Veränderungen am Verkehrsleitsystem

Stadt Hildesheim entschuldigt sich nach Chaos-Start: Gibt es jetzt nur noch echte Stau-Hinweise auf den digitalen Schildern?

Hildesheim - Das neue Verkehrsleitsystem in Hildesheim ist bisher gefloppt. Die Stadt meint nun, die Ursachen für die Probleme gefunden zu haben und diese abstellen zu können.

Gibt es diesen Stau wirklich, der da auf der Infotafel an der B1 angezeigt wird? Da konnten Autofahrer in den vergangenen vier Wochen in Hildesheim nie sicher sein. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Vor vier Wochen hat die Stadt das Verkehrsleitsystem in Betrieb genommen – es soll Autofahrer durch Hinweise am Stadtrand mit Umleitungen um das Zentrum herumführen, wenn es dort sowieso schon zu eng ist. Doch auf den Infotafeln sind immer wieder Staus angezeigt worden, die es gar nicht gab – weshalb sich viele Bürger über das zwei Millionen Euro teure System lustig machen und dieses kritisieren. Zurecht, räumt die Verwaltung ein. Sie ist aber zuversichtlich, die Probleme nun abstellen zu können.

Ein Punkt hatte Fachbereichschef Kai-Uwe Hauck beim Start des Systems Mitte August sehr am Herzen gelegen: Damit die Autofahrer den Umleitungsempfehlungen wirklich folgten, müssten die Infos auf den Hinweistafeln auch stimmen. Davon konnte in den ersten Wochen in viele Fällen nicht die Rede sein, wie Hauck den Kritikern jetzt zugestand. „Das ist ärgerlich, wir müssen uns dafür bei den Menschen entschuldigen“, sagte er der HAZ.

System funktioniert – doch die Grundlagen stimmen nicht

Dabei habe das System sogar so funktioniert, wie es sollte, betont die zuständige Stadt-Mitarbeiterin Bettina Beyer. Doch die Grundlagen seien falsch gewesen: Sie hätten auf Daten aus dem verkehrsarmen Sommer beruht. Das Fachbüro, das das System betreut, hatte damals Zeiten festgelegt, wie lange es maximal dauern sollte, bestimmte Strecken zurückzulegen. Doch die angenommenen Werte seien zu niedrig gewesen, wie sich angesichts des wieder stärkeren Verkehrs nach den Ferien gezeigt habe, erklärt Beyer: „So etwas lässt sich eben nur in der Praxis genau ermitteln.“

Inzwischen hat die Stadt die so genannten Reisegeschwindigkeiten anpassen lassen. Zudem lösen allein Überschreitungen keine Stau-Hinweise mehr auf den Infotafeln aus: Dazu ist zusätzlich auch eine bestimmte Verkehrsmenge nötig.

Bislang leuchtete der Stau-Hinweis schon auf, wenn eines der Kriterien – zu viel Verkehr oder zu langsames Tempo – den ursprünglich festgelegten Wert überschritten hatte. Nun seien die Kategorien gekoppelt, sagte Beyer. Die alte Variante hatte nächtliche Stau-Warnungen ausgelöst, weil das System bereits einen einsamen Radfahrer zum Anlass genommen hatte, der für eine Strecke länger braucht, als ein Auto das getan hätte. Das System war wegen dieser bizarren Meldungen zwischen 20 und 6 Uhr vorläufig ausgeschaltet worden.

Auch bei zu schlechter Luft meldeten die Infotafeln „Stau“ – doch den gab es gar nicht

Und die Stadt hat eine weitere Ursache für unsinnige Stau-Hinweise ausgemacht. So gab es diese bisher auch bei Überschreitungen einer bestimmten Stickstoffdioxidmenge in Schuh- oder Kaiserstraße. Dort war dann also die Luft zu schlecht – es gab aber keinen Stau.

Der Begriff werde daher demnächst in solchen Fällen auch nicht mehr auf den Infotafeln stehen, sondern durch einen Hinweis auf die Luftbelastung ersetzt, kündigte Beyer an. Zudem habe auch hier die Datenbasis nicht gepasst; die Schwellenwerte seien ebenfalls auf Grundlage verkehrsärmerer Zeiten ermittelt worden. Die Stadt will nun in Absprache mit dem Lufthygienischen Überwachungssystem des Landes neue Werte festlegen – bis dahin fließt die Luftbelastung nicht mehr in das Verkehrsleitsystem ein.

Aber sind alle diese Probleme nicht eigentlich Anlass, mit den am Verkehrsleitsystem beteiligten Firmen hart ins Gericht zu gehen? Nein, meint die Verwaltung: Das System in Hildesheim sei in dieser Form einmalig in Deutschland. „Das ist ein Pilotprojekt“, sagt Rathaus-Sprecher Helge Miethe. Der Stadt sei klar, dass es schwer werde, das Vertrauen der Bürger angesichts dieses Auftaktes zurückzugewinnen. Doch das könne gelingen, meint Hauck: „Man braucht ein bisschen Geduld, bis das Ganze mit der vollen Qualität läuft.“ Es sei klar gewesen, dass es bei einem neuen System Bedarf zum Nachbesser geben werde. Er habe allerdings selbst gedacht, man sei schon weiter, erklärte der Fachbereichschef. Die Stadt hatte das System vor dem Start Mitte August drei Monate getestet.

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