Hildesheim - „Warum wurde das hier noch nie für ein Event genutzt?“ – Diese Frage stellte sich Timo Biedermann immer wieder, wenn er mit seinem Hund in der Sedanstraße Gassi ging. Der Ort sei mit seinen Grünflächen, üppigen Bäumen und breitem Weg doch ideal. Gassirunde um Gassirunde trug der 32-Jährige, der hauptberuflich unter anderem das Online-Marketing für den Hildesheimer Escape Room managt, die Frage mit sich herum, bis er sich im vergangenen Dezember entschloss, selber aktiv zu werden – und die Kulturmeile Hildesheim zu planen, die Hildesheims größtes Straßenfest werden soll.
Die Sedanstraße (Biedermann: „Wie die meisten Hildesheimer sage ich Sedanallee“) soll im Sommer von der HAWK bis zur Höhe Braunschweiger Straße zu einer „Erlebniswelt“ werden. Die Wörthstraße soll auf Höhe der Allee gesperrt werden. „Ganz wichtig ist uns ein nachbarschaftliches Gefühl“, sagt Biedermann. Er stellt sich Flohmarktstände neben Gastro-Buden, Kunsthandwerk neben Entspannungsbereichen, studentische Projekte neben Ausstellungen, Workshops neben einer kleinen Bühne mit leiser Musik vor. „Unser Fokus bei der Planung liegt auf Familien, auf Kindern, auf Nachbarschaftlichkeit und Kultur – und alles mit freiem Eintritt“, sagt Biedermann.
Problem Hundekot
Mit „wir“ meint er die Mitstreiter, die er über die Initiative Neustadt gefunden hat. Im ehrenamtlichen Kernteam helfen noch der Physiker Felix Käß und der Gastronom Daniel Logmanpur mit. „Aber wir sind nur die Organisatoren, wir schaffen nur den Raum“, sagt Käß. In ihrer Vorstellung ist die Kulturmeile ein großes, gemeinschaftliches Projekt, bei dem alle Ausstellenden und Workshopleitenden Verantwortung übernehmen.
Stichwort Verwandlung: Viele, mit denen Biedermann über das Fest gesprochen hat, hätten vor allem einen Vorbehalt gehabt. „Ich wurde oft gefragt, was wir mit dem Hundekot machen wollen.“ Die Straße ist beliebt bei allen, die mit ihren Hunden unterwegs sind – wie ja auch bei Biedermann selbst. Aber wenn Kinder dort toben sollen, braucht es eine Lösung für den liegen gelassenen Kot der Hunde. Das Team baut dabei auf eine Kooperation mit der Stadt, um zum Festtag alle Häufchen zu beseitigen.
Erste Workshops stehen schon
Aber ist es nicht ein bisschen ambitioniert für ein neues Projekt, gleich eine Strecke von mehr als 400 Metern mit einer Fläche von fast anderthalb Fußballfeldern zu bespielen? Die Organisatoren zucken optimistisch mit den Schultern. „Was es am Ende wird, bestimmen die Leute in der Stadt“, sagt Käß. Falls sich nicht so viele Stände wie erwartet finden, werde man die Eingangstore zur Erlebniswelt einfach ein bisschen enger rücken. „Es ist ja sogar gut, wenn wir nicht direkt bis an die Braunschweiger Straße stehen“, sagt Biedermann, „dann ist das alles entzerrt, dann kann kein Kind auf die Straße laufen.“
Sorgen macht sich das Team jedenfalls nicht. „Wir werden sehen, wie es wird“, sagt Käß. Und die ersten Workshopleiter hätten sich auch schon angekündigt: Ein Töpferkurs und eine Meditationssession.
Termin im August
Die Kulturmeile findet am Samstag, 24. August 2024, von 10-22 Uhr statt. Wer Interesse an einem Stand hat oder einen Workshop anbieten möchte, erreicht die Organisatoren über das Kontaktformular auf www.kulturmeile-hildesheim.de.
Aber der Blick von Biedermann und seinen Mitstreitern geht auch über den August hinaus. „Wir wollen das zu einem Event machen, das alle zwei Jahre stattfindet“, sagt Biedermann.
