Neue Gebühren

Tierarztbesuch im Landkreis Hildesheim wird teurer: Bei Tierschutzvereinen wächst die Sorge

Sarstedt/Kreis Hildesheim - In wenigen Wochen tritt eine neue Gebührenverordnung für Tierärzte in Kraft. Bei Tierschutzorganisationen wächst die Sorge, dass für viele Halter der Tierarztbesuch zu teuer wird.

Für Besitzer und Besitzerinnen von Hunden, Katzen und anderen Haustieren wird der Besuch in der Tierarztpraxis bald teurer. Ab Mitte November gelten neue Preise. Foto: Julia Moras

Sarstedt/Kreis Hildesheim - In knapp vier Wochen tritt die neue Gebührenverordnung für Tierarztbesuche in Kraft. Das bedeutet für Tierbesitzer und -besitzerinnen, sie müssen künftig mehr für den Praxisbesuch bezahlen. Nun steigt die Sorge, dass manche sich den Tierarztbesuch für ihre Haustiere nicht mehr leisten können.

„Es ist durchaus möglich, dass es Menschen gibt, die durch die Kostenerhöhung seltener zum Tierarzt gehen“, sagt Madeline Hoefs. Sie arbeitet als Tierarzthelferin in der Sarstedter Kleintierpraxis Stärk. „Tiere sind eben Luxusgüter.“ Sie rechnet aber damit, dass die meisten „das Geld trotzdem in die Hand nehmen, um ihr Tier zu versorgen.“

Tierarztbehandlung kann auch finanziert werden

Dass es demnächst teurer wird, sprechen sie ganz offen mit den Kunden und Kundinnen an, fährt sie fort. „Gerade wenn größere Operationen anstehen, weisen wir auf die höheren Kosten hin, und erklären auch die Gründe“, sagt sie. „Aber die meisten Besitzer wissen das schon.“ Die Praxis arbeitet außerdem mit einem Kreditinstitut zusammen – wenn es mal eng wird, kann eine Behandlung notfalls darüber finanziert werden, so die Tierarzthelferin.

Auch in der Praxis von Eva-Maria von Wick ist die Preiserhöhung längst Thema. „Es hat sich mittlerweile rumgesprochen“, sagt sie – und rechnet damit, dass weniger Menschen ihre Tiere zum Tierarzt bringen werden. „Es geht nicht anders als mit der Kostenerhöhung, weil wir die Kosten anders nicht mehr tragen können“, sagt die Tierärztin. „Die Kosten für die Medikamente sind exorbitant angestiegen. Es ist leider nicht zu ändern.“ Abhilfe schaffen kann eine Krankenversicherung für beispielsweise Hunde – die müsse laut von Wick aber abgeschlossen werden, wenn das Tier noch jung ist.

Auch Tierschutzvereine betroffen

Neben Privatpersonen sind es Tierschutzvereine, die durch die steigenden Kosten in Bedrängnis geraten können. Tierschutzvereine sind meist gemeinnützig, müssen viele Tiere versorgen und sind auf Spenden angewiesen. Christine Rostock, Vorsitzende des Tierschutzvereins Alfeld, befürchtet, dass es Besitzer und Besitzerinnen geben wird, die sich nicht einmal mehr die Standardbehandlungen leisten können und ihre Tiere dann medizinisch nicht versorgen lassen oder abgeben. Zwar, so betont Rostock, wisse jeder vernünftige Tierhalter, wie teuer eine Tierarztbehandlung werden könne und lege deshalb Geld beiseite.

Doch die Belastung in Kombination mit der Inflation und den gestiegenen Gas- und Strompreisen werde für viele sicher schwer zu meistern sein. „Ich frage mich, woher soll denn das Geld kommen?“, sagt sie. Dabei haben die Tierschutzorganisationen schon viel mit den sogenannten „Corona-Rückläufern zu tun – das sind vor allem Hunde und Katzen, die während der Homeoffice-Pflicht angeschafft wurden und für die die Besitzer jetzt keine Zeit mehr haben. Die Tierheime in Hildesheim und Holzminden seien voll davon, sagt Rostock.

50 bis 70 Prozent Mehrkosten

Anja Beschorner-Schulze ist stellvertretende Leiterin und Tierärztin des Hildesheimer Tierheims, hat daneben aber auch noch eine eigene Kleintierpraxis. Viele Behandlungen, die bei den Tierheimbewohnern anstehen, kann Beschorner-Schulze selbst übernehmen, aber für Röntgen-Aufnahmen oder Operationen am Knochen muss auch das Tierheim Hildesheim externe Tierärzte hinzuziehen. „Insgesamt werden wir mindestens 50 bis 70 Prozent Mehrkosten an Tierarztkosten haben“, schätzt sie. Beschorner-Schulze habe in den vergangen Jahren bereits mehrfach Tiere in „extrem schlechten Zuständen“ gesehen und sie fürchtet, dass solche Fälle nun zunehmen werden.

Von Julia Haller und Nora Garben


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