Hildesheim - Der VfV Borussia 06 Hildesheim hatte Cheftrainer Markus Unger trotz des feststehenden Abstiegs aus der Fußball-Regionalliga Nord ein neues Vertragsangebot gemacht – sicher zu reduzierten Bezügen. Unger habe die Offerte nicht angenommen, teilt VfV 06-Vereinschef Achim Balkhoff nun mit.
Der Coach wird am kommenden Samstag im abschließenden Saisonspiel gegen Blau-Weiß Lohne also zum letzten Mal auf der Trainerbank Platz nehmen – danach gehen er und der Verein getrennte Wege.
„Herbe persönliche Enttäuschung“
Unger erklärt, dass er die Region aus privaten Gründen verlassen wolle. „Der Abstieg aus der Regionalliga ist eine herbe persönliche Enttäuschung für mich, ich brauche jetzt Abstand – mental und lokal“, sagt der 41-Jährige. Der Abstieg des VfV 06 steht seit der 1:2-Niederlage am vergangenen Sonntag bei FC St. Pauli II fest. Schon unmittelbar danach hatte Unger gesagt, er fühle sich „leer“.
Trotzdem habe er einiges bewegen können, betont Präsident Michael Salge: „Wir hätten ihm den Re-Start in der Oberliga zugetraut.“ Insbesondere in der Saison 2021/22 hatte der VfV 06 mit Unger für Furore gesorgt. Der Coach setzte auf variable Spielsysteme – und hatte Erfolg damit. Das Team qualifizierte sich in der verkürzten Corona-Saison für die Meisterrunde und schaffte damit vorzeitig den Klassenerhalt. In der Meisterrunde hagelte es dann allerdings viele Niederlagen. Ungers Vertrag wurde um zwei weitere Jahre verlängert. Nun kommt das vorzeitige Aus, der Kontrakt galt nur für die 4. Liga.
„Negativserie nagt an mir“
In der aktuellen Saison lief es zunächst gut. Aus den ersten sechs Spielen holte der VfV 06 14 Punkte. Doch danach ging es stetig bergab. Zwischenzeitlich gewannen die Borussen nur eine von 21 Saisonpartien und rutschten immer tiefer in die Abstiegszone. Vor allem die vielen späten Gegentore nach jeweiligen Führungen zehrten am Nervenkostüm von Spielern und Trainer. „Diese lange Negativserie nagt an mir, ich brauche jetzt diesen Schnitt“, erklärt der scheidende Coach.
Erst auf der Saison-Zielgeraden lief es wieder besser. Doch die Erfolge gegen Drochtersen (1:0), Phönix Lübeck (3:2) und Werder Bremen II (3:0) kamen zu spät, um das Blatt noch zu wenden.
Klubführung ist vorbereitet
„Natürlich respektieren wir Markus Ungers Entscheidung“, erklären Salge und Balkhoff. Nun werde das Verfahren zur Nachfolge auf dem Trainer-Chefposten weiter intensiviert. „Wir sind nicht unvorbereitet und werden zügig die notwendigen Gespräche führen, um zeitnah einen Nachfolger präsentieren zu können.“
Unger hat die Mannschaft am Mittwochabend vor dem Training über seine Entscheidung informiert. „Ich wünsche dem Verein persönlich alles Gute für die neue Saison. Ich habe sehr viele neue Freunde gefunden über die zwei Jahre und möchte mich bei allen bedanken, die mich und das Team unterstützt haben.“
Ob und wo er zukünftig als Trainer arbeiten könnte, dazu macht er keine Angaben.
Kommentar: Eine konsequente und richtige Entscheidung
Selbst nach einer Negativserie von nur einem Erfolg in 21 Spielen hielten die Verantwortlichen des Fußball-Regionalligisten VfV Borussia 06 Hildesheim an Cheftrainer Markus Unger fest. Das ist keineswegs selbstverständlich im schnelllebigen Fußballgeschäft. Trotz der Niederlagen und zahlreichen späten Gegentore äußerten sich die Spieler immer wieder positiv über den Trainer: An ihm liege es nicht. Er mache gute Arbeit.
Sogar der Abstieg erschütterte das Vertrauen in den Trainer nicht. Der Verein machte ihm ein Angebot für die Oberliga. Unger lehnte ab: Der Abstieg nage zu sehr an ihm. Er brauche jetzt einen Schnitt, sagt er.
Dieser Schnitt ist letztlich auch für den Verein besser. Der Abstieg und die persönliche Enttäuschung wären eine zu große Hypothek für Markus Unger gewesen. Zudem sei er „mental leer“, erklärt er. Für den Neuanfang braucht der VfV 06 frische Kräfte und Ideen. Deshalb ist Ungers Schritt konsequent und richtig.

