Groß Düngen - Die Behörden haben nach dem Verkehrschaos am Donnerstag in Groß Düngen nachgebessert. Seit Freitagmorgen ist die Hostmannstraße – von zahllosen Autofahrern am Vortag noch als Schleichweg genutzt – gesperrt. Doch auch dieser Schritt stößt bei vielen Anwohnern auf Unverständnis.
Seit Donnerstagmorgen ist wegen einer Baustelle die Bundesstraße 243 in Groß Düngen voll gesperrt. Autofahrende müssen eine weite Umleitung in Kauf nehmen. Viele fuhren stattdessen durch die enge Hostmannstraße, der morgendliche Berufsverkehr kam zum Erliegen. Einen Vorschlag von Ortsbürgermeisterin Aloisia Bonnke, die Hostmanstraße ortseinwärts zu sperren, lehnte die Landesbehörde für Verkehr in Hannover am Donnerstagnachmittag auf HAZ-Anfrage noch ab.
Anwohner dürfen Baken entfernen
Tatsächlich ließ der Landkreis Hildesheim dann aber an beiden Einfahrten zur Straße Baken aufstellen. Dies führt nun dazu, dass ein Teil der Bewohner Groß Düngens selbst nicht mehr aus dem Ort herauskommt, ohne die weiträumige Umleitung zu nehmen. Mehrere von ihnen beschwerten sich bei der HAZ, dass sie nun zunächst Richtung Hildesheim fahren müssen, wenn sie nach Bad Salzdetfurth gelangen wollen – also in die entgegengesetzte Richtung.
Dabei sollte die Hostmannstraße gerade dazu dienen, dass die Groß Düngener aus dem Ort hinein- und herauskommen. Kreissprecherin Birgit Wilken stellte nun auf Anfrage klar, dass die Hostmannstraße nur von den Anliegern der Straße selbst genutzt werden darf. Dazu dürften die Anwohner auch die Baken zur Seite schieben. „Aber die müssen dann auch wieder zurückgeschoben werden“, betont Wilken. Anwohner aus dem übrigen Ort dürften die Straße hingegen nicht nutzen.
Behörde verweist auf offizielle Umleitungsstrecke
Martin Klose, Sprecher der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, verwies auf die offizielle Umleitungsstrecke, die über Klein Düngen, Hockeln und Heersum zur B 6 führt. Am Vortag hatte Klose noch erklärt, dass die Straße auch den übrigen Einwohnerinnen und Einwohnern während der Sperrung als Durchgangsstraße dienen soll.
Tatsächlich schoben am Freitag viele Autofahrer, nicht nur aus der Hostmannstraße, die Sperrschilder weg – ohne sie wieder zurückzustellen. „Das war natürlich eine Einladung für den nächsten Autofahrer, in die Straße zu fahren“, meinte ein Anwohner.
Kritik an Ampelschaltung in Heersum
Verbessert wurde nach Angaben des Landkreises die Beschilderung der Umleitungsstrecke. Kritik gibt es an einer Bedarfsampel auf dieser Strecke in Heersum. Die lässt nur wenige Autofahrer pro Grünphase durch. Außerdem gibt es Kritik am Standort der Ampel in Heersum. Wichtiger wäre nach Ansicht von Autofahrenden eine Ampel direkt an der Auffahrt zur Bundesstraße 6. Am Donnerstag bereits war es im Berufsverkehr zu langen Staus auf der Umleitungsstrecke gekommen. Zu diesem Problem konnten sich am Freitag weder der Landkreis noch die Landesbehörde äußern.
Von Michael Vollmer und Sebastian Knoppik
Kommentar: Stümperhaft
Die Investition in Infrastruktur ist unerlässlich. Schließlich wurde die Sanierung von Straßen und Schienen jahrzehntelang vernachlässigt. Doch gerade weil derzeit an vielen Stellen gebaut wird, ist es wichtig, dass die Behörden die verschiedenen Maßnahmen vernünftig planen und koordinieren. Und vor allem ist es wichtig, dass alle Verkehrsteilnehmer frühzeitig und umfassend informiert werden.
Beides funktioniert bei den Straßenbau-Vorhaben im Landkreis Hildesheim gerade leider gar nicht. Planung und Kommunikation wirken eher stümperhaft und unprofessionell. Das sorgt für Frust bei Bürgerinnen und Bürgern. Die haben in der Mehrheit sicher Verständnis dafür, dass Sperrungen notwendig sind, wenn Straßen saniert werden müssen. Aber sie verlangen zurecht eine professionelle Planung – und wollen sich rechtzeitig auf gesperrte Straßen einstellen können.

