Hildesheim - „Ihr Name ist Sonja“ steht auf einem Zettel, den der Besitzer oder die Besitzerin geschrieben hat. Dieses Blatt Papier lag am vergangenen Mittwoch neben einer Französischen Bulldogge, die am Zaun des Tierheimes festgebunden und ausgesetzt wurde. Eine Frau, die Spenden im Tierheim abgeben wollte, entdeckte den Hund, der in einiger Entfernung vom Eingang saß.
„Sie ist sehr krank“
Sonja hatte einen Kragen um, damit sie sich nicht an den stark entzündeten Ohren kratzen konnte. Außerdem, so Tierheimleiterin Sabine Witte, ist die Hündin sehr dünn. Offenbar veranlasste der körperlich insgesamt schlechte Zustand die Besitzer, sich des Tieres zu entledigen. „Sie ist sehr krank. Die Ärzte wollten nicht helfen“, steht in sauberer Schrift auf dem DIN-A-4-Blatt. Außerdem der Hinweis, dass die Hündin knapp zwei Jahre alt ist und weder Trockenfutter noch Hähnchenfleisch verträgt.
Rassespezifische Probleme
Im Tierheim nahmen sich die Mitarbeiter des Hundes an. Festgestellt wurden allergiebedingte Hautprobleme, eine starke Entzündung der Ohren und eben das Untergewicht. „Sonja ist ein ganz liebes Mädchen“, sagt Tierheimleiterin Witte. Die gesundheitlichen Probleme, so die Fachfrau, seien rassespezifisch. Immer öfter werden aktuell Haustiere abgegeben, weil die Eigentümer die Tierarztkosten nicht stemmen können. Im vergangenen November war die neue Tierarztgebührenordnung in Kraft getreten. Darin ist die bundesweit gültige Vergütung von tierärztlichen Leistungen festgelegt. Die neuen Gebühren sind deutlich erhöht worden, hinzu kommt, dass für tierärztliche Notfälle seit 2020 eine Gebühr von 50 Euro fällig wird. Die Kosten übersteigen offenbar die Möglichkeiten zahlreicher Tierbesitzer.
Tierarztkosten überfordern Eigentümer
„Bei uns melden sich auch viele Tierhalter, um zu fragen, ob wir die Tierarztkosten übernehmen können“, sagt Sabine Witte. Doch das könne der Tierschutz nicht. „Viele Tierärzte bieten mittlerweile Ratenzahlung an“, erklärt die Tierheimchefin. Verzweifelte Besitzer sollten sich auf jeden Fall mit dem Tierheim in Verbindung setzen, statt ihren Schützling einfach auszusetzen. „Wir versuchen dann gemeinsam eine Lösung zu finden“, erklärt Witte.
Das Tierheim an der Mastbergstraße betreut derzeit 26 Hunde, damit sind alle Plätze belegt. Lediglich der Platz in der Notfallbox der Feuerwehr ist frei. In den vergangenen Tagen hat das Tierheim drei neue Hunde aufgenommen. „Das ist ein normaler Schnitt“, erklärt Sabine Witte. Eine Häufung ausgesetzter Hunde gebe es nicht – wohl aber immer wieder den Wunsch, Vierbeiner abzugeben.
Noch keine Vermittlungsanfragen
Wer Sonja ein dauerhaftes Zuhause geben möchte, muss sich noch gedulden. Denn für Anfragen ist es noch zu früh. Die junge Hündin muss erst gesund werden, bevor sie vermittelt werden kann.
