Kommunalpolitik

Nach „Roter Karte“ der Deutschen Umwelthilfe: Politiker kritisieren mangelhaften Hitzeschutz in Hildesheim

Hildesheim - Hildesheim leidet laut der Deutschen Umwelthilfe zu stark unter Hitze. Für die Mehrheitsgruppe im Stadtrat ein Anlass, das Thema Hitzeschutz am Montag in einer aktuellen Stunde anzusprechen – und scharfe Kritik an der Verwaltung zu üben.

Die Deutsche Umwelthilfe hat jüngst der Stadt Hildesheim ein schlechtes Zeugnis beim Hitzeschutz erteilt. Die Mehrheitsgruppe im Stadtrat hat das Thema nun aufgegriffen – und bemängelt, dass bislang zu wenig in der Stadt gegen Hitze gemacht wird. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Hildesheim erlebt diesen Sommer die ersten heißen Tage mit Temperaturen weit über 30 Grad. Und darauf, so urteilte jüngst die Deutsche Umwelthilfe (DUH), ist die Stadt schlecht vorbereitet. In ihrem „Hitze-Check“ verordnete die DUH Hildesheim erstmals im roten Bereich – als Stadt, deren Bewohnerinnen und Bewohner an heißen Tagen überdurchschnittlich unter Hitze litten. Für die Mehrheitsgruppe aus SPD, Grünen und der PARTEI ein Anlass, das Thema Hitzeschutz im Rat eine aktuellen Stunde dazu beantragen – und dabei scharfe Kritik an der Stadtverwaltung zu üben.

Deren Bemühungen, die Stadt abzukühlen und die Bevölkerung vor starker Hitze zu schützen, seien bislang völlig unzureichend, kritisierte Grünen-Co-Vorsitzende Tinka Dittrich. Etwa beim Thema Entsiegelung: Je weniger Fläche mit Beton bepflastert sind, desto kühler kann ein Ort sein. Dass die Stadt im vergangenen Jahr allerdings nicht vorrangig auf Schulhöfen oder in der Innenstadt Flächen entsiegelte, sondern auf dem Südfriedhof, ist laut Dittrich „ein Hohn“: „Das empfinde ich eher als Maßnahme, weil man da nicht die Wegepflege investieren wollte.“

Oberbürgermeister sieht DUH kritisch

Als weiteres „Paradebeispiel“ dafür, dass es mit dem Hitzeschutz nicht gut bestellt sei, nannte Dittrich den Platz an der Lilie. Dort wurde Anfang des Jahres ein morscher Baum gefällt, doch ein Ersatz ist noch immer nicht in Sicht. „Gehen Sie mal übermorgen (gemeint ist Mittwoch bei angekündigten 36 Grad Celsius, Anm. d. Redaktion) über den Platz“, sagte sie in Richtung der Verwaltung, „und schauen Sie, ob es sich da gut aushalten lässt.“ Hildesheim, so Dittrichs Fazit, sei beim Hitzeschutz zu langsam und zu unwillig. Dabei betreffe das Thema bereits mehrere Zehntausende Menschen in der Stadt.



Für Oberbürgermeister Ingo Meyer (parteilos) war die Kritik nicht gänzlich neu, und mit Blick auf Teile der Innenstadt stimmte er auch durchaus zu – gerade beim Bahnhofsvorplatz, der am Montag öfter als herausragendes Negativbeispiel genannt wurde. Dass es um Hildesheims Hitzeschutz aber tatsächlich so schlecht stehe wie von der DUH behauptet, wies Meyer zurück: „Die DUH ist in meinen Augen eine eher zweifelhafte Einrichtung.“ Schließlich sei „bekannt“, dass Hildesheim eine der „fünf grünsten Städte Deutschlands“ sei. „Wie man dann gleichzeitig die ,Rote Karte’ kriegen kann, ist mir schleierhaft.“ Zudem stehe, betonte er, der Klimaschutz stets oben auf der Prioritätenliste der Verwaltung. Oftmals brauche es aber schlicht Geduld, bis eine Maßnahme wirke – so etwa bei den neu gepflanzten Bäumen am Angoulêmeplatz, der am Montag ebenfalls öfter als zu versiegelt und zu heiß bezeichnet wurde. „Da stehen eine ganze Menge Bäume“, sagte der Oberbürgermeister, „aber es dauert, bis die eine Größe haben, dass wir uns da drunter im Schatten wähnen können.“

Kritik an CDU-Gruppe

Die Kritik der Mehrheitsgruppe richtete sich am Montag derweil nicht allein gegen die Verwaltung. Jens Schulte-Koch (Grüne) warf seinen Ratskolleginnen und -kollegen der Gruppe CDU/Unabhängige/FDP „das ein oder andere gleichgültige Gesicht“ vor, „und auch das ein oder andere Augenrollen“. Er wünsche sich, dass das Thema Klimaschutz wieder verstärkt auf der Tagesordnung im Rat stehe, und dass sich nicht nur die Mehrheitsgruppe dafür einsetze. Dies wies wiederum CDU-Fraktionschef Dennis Münter als „hervorgekramte Stereotype“ zurück, die CDU habe sich in dieser Sicht gewandelt und nehme das Thema ernst. Zudem, mahnte sein Parteikollege und langjähriger Ratsherr Martin Eggers an, beschloss der Stadtrat einst die nun oft gescholtenen Umgestaltungen vom Bahnhofsvorplatz und Angoulêmeplatz einstimmig – auch mit den Stimmen der heutigen Mehrheitsgruppe. Im Nachgang nur „alles schlechtreden“ sei daher der falsche Weg, so der Christdemokrat. Den Ball fing Schulte-Koch auf, indem er eine neue Arbeitsgruppe des Stadtrat anregte. Die soll sich künftig der Entsieglung im Stadtgebiet widmen.

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