Essen für Bedürftige

Marie Hilgenfeld ist die neue Leiterin der Hildesheimer Vinzenzpforte – ihre Pläne für die Einrichtung

Hildesheim - Marie Hilgenfeld hat die Leitung der Vinzenzpforte von Jeanne Golla übernommen, die nach Wolfsburg gezogen ist – der Liebe wegen. Doch auch ihre Nachfolgerin hat Pläne für das Haus, und die haben unter anderem mit Himbeeren zu tun.

Marie Hilgenfeld ist die neue Leiterin der Hildesheimer Vinzenzpforte, einer Hilfseinrichtung der Vinzentinerinnen für bedürftige Menschen. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Sie tritt in große Fußstapfen – und nimmt die Herausforderung gern an: Marie Hilgenfeld hat die Leitung der Vinzenzpforte aus den Händen von Jeanne Golla übernommen, die nach Wolfsburg gezogen und dort inzwischen für einen anderen Orden tätig ist. „Noch bin ich natürlich dabei, hier die Gäste, überhaupt die gesamten Strukturen kennenzulernen“, sagt Hilgenfeld, „aber gleichzeitig habe ich mich hier sofort sehr angekommen gefühlt.“

Nun ist sie diejenige, die das Frühstück am Morgen und später das Mittagessen und all die Hilfsangebote hier in der Pforte koordiniert, und die weiß, dass es mit all dieser Unterstützung immer noch nicht getan ist. Eine halbe Stelle neben ihr besetzt Dina Niemeyer. „Man muss mit den Menschen in einen Kontakt treten, der darüber hinaus geht“, sagt Hilgenfeld, die schon aus einer Familie kommt, in der das Helfen und Wahrnehmen anderer eine Selbstverständlichkeit war. Fast folgerichtig kam sie dann später nach Hildesheim, um hier Sozialpädagogik zu studieren. „Danach wollte ich aber sofort wieder weg, da war ich mir ganz sicher.“ Sagt sie und lacht.

Beim Jugendamt in Hannover, auf dem Land in Wales

Tatsächlich hat sie in den kommenden Jahren viel gesehen, viel erlebt, hat etwa acht Jahre im Jugendamt in Hannover gearbeitet oder als Hauswirtschafterin in Wales. „Das waren für mich wichtige Stationen, denn ich habe überall ganz unterschiedliche Erfahrungen sammeln können. Und jetzt habe ich tatsächlich das Gefühl, dass ich aus allem Bisherigen hier etwas einbringen kann“, sagt Hilgenfeld. Das wissen über die Strukturen von Hilfsangeboten und Behörden aus dem Amt, die Liebe zum Gärtnern und die Expertise aus der Hauswirtschaft. Und die Empathie und ihr Ohr für die Menschen um sie herum von zuhause.

Und so lässt sie bei allen Plänen – ein kleiner Garten soll um die Vinzenzpforte herum entstehen, vielleicht mit Erdbeeren und einem Himbeerstrauch – viele Dinge auch erst einmal auf sich zukommen. „In meinem Bewerbungsgespräch hier im Haus wurde ich gefragt, was ich für die Vinzenzpforte planen würde. Erst einmal gar nichts, hab ich da gesagt, denn ich will die Dinge ja gemeinsam mit den Menschen hier entwickeln.“ Eine Position, mit der sie überzeugte.

Jeanne ist nach Wolfsburg gezogen, der Liebe wegen

Und so will sie es nun auch machen. Entstanden ist die Einrichtung aus einer Initiative der Kongregation der Barmherzigen Schwestern, einst ein kleines Projekt, das im Mutterhaus der Vinzentinerinnen fast nebenbei mitlief. Inzwischen ist es eine feste Institution in der Stadt.

Und Jeanne Golla? Ihr ist das Weggehen nicht leicht gefallen, wie sie vor ihrem Abschied noch erzählte. „Meine Arbeit hat mir immer total viele Möglichkeiten geboten, sie selbst zu gestalten“, so Golla, die bis vor sieben Jahren selbst als Ordensschwester bei den Vinzentinerinnen lebte, dann aber austrat. „Ich hab das, was ich hier mache, immer sehr gern gemacht.“

Warum sie ihre Stelle nun dennoch aufgeben wollte? Der Liebe wegen. „Ich hab mir immer gewünscht, in einer solchen Beziehung zu leben, wie ich sie jetzt mit meinem Freund habe“, sagte die 43-Jährige. Deshalb habe sie den Orden der Schwestern damals verlassen: weil sie ihr Leben nicht allein mit Gott, sondern auch mit einem irdischen Partner teilen wollte. Und nun hat sie diese Beziehung gefunden. „Nur leider nicht hier in Hildesheim, sondern in Wolfsburg“, sagte Jeanne Golla – und strahlte.

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