Kreis Hildesheim - Die Debatte um die Zukunft der sanierungsbedürftigen Hildesheimer Berufsschulen wird schärfer. Nun hat Ute Rahlves, Leiterin der an der Steuerwalder Straße untergebrachten Walter-Gropius-Schule, im Kreis-Schulausschuss Alarm geschlagen und ein dramatisches Bild der aktuellen Lernumstände gezeichnet. FDP und Unabhängige bekräftigen ihre Forderung, noch vor dem Sommer die Standortfrage zu klären.
Rohrbrüche fast wöchentlich, Akustik „katastrophal“
Rahlves kritisierte, seit Abschluss der Planungsphase 0 vor einem Jahr habe es keine Fortschritte mehr gegeben. Der Zustand des Gebäudes an der Steuerwalder Straße werde allmählich zu einer „gesundheitlichen Gefahr“ für die Nutzerinnen und Nutzer. Einschränkungen gebe es für die Walter-Gropius- und Herman-Nohl-Schule nicht nur durch die kaputte Heizung. „Rohrbrüche gibt es fast wöchentlich“, berichtet die Schulleiterin im Ausschuss. Die laufende Schadstoffsanierung an Raumdecken habe Nebenwirkungen: „Durch die Deckenplatten entweicht viel Wärme“, sagt Rahlves, „es ist zugig.“ Die Akustik sei zudem „katastrophal“: Jedes einzelne Wort sei im Nebenraum zu hören, vertrauliche Gespräche seien überhaupt nicht möglich. Fachpraxisräume seien marode, zum Beispiel ein Raum für die Friseurausbildung: „Da haben wir ständig Angst, dass die Spiegel herunterkommen.“ Das Fazit von Rahlves: „Es ist nicht fünf Minuten vor zwölf, es ist fünf nach zwölf.“ Dadurch wachse die Gefahr, dass sich Betriebe und Auszubildende nach besser ausgestatteten Berufsschulen umschauen. Die gebe es zum Beispiel in Hannover.
Dezernent Hansen: Wichtig für den Wirtschaftsstandort
Dezernent Walter Hansen betonte, wie wichtig die Berufsschulen für den Wirtschaftsstandort seien, für den Landkreis „und die Stadt Hildesheim“, wie er angesichts des Zögerns der Stadt betonte, dem Kreis als Schulträger das gewünschte Grundstück an der Von-Thünen-Straße im Stadtfeld zu verkaufen. Am Tag zuvor hatte Andreas Koschorrek (CDU) im Kreisentwicklungsausschuss angezweifelt, ob die Stadt wirklich Interesse am Hildesheimer Bildungsstandort habe. Von den acht Alternativ-Standorten, die sie vorgeschlagen habe, seien mindestens fünf nicht viel mehr als „Nebelkerzen“ gewesen.
Dezernent Hansen warb in beiden Fachausschüssen darum, zunächst weiter mit der Stadt über die Von-Thünen-Straße zu verhandeln. Denn der Standort dort biete alle Möglichkeiten, das in der Phase 0 entwickelte Raumprogramm optimal umzusetzen. Wenn die Verhandlungen über Plan A tatsächlich scheitern sollten, müsse man im Dialog mit den betroffenen Schulen über Plan B oder C nachdenken.
Bertram sieht Landrat Lynack in der Pflicht
„Das wäre aber auf jeden Fall mit Abstrichen an der Qualität verbunden“, gab der Dezernent zu bedenken. Der Punkt, das in Kauf zu nehmen, sei aus seiner Sicht noch nicht erreicht. Der Antrag der FDP und der Unabhängigen, spätestens in der Juni-Sitzung des Kreistages über die Standortfrage zu entscheiden, bringe keinen Fortschritt, ergänzte Hansen: „Es reicht nicht, nur zu beschließen, etwas zu beschließen. Wir brauchen eine konkrete Lösung.“
Auf Nachfrage von Tilman Diepholz-Seeger, dem Leiter der Werner-von-Siemens-Schule, bestätigte Hansen, dass der Kreis weitere Architekten-Leistungen für die Planung der Sanierung des bestehenden Berufsschulzentrums ausgeschrieben habe. Das empörte Ute Bertram (CDU): „Es kann nicht sein, dass wir davon hier durch eine Nachfrage eines Schulleiters erfahren.“ Die Berufsschulen stünden kurz vor dem Kollaps, sagte sie. In dieser Lage sei auch Landrat Bernd Lynack gefragt, sich „an die Spitze der Bewegung zu stellen“.
Schmidt: „Wir haben noch nichts anderes, das so weit gereift ist“
Siegfried Schmidt (SPD) meinte zum Ringen um die Von-Thünen-Straße: „Wenn die Stadt bei ihrer Verweigerungshaltung bleibt, müssen wir notfalls ausweichen. Aber wir haben noch nichts anderes, das so weit gereift ist.“ Auf Antrag von Holger Schröter-Mallohn (Grüne) wurde die Debatte schließlich beendet – was Josef Stuke von den Unabhängigen ärgerte: „Das ist so ein wichtiges Thema. Da muss es möglich sein, in dieser Runde alle Fragen zu klären.“
