Geplante neue Corona-Verordnung

Keine Öffnung für Freibäder: Hildesheimer Jo-Bad-Chef Mehler vom Land „brutal enttäuscht“

Hildesheim - Das Land plant Lockerungen für Tourismus, Einzelhandel und Gastronomie. Freibäder dagegen dürfen vorläufig nicht öffnen – zum Verdruss von Jo-Bad-Chef Matthias Mehler.

Matthias Mehler muss noch warten, bis er wieder Gäste im Jo-Bad empfangen kann – dieses Foto stammt aus der vergangenen Saison. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Es verging zuletzt kein Tag, an dem er diese Frage nicht gehört hat: Ob das Jo-Bad wirklich wie geplant am 16. Mai öffne, wollten Bürgerinnen und Bürger von Matthias Mehler wissen. Bislang musste der Bad-Betreiber stets mit den Achseln zucken. „Ich wusste es doch selbst nicht.“

Seit Dienstagabend kennt der Unternehmer die Antwort: Er darf zum 16. Mai nicht aufmachen. „Ich bin brutal enttäuscht“, sagt Mehler – und zwar ganz konkret von der Landesregierung.

Als Weil nichts zu den Bädern sagte, schwante Mehler Böses

Gespannt hatte er am Nachmittag die Pressekonferenz von Ministerpräsident Stephan Weil zur nächsten Corona-Verordnung des Landes verfolgt, die Ankündigungen des SPD-Politikers zu Lockerungen in Tourismus, Gastronomie und Handel vernommen. Doch zu Freibädern verlor Weil kein Wort: „Da wusste ich, das wird nichts“, erklärt Mehler.



Eine Rücksprache per Handy-Kurznachrichten mit der Hildesheimer CDU-Landtagsabgeordneten Laura Hopmann verschaffte dem Unternehmer Gewissheit. Sie erkundigte sich beim CDU-Fraktionsvorstand in Hannover – und erfuhr: Im Koalitionsausschuss – der in Sachen Corona aus Weil und Fraktionschefin Johanne Modder auf der SPD-Seite und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann und Fraktionschef Dirk Toepffer auf der CDU-Seite besteht – , gab es keine Mehrheit dafür, die Freibäder zu öffnen.

Landtagsabgeordnete wundert sich: Ministerin war doch dafür

Dabei habe ihr Sozialministerin Daniela Behrens (SPD) noch am Freitag gesagt, sie sei auch dafür, die Bäder zu öffnen, berichtet Hopmann. Sie verstehe auch nicht, warum das angesichts der guten Erfahrungen aus der vergangenen Badesaison nicht möglich sein soll, sagt die CDU-Politikerin: „Die Bäder in der Region Hildesheim, die ich besucht habe, hatten das prima organisiert – nicht nur das Jo-Bad.“

Kinder und Jugendliche litten, durch die Pandemie noch verstärkt, unter Bewegungsmangel, sagt Hopmann. Schwimmen finde zudem unter freiem Himmel statt – wo sich die Aerosole verflüchtigten, das Infektionsrisiko gering sei. Zudem sei es für die Freibäder auch aus finanziellen Gründen wichtig zu starten.

„Ich stehe im Wort bei den Gästen“

Tatsächlich erlebte Mehler 2020 die schlechteste Saison, seitdem er das Jo-Bad vor neun Jahren übernommen hat. Doch es gehe ihm gar nicht um wirtschaftliche Aspekte. „Ich stehe im Wort bei den Gästen, ich möchte das Bad einfach öffnen dürfen.“



Warum das Land das nicht erlaube, könne er nicht nachvollziehen. So seien die meisten der bis zu 300 Frühschwimmer, die regelmäßig kämen, über 70 Jahre alt. „Ich gehe davon aus, dass sie geimpft sind“, sagt Mehler. Die Wassersportler könnten nicht trainieren, Kinder kein Schwimmen lernen. „Wir planen Kurse – wenn wir denn dann öffnen können.“

Was sagt das Ministerium? Das hüllt sich noch in Schweigen

Rein technisch wäre er dazu am 16. Mai wie geplant in der Lage, versichert der Unternehmer: Seit Montag läuft Wasser in das Schwimmerbecken, in den nächsten zehn Tagen sollen alle Anlagen auf dem Gelände mit dann zusammen drei Millionen Litern gefüllt sein. Sie werde das Thema Freibad-Öffnung auch am Donnerstag im Sozialausschuss des Landtages noch einmal ansprechen, kündigt Hopmann an. Doch sie glaube nicht, dass das Land die neue Corona-Verordnung bis zum Inkrafttreten am Montag noch in dem Punkt ändern werde. Es gebe aber Signale, dass die Bäder-Öffnung dann bei der nächsten Verordnung in etwa zwei Wochen aufgenommen werde.

Das Land ließ am Mittwoch auf HAZ-Anfrage offen, ob sich bis Montag noch etwas tut. Die Verordnung werde gerade von der Staatskanzlei erstellt sagte Sozialministeriums-Sprecher Manfred Böling am Mittwoch der HAZ, vorher könne man zu Details keine Auskünfte geben. „Wir müssen abwarten, was in der Verordnung geregelt ist.

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