Hildesheim - Für viele Menschen wirft das Gebäudeenergiegesetz, auch Heizungsgesetz genannt, Fragen auf: Wer gerade über die Anschaffung einer neuen Heizung nachdenkt, ist verunsichert, welche Variante die richtige ist. Wer überlegt, beim Heizen umzusteigen, ist mitunter unsicher, wo eigentlich wie in Zukunft geheizt werden kann – und ob das eigene Zuhause vielleicht in einem Bereich liegt, der an das Fernwärmenetz der EVI angeschlossen werden könnte.
Letzteres beschäftigt auch Bewohner der Keßlerstraße. In der Straße mit den kleinen Fachwerkhäusern ist aus Platzgründen eine Wärmepumpe oft keine Option. „Es gibt viele Leute, die gern Fernwärme bekommen würden“, sagt Ortsbürgermeister Tobias Eckardt. Der SPD-Politiker hat das Thema auf die Tagesordnung der Ortsratssitzung am nächsten Mittwoch gesetzt. „Es gibt da eine große Verunsicherung, wie man sich mit seiner Heizung in den nächsten Jahren aufstellt. Fernwärme ist eine sehr gute Möglichkeit.“
Fernwärme soll 40 Prozent des Bedarfs abdecken
Doch wo soll es die in Hildesheim geben? Antworten soll die kommunale Wärmeplanung liefern. Bis Mitte nächsten Jahres wollen der Energieversorger EVI und die Stadt die Grundlagen dafür erstellen. „Wir gehen das gemeinsam und abgestimmt an“, erklärte Wolfgang Birkenbusch, Technischer Geschäftsführer der EVI, dieser Tage im Stadtentwicklungsausschuss.
Der Energieversorger befasst sich dabei aber nicht nur mit dem Wärme-, sondern auch mit dem Stromnetz: Schließlich muss auch das an die künftigen Anforderungen angepasst werden. Und die EVI beschäftigt sich zudem mit der Zukunft des Gasnetzes – „wenn es da überhaupt eine Zukunft gibt“, wie Birkenbusch es formuliert. Die EVI rechnet mit einem Verbrauch von 5000 Gigawattstunden für Privathäuser in Hildesheim. Die Fernwärme soll davon 40 Prozent abdecken.
Alternativen für die Gebiete, die nicht am Netz sind
Läuft es nach aktuellem Plan, sollen große Teile der Stadtmitte/Neustadt und der Oststadt an das Netz angeschlossen werden, ebenso ein Teil der Nordstadt. Das bereits bestehende Netz in Drispenstedt soll erweitert werden. Außen vor bleiben nach aktuellem Stand unter anderem Stadtteile wie Himmelsthür, Bavenstedt und weite Teile des Hildesheimer Südens – für diese Gebiete will die EVI aber Alternativen anbieten, kündigt Birkenbusch an.
Für die Koordination der Wärmeplanung schafft die Stadt eine eigene Stelle. Die kann allerdings erst ausgeschrieben werden, wenn der Haushalt genehmigt ist, erklärte Baudezernentin Andrea Döring im Ausschuss.
Ortsbürgermeister: Zeitpunkt für Neustadt ideal
In der Keßlerstraße dürfte man derweil beruhigt sein, nach aktuellem Plan wäre die Straße ans Fernwärmenetz angebunden. Allerdings kann es auch einzelne Straßen im Netz geben, die nicht angeschlossen werden können. „Das wird sich im weiteren Verlauf klären“, sagt Birkenbusch auf HAZ-Anfrage. „Auch, in welcher Reihenfolge gearbeitet wird.“
Ortsbürgermeister Eckardt erhofft sich von Birkenbusch in der Ortsratsitzung am Mittwoch konkretere Angaben. Der Ortsbürgermeister fordert, die Baumaßnahmen für das Fernwärmenetz mit der geplanten Stadtteilsanierung in der Neustadt abzustimmen, um unnötige Baustellen für Anwohner und Anwohnerinnen zu vermeiden. „Gerade die Neustadt ist prädestiniert dafür, jetzt in den Ausbau zu gehen“, meint Eckardt.
Kommendes Jahr ist für die Umgestaltung des Stadtteils eine Bürgerbeteiligung geplant. Vor 2026, ist Eckardt sicher, „steht da kein Bagger. Man hat jetzt also den Vorlauf, den man braucht.“ Das sei die perfekte Chance, ein Stück weiterzukommen.

