Hildesheim - Die Stadt Hildesheim ist eine von 14 niedersächsischen Städten, die für das Modellprojekt „sichere Zonen“ ausgewählt worden ist. Das bedeutet, dass Einzelhandelsgeschäfte, Außenbereiche von Restaurants und Cafés, Fitnessstudios, Kinos, Theater oder Galerien öffnen dürfen. Personen, die ein negatives Corona-Testergebnis vorweisen und die Hildesheimer Kontaktnachverfolgungs-App Checkpoint nutzen, dürfen die sichere Zone betreten. Voraussichtlich soll es am Montag, 12. April, losgehen, kündigt Oberbürgermeister Ingo Meyer an.
Am 12. April soll es losgehen
Über den positiven Bescheid des Landes Niedersachsen am Sonnabend freute sich der Verwaltungschef. „Wir haben mit einigen wenigen Leuten intensiv am Konzept gearbeitet, natürlich in der Hoffnung, erfolgreich zu sein“, sagte Meyer. Bisher sei geplant, am 12. April mit dem Modellprojekt zu starten. Sollte auf Bundesebene jedoch noch ein harter Lockdown beschlossen werden, würde der Start verschoben, so Meyer.
Mit dem Projekt will das Land herausfinden, ob mithilfe konsequenter Testungen und einer digitalen Kontaktnachverfolgung die Öffnung bestimmter Bereiche verantwortet werden kann. In Hildesheim umfasst das Gebiet den erweiterten Innenstadtbereich: vom Hauptbahnhof im Norden zum Neustädter Markt im Süden sowie von der Kardinal-Bertram-Straße/Bischof-Janssen-Straße im Westen und der Zingel/der Bahnhofsallee im Osten.
Begriff ist irreführend
Laut Stadtsprecher Helge Miethe wird es im Hildesheimer Innenstadtbereich keine Absperrungen geben, daher treffe der Begriff „sichere Zone“ auf Hildesheim nicht zu. Er sei irreführend und werde daher nicht verwendet.
Diesen Verzicht begrüßt Senab Özkan, Vorsitzende der Werbegemeinschaft Freundlichen Hildesheimer, denn er klinge nach Abgrenzung. Für sie ist die Teilnahme an dem Modellprojekt die einzige Chance, die Innenstadt wieder zu beleben. „Ich bin froh, dass jetzt etwas passiert“, sagt sie. Eine gute Sache, findet Senab Özkan zudem, dass mit dem System Checkpoint des Hildesheimer Start-ups Youco ein lokaler App-Anbieter ausgewählt wurde. Seit einem Jahr werde geworben, regional zu kaufen. Da sei es nur konsequent, auch mit einem hiesigen App-Anbieter zusammen zu arbeiten.
Einfacher und schneller
Wie Stadtsprecher Helge Miethe mitteilt, sei Checkpoint „mindestens ebenso gut“ wie die App Luca, zudem könne man durch Checkpoint wesentlich einfacher und schneller individuelle Anpassungen an die hiesigen Rahmenbedingungen vornehmen. Auch im Corona-Testzelt von Hil-Care auf der Lilie wird die App Checkpoint bereits genutzt.
Große Hoffnung
Ebenfalls sehr große Hoffnung setzt auch die Geschäftsführerin des Deutschen Hotel und Gaststättenverbandes (Dehoga, Landesverband Niedersachsen, Renate Mitulla, in das Modellprojekt. „Wenn wir alles richtig machen, haben wir eine Perspektive für die Öffnung“, sagt sie. Hildesheim bekomme die Möglichkeit, zu zeigen, dass ein öffentliches Leben mit Corona möglich ist. Welche Gastronomie-Betriebe ab dem 12. April öffnen werden, wird sich in der kommenden Woche entscheiden.
Die Dehoga will den Unternehmen raten, nur kleine Karten anzubieten. Da zunächst nur die Außengastronomie Gäste bewirten darf, sind die Betriebe extrem von der Witterung abhängig – und die ist derzeit nicht gerade beständig. Die Dehoga und die Freundlichen Hildesheimer sind gemeinsam mit der IHK Projektpartner der Stadt.
Mehr Details
Wie Oberbürgermeister Meyer berichtet, hatten die Mitstreiter nur eine Woche Zeit, um ihr Konzept auszuarbeiten. Deswegen konnten in der Kürze der Zeit nicht alle Einzelheiten geklärt werden. „Ende der kommenden Woche wird es weitere Details geben“, kündigt Meyer an.
Besucherströme lenken
Fest steht indes, dass die Lenkung der Besucherströme über die Tests reguliert werden soll. Wird die Stadt zu voll, wird die Anzahl der Tests eingeschränkt und die Geschäfte werden weiteren Kunden den Zugang verwehren, erklärt der Verwaltungschef. Insgesamt, so Daniela Behrens, Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, hätten sich mache Kommunen über die Besucherlenkung zu wenig Gedanken gemacht. Und so kamen auch nicht alle Antragsteller zum Zuge.
In Hildesheim wird das Projekt von der Stiftung Universität Hildesheim und der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen sowie medizinisch vom Ärztlichen Leiter des Hildesheimer Rettungsdienstes, Professor Dr. Georg von Knobelsdorff, und dem Gesundheitsamt Hildesheim begleitet. Nach Abschluss wird der Modellversuch evaluiert und ein Erfahrungsbericht verfasst, der dem Land Niedersachsen zur Verfügung gestellt wird.
