Kreis Hildesheim - Die Haushaltslage des Landkreises Hildesheim hat sich gegenüber dem ursprünglichen Plan für das laufende Jahr deutlich verschlechtert: Wie berichtet rechnet die Kreisverwaltung jetzt damit, dass rund 50 Millionen Euro fehlen könnten – zunächst hatte sie das Defizit auf rund 32 Millionen Euro geschätzt. Das ausufernde Haushaltsloch liegt an steigenden Kosten in verschiedenen Bereichen. Die Ausgaben für Hilfen zur Erziehung stehen als einer der größten Brocken des Kreishaushaltes seit dem vergangenen Jahr besonders im Fokus. Sie sind von 2022 zu 2023 erneut um rund 3,7 Millionen Euro auf jetzt fast 54 Millionen Euro gestiegen.
Das geht aus dem Jahresbericht hervor, den das Jugendamt nun veröffentlicht hat. Die Hilfen zur Erziehung reichen von sozialpädagogischer Begleitung von Familien über eine teilstationäre Tagesbetreuung von Kindern und Jugendlichen bis hin zur stationären Unterbringung in Pflegefamilien oder Heimen. Der Landkreis beschäftigt für die Erziehungshilfe 108 Fachkräfte im Bereich der Sozialpädagogik und 46 für Verwaltungsaufgaben.
Weniger Fälle, höhere Kosten
Um die Kosten besser in den Griff zu bekommen, hat der Kreistag im vergangenen Dezember 70.000 Euro für eine externe Analyse bewilligt. Im Frühjahr wurde dann noch beschlossen, zu dem Thema einen Arbeitskreis zu bilden und Träger von Jugendhilfeeinrichtungen aus der Region einzubeziehen. Ergebnisse stehen noch aus, vorerst galoppieren die Kosten weiter davon. Dabei ist die Zahl der Fälle 2023 gegenüber dem Vorjahr sogar gesunken, nämlich von 2819 auf 2632. Das sind 6,6 Prozent weniger. Trotzdem sind die Kosten um 7,4 Prozent geklettert.
Damit setzt sich der Trend der vergangenen Jahre fort: Die jährlichen Gesamtkosten sind im Verlauf der vergangenen fünf Jahre von rund 42 Millionen im Jahr 2019 auf jetzt fast 54 Millionen Euro angewachsen, die durchschnittlichen Kosten für den Einzelfall im gleichen Zeitraum von 7.562 auf 10.072 Euro. Die sind schwer kalkulierbar – es kann immer mal vorkommen, dass schwere Fälle, auch Systemsprenger genannt, allein mit mehr als einer halben Million Euro zu Buche schlagen.
Stationäre Unterbringung besonders teuer
Besonders teuer sind stationäre Betreuungen, sie kosten im Durchschnitt knapp 41.000 Euro. Sie sollen möglichst vermieden werden – nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern auch, um Kinder und Jugendliche nicht komplett aus ihren Familien herauszunehmen. Laut Jahresbericht ist allerdings die Zahl der ambulanten und teilstationären Betreuungen erstmals seit einigen Jahren wieder gesunken: von 1.948 auf 1.747 Fälle. Auf der anderen Seite gab es mehr stationäre Unterbringungen: 885, im Vorjahr waren es 871.
