Kreis Hildesheim - Die ersten Gelben Tonnen sind da: Am Montag hat die Auslieferung der neuen Abfallbehälter in Stadt und Landkreis Hildesheim begonnen. In der Kreisstadt wurden die ersten 240-Liter-Tonnen – tatsächlich handelt es sich um schwarze Behälter mit gelben Deckeln – unter anderem im Stadtfeld und in Bavenstedt vor die Häuser gestellt. Im Landkreis startete die Verteilung unter anderem im Sarstedter Ortsteil Heisede.
Der Wechsel vom Gelben Sack zur Gelben Tonne zum kommenden Jahreswechsel sorgt bei den Bürgerinnen und Bürgern in Stadt und Landkreis seit Monaten für intensive Debatten. Zugleich gibt es viele Fragen – vor allem jetzt, da die viel diskutierten Behälter für Verpackungsmüll nicht mehr nur angekündigt sind, sondern tatsächlich vor den Türen auftauchen. Und zwar sogar früher als ursprünglich erwartet: Als der Beschluss zur Einführung im Frühjahr fiel, hatte der Zweckverband Abfallwirtschaft Hildesheim (ZAH) noch eine Verteilung im Januar avisiert, nun wurden die Behälter schneller geliefert als vermutet.
Wie werden die Tonnen verteilt?
Am Montag hat die Auslieferung der 240-Liter-Tonnen in Hildesheim und in Sarstedt begonnen. Im Dezember startet die Verteilung der größeren 1100-Liter-Tonnen. Einen zentralen Plan, wann in welchen Orten die Behälter ankommen, gibt es aber nicht. Der Grund: In der Stadt Hildesheim hat die Firma RMG den Zuschlag für die Abfuhr der Gelben Tonnen in den nächsten drei Jahren bekommen, im restlichen Kreisgebiet die Firma Remondis. Sie sind jeweils dafür zuständig, die Tonnen zu beschaffen und zu verteilen, lassen letzteres aber wiederum von Subunternehmen erledigen.
Bis spätestens Ende des Jahres, vielleicht auch schon Mitte Dezember sollen alle bis Anfang Oktober bestellten Gelben Tonnen ausgeliefert werden
Der ZAH selbst ist dabei nicht direkt involviert, Geschäftsführer Jens Krüger weiß aber: „Bis spätestens Ende des Jahres, vielleicht auch schon Mitte Dezember sollen alle bis Anfang Oktober bestellten Gelben Tonnen ausgeliefert werden.“
Welche Gelben Tonnen gibt es?
Das „normale“ Modell für Einfamilienhäuser fasst 240 Liter. Zudem gibt es einen großen Container mit 1100 Litern. Der ZAH empfiehlt Haushalten das kleinere Modell, es kann aber auch jeder Einfamilienhaus-Besitzer die große Tonne bestellen. „In begründeten Ausnahmefällen“, etwa bei Platz-oder Transportproblemen, können Haushalte auch eine 120-Liter-Tonne ordern.
Wie viel passt da rein?
In die Standard-Tonne passt nach Erhebungen aus dem Landkreis Aurich der Inhalt von etwa fünf bis sechs Gelben Säcken. Der große Behälter hat demnach die Kapazität von rund 25 Gelben Säcken.
Wie viele Tonnen wurden bereits bestellt?
Mehrere zehntausend Tonnen in Stadt und Landkreis wurden bereits bestellt und werden ausgeliefert. Absolute Zahlen gab es am Montag nicht. Zuletzt sprach der ZAH allerdings davon, dass 80 Prozent der Hausbesitzer eine bestellt hätten. Das umfasst neben den Besitzern von Ein- oder Zweifamilienhäusern aber auch Eigentümer von Mehrfamilienhäusern bis hin zu den großen Wohnungsbaugesellschaften.
Ab wann werden die Gelben Tonnen geleert und wie oft?
Die Gelben Tonnen werden vom 2. Januar an geleert, nicht vorher. Ein genauer Abfuhrplan folgt. Der große Unterschied: Die Gelben Säcke wurden in Stadt und Landkreis Hildesheim seit wenigen Jahren alle zwei statt wie zuvor alle vier Wochen abgeholt. Die Gelben Tonnen werden nun wieder alle vier Wochen geleert.
Kann man auch jetzt noch Gelbe Tonnen bestellen?
Das ist über die Internetseite des ZAH auch weiterhin möglich. Tonnen, die nach dem 1. Oktober geordert wurden oder in den nächsten Tagen und Wochen bestellt werden, sollen im Januar und Februar nächsten Jahres vor den betreffenden Häusern ankommen.
Wie lange darf man die Gelben Säcke noch nutzen?
Für eine Übergangszeit zu Beginn des neuen Jahres sammelt der ZAH auch noch Gelbe Säcke ein – unter anderem mit Rücksicht auf Haushalte, die die Gelben Tonnen später bestellt haben und sie erst im Januar oder Februar erhalten. Wann genau die geplante „Karenzzeit“ für die Gelben Säcke endet, hängt auch davon ab, wann die später georderten Gelben Tonnen komplett verteilt sind. Länger als bis Ende Februar oder Anfang März dürfte es aber kaum gehen.
Und wenn der Vermieter keine Gelbe Tonne bestellt?
Abfall, der eigentlich in den Gelben Sack gehört, über den Hausmüll entsorgen, ist rein rechtlich verboten. Grundsätzlich müssten Betroffene ihren Verpackungsmüll dann zum Wertstoffhof bringen.
Kostet die Umstellung die Bürgerinnen und Bürger Geld?
Nein. Die Kosten für den Gelben Sack bezahlt man bereits beim Kauf von Waren mit Verpackung, ein geringer Anteil des Preises fließt an das Duale System. So ist es auch bei der Gelben Tonne. Dabei ist die Größe des Behälters egal, so wie bislang die Anzahl der gelben Säcke unerheblich ist.
Welche Argumente sprechen für die Umstellung?
Befürworter führen ins Feld, dass die Tonne umweltfreundlicher ist als die Ausgabe von 12 Millionen Gelben Säcken im Jahr, zumal viele davon zweckentfremdet werden. Auch reißen die Säcke öfter, und der Inhalt lässt sich nicht so gut zusammenpressen. Beklagt wird zudem, dass die Gelben Säcke Ratten anlocken und dass sie, wenn es windig ist, vor der Abholung durch die Gegend fliegen.
Was spricht dagegen?
Kritiker monieren vor allem, dass die zusätzliche Tonne mehr Platz vor dem Haus wegnimmt. Vereinzelt haben Bürgerinnen und Bürger angekündigt, zwar die Gelbe Tonne zu bestellen, dafür aber die Altpapiertonne aufzugeben.
Wo sollen die großen Tonnen eigentlich hin? Sollen die alle auf der Straße stehen?
In Hannover, wo ebenfalls zum Jahreswechsel umgestellt wird, gibt es zudem Ärger um die 1100-Tonne für Mehrfamilienhäuser: Besitzer und Eigentümer-Gemeinschaften klagen, für die Behälter sei schlicht kein Platz vor dem Haus. „Wo sollen die großen Tonnen eigentlich hin? Sollen die alle auf der Straße stehen?“, fragte jetzt der Hannoveraner Haus & Grund-Chef Rainer Beckmann. Mieter und Grundstückseigentümer stelle die Umstellung auf Tonnenabfuhr vor große Schwierigkeiten. In Hildesheim kam dieser Kritikpunkt bisher noch nicht auf.
Welche Rolle spielt der ZAH?
Der ZAH entsorgt bislang die Gelben Säcke und leert künftig die Gelben Tonnen – beides allerdings als Subunternehmer. Dabei gibt es durchaus eine Veränderung: Bisher ist die Firma Remondis in Stadt und Landkreis für die Säcke zuständig und hat den ZAH mit deren Abfuhr beauftragt. Bei der neuen Ausschreibung für die Jahre 2023 bis 2025 bekam Remondis erneut den Zuschlag für das Kreisgebiet. In der Stadt verlor das Unternehmen den Auftrag allerdings an die Konkurrenzfirma RMG.
Somit bleiben wir der zentrale Ansprechpartner für die Bürger
Der ZAH ist allerdings auf RMG zugegangen und hat sich nun auch mit dieser Firma darauf geeinigt, als Subunternehmer die Gelben Tonnen in der Stadt Hildesheim zu leeren: „Somit bleiben wir der zentrale Ansprechpartner für die Bürger, aus deren Sicht weiter alles aus einer Hand erfolgt – darüber bin ich sehr erleichtert“, sagt ZAH-Geschäftsführer Jens Krüger.
Kostet die Umstellung Arbeitsplätze beim ZAH?
Nein. Der ZAH setzt zwar aufgrund des Wechsels von der zwei- zur vierwöchigen Abholung weniger Fahrzeuge und weniger Personal ein. „Dadurch werden Kosten eingespart, das war ja auch eine der Bedingungen dafür, dass die Systemanbieter ihre Klage gegen die Einführung der Gelben Tonne zurückgezogen haben“, sagt Krüger mit Blick auf das Hin und Her um den Wechsel. Der ZAH könne aber alle Beschäftigten weiterhin sehr gut gebrauchen: „Ich bin froh, dass wir unsere Leute haben, es gibt genug zu tun.“ Ein Personalabbau sei überhaupt kein Thema.
Braucht der ZAH wegen der Umstellung neue Fahrzeuge?
Nein. Aber der Zweckverband muss einige seiner bestehenden Müllfahrzeuge etwas umbauen lassen. Dort werden sogenannte Lifter angebaut, die die Tonnen anheben und kippen. Bislang werfen die Beschäftigten die Gelben Säcke einfach in die Wagen. Durch die Umstellung vom Zwei- auf den Vier-Wochen-Rhythmus braucht der ZAH allerdings etwas weniger Fahrzeuge. Der Verband plant deshalb, zwei oder drei ältere Modelle zu verkaufen.
Was ist eigentlich mit der Wertstofftonne?
Im Zuge der Debatte um die Einführung der Gelben Tonne gab es auch Überlegungen zur Wertstofftonne. Die können frühestens zum Jahr 2026 wieder aktuell werden, da die Entsorgung immer für drei Jahre ausgeschrieben wird.
Was gehört überhaupt noch einmal in den Gelben Sack und künftig in die Gelbe Tonne?
Aluminiumfolien, Getränkedosen, Konservendosen, Kunststoffbecher, Kunststoffbehälter, Kunststoffflaschen, Kunststofffolien, Plastiktüten, Pflanztöpfe, sonstige Verpackungen aus Metall oder Plastik, leere Spraydosen, Styroporteile von Verpackungen, Kartons für Milch und Getränke, Verbundmaterialien, Verkaufsverpackungen, die nicht aus Pappe, Papier oder Glas sind, Verschlüsse und Deckel.
Update:Manche kostet sie Millionen: So reagieren Hildesheims größte Vermieter auf die Gelbe Tonne




