Hildesheim - Nach dem tödlichen Unfall in Alfeld, bei dem am vergangenen Freitag ein 17-jähriger Fahrradfahrer ums Leben gekommen ist, ermittelt die Polizei gegen den 41 Jahre alten Fahrer des Lastwagens, der das Opfer beim Abbiegen erfasst und überrollt hat. Nach Angaben des Polizeisprechers Jan Makowski besteht der Anfangsverdacht der fahrlässigen Tötung. Auch die Staatsanwaltschaft Hildesheim ist eingeschaltet.
Der Fahrer des Lastwagens war gegen 13 Uhr auf der Warnetalstraße (Landesstraße 485) aus Alfeld kommend in Richtung Sibbesse durch den Ortsteil Langenholzen unterwegs, als er schließlich an der Einmündung zur Rabentalstraße nach rechts abbiegen wollte. Dabei übersah er offenkundig den 17-Jährigen, der mit seinem Fahrrad in diesem Bereich auf einem kombinierten Geh- und Radweg unterwegs war und geradeaus weiterfahren wollte.
LKW mit Warnsystemen ausgestattet
Um solche Abbiegeunfälle im sogenannten toten Winkel zu verhindern, sind inzwischen viele Lastwagen mit Warnsystemen ausgerüstet, die auf Personen hinweisen sollen – und auch der Transporter des 41-Jährigen war mit solch einer Technik ausgestattet. Das bestätigt Polizeisprecher Jan Makowski auf Nachfrage der HAZ: „Der Lkw verfügt über ein Abbiegeassistenzsystem mit Monitor.“
Warum der Fahrer den 17-Jährigen trotzdem nicht bemerkte und ihn mit seinem Fahrzeug erfasste, ist bislang unklar. War der Mann abgelenkt und sah nicht auf den Monitor? War das Gerät ausgeschaltet? Funktionierte es nicht richtig? Gibt es ganz andere Erklärungen? Das müssen die weiteren Ermittlungen zeigen, der Mann selbst hat zur Aufklärung bislang noch nichts beigetragen: Bis Montagnachmittag hatten die Ermittler den Mann noch nicht vernommen. Bislang haben sich auch keine Zeugen bei der Polizei gemeldet, die den genauen Unfallhergang beobachtet haben.
Ähnlicher Unfall 2019 in Lehrte
Nach einem ähnlichen Unfall in Lehrte im Jahr 2019 musste sich im Sommer 2020 ein aus dem Landkreis Hameln/Pyrmont stammender Müllwagenfahrer wegen fahrlässiger Tötung vor dem Amtsgericht Lehrte verantworten. Dort wurde der 36-Jährige, der beim Abbiegen ein elfjähriges Mädchen überrollt hatte, schließlich am 23. Juli zu einer Geldstrafe von 2700 Euro verurteilt. „Ich würde alles dafür tun, es ungeschehen zu machen“, hatte der Angeklagte – selbst Familienvater – zum Prozessauftakt gesagt.
Im Jahr 2020 starben in Deutschland 426 Radfahrer nach Unfällen – nach Recherchen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) kamen 40 von ihnen allein durch abbiegende Lastwagen ums Leben.
