Drei-Wochen-Experiment

Modellversuch: So könnte ab nächster Woche das Einkaufen in der Hildesheimer City ablaufen

Hildesheim - Am kommenden Montag können die Geschäfte und Café-Terrassen in der Innenstadt öffnen – für die, die negativ getestet sind. Weitere Details, was das für die Hildesheimer bedeutet.

Wer kein Smartphone hat, bekommt sein Testergebnis auf Papier – und dazu die grüne Karte als Eintritt in die Geschäfte der Innenstadt. Alle anderen kriegen eine Mail. So will das Testzentrum auf der Lilie seine Kunden ausstatten. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Nun hat Hildesheim den Zuschlag und darf ab dem 12. April, also ab kommenden Montag, in der Innenstadt Geschäfte und Außengastronomie wieder öffnen. Zunächst für drei Wochen. Ein Modellversuch, an dem viele Akteure beteiligt sind. Und der gut koordiniert sein will.

Während die Stadt einige wesentliche Informationen am Donnerstag bekannt geben will, stehen andere bereits fest. Da ist zunächst mal der technische Ablauf für die Hildesheimer, die zum Einkaufen und Kaffeetrinken in die City wollen.

Der Test ist zwölf Stunden lang gültig

Sie brauchen einen Ausweis und einen aktuellen, negativen Corona-Test. Der ist ab Ausstellungszeit exakt zwölf Stunden gültig und für die Getesteten quasi die Eintrittskarte in den Innenstadtbereich zwischen Bahnhof und Neustädter Markt. Dazu meldet man sich an, wenn man auf längere Wartezeiten möglichst verzichten will.



Möglich ist das etwa im Testzentrum von Hil-Care auf der Lilie, wo man über die Homepage von Hil-Care einen Termin buchen kann. In den testenden Apotheken läuft das grundsätzlich ähnlich, wobei es dort oft beschränkte Zeiten gibt. So etwa in Dr. Läer`s Sonnenapotheke, mitten im Zentrum gelegen. „Wir testen nur mittwochs und donnerstags“, sagt die Mitarbeiterin. Im Zweifelsfall kann ein vorheriger Anruf nützlich sein. Das Ergebnis gibt es dann nach einer Viertelstunde als Ausdruck auf Papier.

Jetzt kann man Geschäfte besuchen – nur welche?

Den kann man auf der Lilie auch bekommen, da sieht er aus wie ein Kassenbon. Dazu gibt es ein grünes Kärtchen, das Michael Junge von der Hildesheimer Firma Youco, die tatsächlich einen Großteil der technischen Abläufe entwickelt und dafür auch extra bestehende Programme umgeschrieben hat, „Greencard“ nennt. Bon und Karte sind aber vor allem für die Menschen gedacht, die kein Smartphone besitzen und sich deshalb nicht online anmelden können. Denn wer das tut, bekommt automatisch auch sein Testergebnis als Mail. „Und die genügt, um Eintritt in die Geschäfte zu bekommen“, so Junge. Weitere Apps und Anwendungen seien für die Kunden nicht zwingend nötig. Und auch wer keinen Termin hat, kann hier zum Testen vorbeikommen – muss dann nur möglicherweise Wartezeiten in Kauf nehmen.



Nun also hat er in der Hand, was er braucht, der Hildesheimer. Und kann sich auf den Weg in die Geschäfte machen. Nur: in welche? Ob sie am Modellversuch teilnehmen wollen oder nicht, konnten die Inhaber der Läden und Cafés innerhalb des ausgewiesenen Gebiets selbst entscheiden. Wie diese Entscheidung insgesamt ausgefallen ist, ist noch nicht bekannt.

„Gut, wenn möglichst viele Händler teilnehmen“

In Hannover etwa ist eine solche Abstimmung bereits durchgeführt worden, bevor überhaupt klar war, ob die Stadt Modellkommune wird. Hildesheim hingegen hat die Zusage schon seit vergangenem Samstag in der Tasche, während die Teilnahme und auch deren Bedingungen unter den Händlern derzeit noch Thema sind.

So etwa auch in der Arneken Galerie, unter deren Dach sich zahlreiche Geschäfte, Verkaufsstände und Cafés befinden, mit denen sich Manager Holger Höfner im Augenblick zur Frage der Öffnung abstimmt, wie er sagt. Er wolle „auf jeden Fall dafür werben, dass möglichst viele teilnehmen“, wie er sagt. „Immerhin geht es nicht bloß um die Öffnung innerhalb dieser drei Wochen, sondern später auf Grundlage wissenschaftlich ausgewerteter Daten um weitere Lockerungen.“ Und daran seien seine Mieter wie viele andere sehr interessiert.

Geöffnete Hotels? – „Das wäre ja ein Traum!“

Öffnen darf außer den Geschäften ausschließlich die Außengastronomie der ansässigen Lokale und Cafés. „Auf die sind und bleiben diese Lockerungen auch wirklich beschränkt“, sagt Renate Mitulla, Geschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbands Niedersachsen, auf die Frage, ob etwa Hotels nun auch touristische Gäste beherbergen dürften: „Das wäre ja ein Traum!“, meint Mitulla. Der aber erfüllt sich vorerst nicht.

Und was kann der negativ getestete Hildesheimer mit seiner grünen Karte oder seiner Mail vom Testzentrum sonst noch anfangen? Ins Theater und ins Kino darf er zumindest in Hildesheim nicht. Die liegen Richtung Oststadt und damit nicht mehr im als frei zugänglich markierten Bereich. „Das ist für uns schade“, sagt Julia Deppe, Pressesprecherin des Theaters für Niedersachsen. „Aber wir begrüßen das Projekt grundsätzlich sehr.“ Für die Wiederöffnung der Bühne hoffe man auf eine günstige Prognose für weitere Öffnungen.

Vielleicht für das Modell zur langfristigen Öffnung

Wie Höfner wünscht sich Deppe, dass der Modellversuch in die Zukunft trägt: Ergibt sich aus den Öffnungen der Beweis, dass Shoppen und Kaffeetrinken unter Beachtung aller Corona-Regeln die Pandemiezahlen nicht in die Höhe treiben, steht möglicherweise einer langfristigen Öffnung nichts mehr im Wege.

An diesen Auswertungen sind maßgeblich Wissenschaftler der Universität Hildesheim beteiligt. Welche Daten sie aber über welchen Zeitraum erheben oder wie sie schlussendlich zu dem Ergebnis kommen wollen, das über Hildesheims Zukunft entscheiden könnte, dazu verweis Isa Lange, Pressesprecherin der Uni, abermals zurück an die Stadt: als „Auftraggeber der wissenschaftlichen Begleitung“ verantworte sie das Modellprojekt, so Lange. Das Bernward Krankenhaus immerhin bestätigt, dass der Ärztliche Direktor der Einrichtung, Prof. Georg von Knobelsdorff, die Untersuchungen aus ärztlicher Sicht begleiten wird.

Aber was, wenn bundesweit der Lockdown kommt?

Und was, wenn ein bundesweiter Lockdown das Einkaufen und Kaffeetrinken innerhalb dieser drei Modellwochen zu beenden droht? „Das müssten wir dann sehen“, sagt Anne Hage, Pressesprecherin des Niedersächsischen Gesundheitsministeriums. „Das hieße nicht automatisch, dass der Modellversuch damit beendet ist. Aber wie genau man damit verfahren würde, das müssten wir in dem Moment sehen, in dem sich so eine Frage stellt.“

Der Hildesheimer, der inzwischen einkaufen und Kaffeetrinken war, ist inzwischen bereits auf dem Weg nach Hause. Was aber, wenn ihm unterwegs einfällt, dass er etwas vergessen hat? Darf er ein zweites Mal in den Bereich der geöffneten Innenstadt? Ja, das darf er, sagt Sebastian Adamski, einer der Hil-Care-Gründer. Aber sinnvoll findet er diese Lösung nicht. „Dass der Test zwölf Stunden Gültigkeit hat, halte ich für eine zu lange Zeit. Die Hälfte wäre gut.“

Die Virenlast erhöht sich erst nach und nach

In sechs Stunden hätten die allermeisten Menschen wohl das allermeiste erledigen können, das sie erledigen wollten. „Man darf nicht vergessen, dass ein Test immer nur exakt den Moment abbildet, in dem er durchgeführt wird. Je mehr Zeit seitdem vergeht, desto unklarer ist, ob dieses Ergebnis auch jetzt noch zutreffen würde. Immerhin brauche es, um Viren nachzuweisen, eine bestimmte Menge davon. „Und die erhöht sich nach einer Ansteckung erst nach und nach.“

  • Hildesheim
  • Hildesheim
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.