Nordstemmen - Amazons Coming-of-Age-Serie „Maxton Hall – Die Welt zwischen uns“ entwickelt sich zu einem richtigen Erfolg für den Streaminganbieter. Der Konzern hat nicht nur direkt nach Start der ersten Staffel eine Fortsetzung in Auftrag gegeben. Auch in der Region Hannover hat das Interesse an der Geschichte, die an einem fiktiven englischen College spielt, einen regelrechten Boom ausgelöst. Der Grund: Hauptdrehort ist die Marienburg bei Nordstemmen, die die namensgebende Schule verkörpert. Weltweit wollen nun Menschen das Schloss sehen, die Buchungsanfragen für Hotels im Raum Hannover haben um mehr als 400 Prozent zugenommen.
Das geht auf eine Analyse des Reiseportals Expedia zurück. Im Vergleich zur Zeit vor Serienstart am 9. Mai seien die Suchanfragen in den zwei Wochen danach massiv nach oben geschnellt. „Vor allem Menschen aus Frankreich (+455 Prozent), der Schweiz (+470 Prozent) und Spanien (+475 Prozent) suchten deutlich häufiger nach Unterkünften in Niedersachsens Hauptstadt“, teilt Expedia mit. Aus Italien gibt es ein Plus von 225 Prozent, bei Österreich sind es 150 Prozent, in Schweden 65 Prozent. Doch das Interesse ist nicht nur auf Europa begrenzt: Sogar aus den USA, Asien und Ozeanien wollen die Menschen zur Marienburg: Das Interesse aus den Vereinigten Staaten und Australien nahm laut Expedia um 15 Prozent zu, in Japan wurde 50 Prozent häufiger nach Hotels in Hannover gesucht.
„Maxton Hall“: Serien-Reisefieber heißt Set-Jetting
„Wenn das Interesse seitens der Reisenden an einer Destination auf einmal schlagartig zunimmt, ist dies häufig auf externe Faktoren zurückzuführen“, sagt Expedia-Sprecherin Susanne Dopp. „Dazu gehören beispielsweise soziale Netzwerke, die Medienberichterstattung und eben auch Filme oder Serien.“ Wenn TV- und Streaming-Produktionen ein regelrechtes Reisefieber auslösen, hat das Ganze sogar einen speziellen Namen: Set-Jetting. Weitere prominente Beispiele sind etwa Dubrovnik (Kroatien) als einer der Hauptdrehorte der HBO-Erfolgsserie „Game of Thrones“ oder das Wohnhaus aus „Emily in Paris“ in Frankreichs Metropole.
„Maxton Hall“ handelt von der Stipendiatin Ruby (gespielt von der 21-jährigen Harriet Herbig-Matten), die ein Privatcollege besucht. Eines Tages erfährt sie ein brisantes Geheimnis, das ihr sofort Ärger mit dem versnobten Millionärserben James Beaufort (Damian Hardung, 25) einbringt. Er will ihr Schweigen mit viel Geld erkaufen, doch im Verlauf der ersten Staffel wandelt sich der Streit in eine zarte Liebesbeziehung. Die sechs Folgen von „Maxton Hall“ laufen in 195 Ländern bei Amazon Prime, die Synchronisationen und Untertitel gibt es in 19 Sprachen – darunter arabisch, finnisch und thailändisch.
Marienburg zurzeit geschlossen: Teilöffnung noch 2024?
Gedreht wurde die Amazon-Serie schon 2022 auf der Marienburg. Inzwischen müssen allerdings alle, die sie wegen „Maxton Hall“ besuchen wollen, stark sein: Das Welfenschloss ist seit Jahresbeginn für die Öffentlichkeit geschlossen. In der Dachkonstruktion wurde der sogenannte Echte Hausschwamm festgestellt, weshalb die Standsicherheit in Teilen des um 1860 erbauten Gebäudes nicht mehr gewährleistet ist. Die Sanierung soll bis 2030 dauern.
Die Stiftung Schloss Marienburg arbeitet jedoch mit dem Landesmuseum Hannover an einem Plan, trotz der Arbeiten ein „Publikumsangebot für die Bauphase“ samt Teilöffnung noch in diesem Jahr auf die Beine zu stellen. Angesichts des aktuellen Besucherhypes keine schlechte Idee: Denn auch die Dreharbeiten zur zweiten „Maxton Hall“-Staffel sollen Anfang Juni starten.
von Peer Hellerling
