Radweg Marienburger Höhe

Nach dem Pop-up-Versuch: Die Stadt will den Radverkehr auf der Marienburger Höhe neu planen.

Hildesheim - Der Klingeltunnel ist ein Engpass, viele Radler fahren trotz Verbotes stadteinwärts auf der falschen Seite. Welche Schlussfolgerungen die Stadt aus ihrem Pop-up-Weg-Test zieht.

Die Stadt will den Radverkehr auf der Marienburger Höhe nach dem Experiment mit dem Pop-up-Radweg auf neuen Kurs bringen. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Knapp drei Wochen lang gab es an der Marienburger Straße hinter dem Klingeltunnel in Richtung Universität einen sogenannten Pop-up-Radweg, um vor allem Radlern und Fußgängern mehr Platz zu verschaffen. Nun hat die Stadt die Ergebnisse vorgestellt, was der Versuch gebracht hat. Eines ist schon klar. Für die Planer rund um Stadtbaurätin Andrea Döring wird es weiterhin Kopfzerbrechen geben, wie an der Stelle eine optimale Lösung aussehen könnte. Geplant wird ab nächstes Jahr.

Denn eines zeigte sich bei der Auswertung ganz deutlich: Obwohl es verboten ist, nutzen sehr viele Radfahrer die Verbindung, um von der Höhe in Richtung Stadt zu fahren. Während der Testphase waren ein professionelles Ingenieursteam, zwei Projektgruppen der HAWK und auch städtische Mitarbeiter damit beschäftigt, das Verkehrsverhalten unter die Lupe zu nehmen.

Neue Konflikte mit Fußgängern

Victoria Gries, Mitarbeiterin der Stadt im Bereich Stadtplanung und Mobilität, hat die Daten – aber auch Reaktionen zusammengefasst. Denn auch die Facebook- und andere Kommentare wurden ausgewertet. Neben den Regelverstößen durch Radfahrer tauchten während der Versuchsphase neue Probleme auf. Zwischen Fußgängern und Radlern sowie auch durch den Gegenverkehr kam es immer wieder zu Konfliktsituationen – vor allem während der Hauptnutzungszeiten morgens und nachmittags.

Weil zudem die Auffahrt von der Trogstrecke für Autos, Laster und Busse durch ein Stop-Schild unterbrochen wurde, entstand durch das ständige Neuanfahren eine neue Lärmbelastung für die Anlieger. Das sei ein weiteres Thema, dem sich die Stadtplaner künftig widmen müssen, fasst Döring zusammen.

Stop-Schild führt zu mehr Lärm

Klar sei jedenfalls, dass die „Abstimmung mit den Pedalen“ die Notwendigkeit einer guten Lösung für das Gegenverkehrs-Problem erfordere. Auch eine Petition macht Werbung für eine Lösung. Zudem sei abzusehen, dass der Radverkehr – unter anderem, wenn es zu der Wasserkampbebauung komme – zunehmen werde. Aber der Klingeltunnel werde als Nadelöhr-Situation nicht verschwinden, sagt Döring. Das sei schon baulich nicht zu bewerkstelligen.

Ihr ist aber auch klar, dass die ausgeschilderte Umleitung von der Höhe in Richtung Stadt „unattraktiv“ für Radfahrer sei. Auch die Schleife über die Überführungsschnecke sei als Alternativroute noch nicht gut genug in Schuss gebracht. Der Pop-Up-Radweg war zwar eine gute Möglichkeit für einen kurzfristigen Test, langfristig bedarf es aber einer gründlichen Planung, sagt Döring.

Planung für Radweg ab 2022

Dazu gehört auch der Bereich vor der Universität selbst, der mit dem geplanten Umbau des Geschäftszentrums und neuen Ideen für den Übergang auf der Marienburger Straße in das Konzept einbezogen werden müsse. Die Planung für eine Gesamtlösung werde zwar 2022 angeschoben – könne aber erfahrungsgemäß drei bis vier Jahre dauern. Mindestens.

Deswegen werde man über kurz oder lang noch mit der gegenwärtigen Situation leben müssen, kündigt Döring an. Ein Umbau müsse zum Beispiel auch die Auffahrsituation von der Trogstrecke einbeziehen, damit ein Einfädeln flüssiger klappen kann. „Ich bin zuversichtlich, dass wir für die Maßnahme, die sicherlich einige Millionen Euro kosten wird, Fördermittel bekommen“, kündigt die Stadtbaurätin an.

Neuer Radweg zum Wasserkamp

Und noch einen Hoffnungsschimmer lässt Döring verlauten: Die Verwaltung plant insbesondere für ein Neubaugebiet Wasserkamp eine neue westliche Radwegstrecke vom Südfriedhof entlang der Bahnstrecke in Richtung Stadtzentrum: „Vielleicht kann man auch dadurch den Druck auf den Klingeltunnel senken.“

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