorgaben für Kitas.

Kita-Elternvertreter mahnen, dass Niedersachsen das einzige Land sei, das die Kitas derzeit in Hochinzidenzregionen geschlossen hält. Kleine Kinder bräuchten dringend Gleichaltrige nach den monatelangen Schließungen. Kultusminister Tonne sagte, die vergangenen Wochen hätten gezeigt, dass es gelungen sei, eine gute Balance zwischen Bildung, Betreuung und Infektionsschutz zu schaffen. Wo der Inzidenzwert niedrig sei, könnten mehr Angebote gemacht werden. Liege er höher, werde sofort auf Distanzlernen und Notbetreuung umgestellt.

Impfung für alle Lehrer

Nach den Osterferien bleibt der tägliche Betrieb in Schulen und Kitas demnach weitgehend so, wie er jetzt auch schon abläuft: Wenn es die Infektionslage zulässt, werden alle Schülerinnen und Schüler im Wechselmodell unterrichtet, und auch in Kitas gilt das Modell B mit festen Gruppen und ohne Betreuung in den Randzeiten. Kultusminister Tonne forderte, dass nicht nur Erzieher und Pädagogen an Grund- und Förderschulen, sondern auch die Lehrkräfte von Gymnasien, Gesamt-, Ober- und Realschulen so schnell wie möglich geimpft werden.



An die Erwachsenen appellierte der SPD-Politiker, die nächsten Wochen zu einer möglichst kontaktlosen Zeit zu machen, um das Infektionsgeschehen weiter einzudämmen. Weitgehend ungehört verhallen dagegen derzeit die erneuten Forderungen von Elternvertretern auf Landes-, Regional- und Stadtebene nach Lüftungsgeräten in den Klassenzimmern. Gründlich lüften über die Fenster reiche gegen die Aerosole, sagte eine Politikerin jüngst im Schulausschuss der Region, und jetzt im Frühling sei es draußen auch nicht mehr so kalt.

  • Hildesheim
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