Abschied vom Gelben Sack

Manche kostet sie Millionen: So reagieren Hildesheims größte Vermieter auf die Gelbe Tonne

Hildesheim - Die großen Wohnungsbau-Gesellschaften in Stadt und Landkreis bewerten den Wechsel bei der Entsorgung hin zur Gelben Tonne unterschiedlich. Für die größte Kritik sorgt dabei aber nicht die Platzfrage.

Die 1100-Liter-Tonne ist für viele Mehrfamilienhäuser der Behälter der Wahl - und braucht viel Platz. Das wurde im Sommer bei einer Präsentation mit Dennis Münter, Egbert Homeister und Jens Krüger (von links) beim ZAH deutlich. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Die Einführung der Gelben Tonne in Stadt und Landkreis Hildesheim mit Beginn des nächsten Jahres stellt vor allem die großen Wohnungsbau-Unternehmen teilweise vor Probleme. Massive Proteste gegen den Systemwechsel wie in Hannover gibt es zwar nicht. Doch zumindest ein großer Hildesheimer Vermieter sieht sich zu Investitionen in Millionenhöhe gezwungen.

„Wir müssen bei unseren insgesamt 580 Häusern rund 250 Stellplätze anpassen“, sagt Wolfgang Dressler, Geschäftsführer des Beamtenwohnungsvereins (BWV). Das sei eine Mammutaufgabe. Es gehe darum, bestehende Boxen und Einfassungen zu erweitern, zum Teil auch neu zu pflastern. Jede Menge kleine Baustellen also, die sich zu einer Investition im siebenstelligen Bereich summieren.

Mehr Zeit gewünscht

Dressler rechnet damit, dass es zwei Jahre dauert, bis alles umgebaut ist. Das Thema genieße im Unternehmen eine hohe Priorität. Es gebe einen Mitarbeiter, der sich ausschließlich darum kümmere und dem ein Team weiterer Beschäftigter zur Seite stehe. Auch eine eigene E-Mail-Adresse zur Gelben Tonnen hat der BWV für seine Mieterinnen und Mieter eingerichtet. Deren Hauptsorge bisher: Ob die Tonnen genug Kapazität haben werden.

Was Dressler stört, ist der eher geringe Zeitraum von der Bekanntgabe der Einführung bis zur Umsetzung. „Das war ja ein Hin und Her, bis es dann hieß: Die Gelbe Tonne kommt doch“, sagt er mit Blick auf die Verhandlungen um die künftige Entsorgung des Verpackungsmülls im Frühjahr. „Bei so einer Vielzahl von Objekten, wie wir sie haben, ist der Vorlauf entscheidend.“ Grundsätzlich kann er dem Systemwechsel aber einiges abgewinnen: „Mit den Gelben Säcken in der Stadt ist das auch nicht so toll.“

Alle vier Wochen – zu selten?

Auch die Baugesellschaft gbg plant, vor einigen ihrer Mehrfamilienhäuser zusätzliche Flächen zu pflastern, um Platz für die zusätzlichen Tonnen zu schaffen. In einigen Häusern sei es auch möglich, die Behälter in den Kellern unterzubringen, erklärte das Unternehmen auf HAZ-Anfrage. Für Bauchschmerzen sorgt bei der gbg ein anderer Aspekt: Sie beklagt vor allem, dass die Gelben Tonnen nur alle vier Wochen geleert werden, während die gelben Säcke in den vergangenen Jahren alle zwei Wochen abgeholt wurden: „Die Situation würde sich deutlich entspannen, weil wir nur die Hälfte der Kapazitäten bräuchten, wenn die Gelben Tonnen wie bisher alle 14 Tage geleert werden.“

Der wieder längere Abholrhythmus war ein Kompromiss, den der ZAH mit den Systemanbietern einging, um überhaupt die Gelbe Tonne einführen zu können. Einer Leerung alle zwei Wochen hatten sich die Anbieter aus Kostengründen verweigert und dagegen geklagt. Auf die Gelbe Tonne zu verzichten, sei aber kein Thema gewesen, versichert die gbg. „Dann gäbe es mehr kostenpflichtigen Restmüll, und wir müssten die Kosten auf die Mieterinnen und Mieter umlegen.“

kwg begrüßt Wechsel

Der ZAH wies allerdings in dieser Woche darauf hin, dass es rechtlich nicht gestattet ist, Verpackungsmüll im Hausmüll zu entsorgen. Wer dafür keine Säcke – oder bald die Tonne – hat, muss seinen Verpackungsmüll streng genommen zum Wertstoffhof bringen.

Deutlich entspannter sieht die Kreiswohnbaugesellschaft kwg die Gelbe Tonne. Zum einen, weil sie sie „gerade mit Blick auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit sehr begrüßt“, wie Sprecherin Judith Reichardt betont. Die kwg sehe „große Chancen, die Müllentsorgung mittels der Tonnen sauberer zu gestalten und vor allem auch Verschmutzungen der Grundstücke und des öffentlichen Raums entgegen zu wirken“.



Im Landkreis mehr Platz

Hinzu kommt, dass die kwg vor allem im Landkreis Mehrfamilienhäuser unterhält. Dort böten die Grundstücke meist ausreichend Platz, sagt Reichardt. Allerdings sehe auch ihr Unternehmen die Rückkehr zum vierwöchigen Abholrhythmus „mit Skepsis“. Grundsätzlich aber betrachte die kwg die Gelbe Tonne als „großen Gewinn für Mieter, Häuser und Umwelt“.


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